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Prof. Dr. Benjamin List Katalyse für die Welt

Der Leibniz-Preisträger in Chemie Benjamin List vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mühlheim erforscht Naturstoffe als Katalysatoren für die Herstellung von Chemieprodukten. Die grundlegende Entdeckung und die Revolution in der Katalyse, die dadurch ausgelöst wurde, präsentiert er hier.

Stand: 21.01.2019

Ein Leben ohne Katalyse ist undenkbar: In der pflanzlichen Photosynthese vermitteln biologische Katalysatoren die Umsetzung von Kohledioxid aus der Luft mit Wasser zu Sauerstoff, den wir zur Atmung brauchen, und zu Kohlenhydraten, von denen wir uns ernähren. Katalysatoren wandeln giftige Autoabgase in ungiftige um, aber man benötigt sie auch bei der Herstellung von Medikamenten, Vitaminen, Farbstoffen, Kraftstoffen und Materialien. So werden zum Beispiel über 150 Millionen Tonnen Ammoniak im Jahr aus Stickstoff mithilfe eines Eisen-Katalysators produziert. Aus Ammoniak wiederum wird Pflanzendünger hergestellt, ohne den die Ernährung und somit das Überleben von momentan 7,6 Milliarden Menschen auf der Erde unmöglich wäre. Auch ist klar, dass die wichtigen Zukunftsfragen der Menschheit bezüglich Klima, Ernährung, Gesundheit und Energie nur mithilfe der Katalyse zu beantworten sind. Erstaunlicherweise gingen Wissenschaftler über mehr als ein Jahrhundert davon aus, dass effiziente und selektive Katalyse praktisch nur mit metallhaltigen Katalysatoren möglich ist, obgleich sie wussten, dass hochleistungsfähige Enzyme überwiegend metallfrei sind.  Seit einigen Jahren wissen wir jedoch, dass auch rein organische Verbindungen, wie zum Beispiel die Aminosäure Prolin, wichtige Stoffumwandlungen hochselektiv und mit einem wohldefinierten Wirkprinzip katalysieren können. Die grundlegende Entdeckung und die Revolution in der Katalyse, die dadurch ausgelöst wurde, werden in dieser Präsentation beschrieben.

Prof. Dr. Benjamin List studierte an der Freien Universität Berlin Chemie. Seine Promotion über die Synthese von Substrukturen des Vitamin B12 legte er im Jahr 1997 an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt bei Johann Mulzer ab. Bis 1998 war er als Post-Doc am Scripps Research Institute in La Jolla in den Vereinigten Staaten, dort wurde er 1999 Assistant Professor. Im Jahr 2003 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung. 2004 nahm er eine Honorarprofessur an der Universität zu Köln an. 2005 wurde er zum Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung berufen. 2012 bis 2014 war er Geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung. 2016 hat er den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2015 für seine Arbeit im Bereich der Organokatalyse erhalten. Seit 2018 ist er Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.


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