Respekt - Respekt

Jung gegen alt

RESPEKT Jung gegen alt

Stand: 13.09.2019

  • Die Geburtenzahlen gehen zurück, die Lebenserwartung steigt. Deshalb gibt es immer mehr alte Menschen und immer weniger junge.
  • In der Politik finden überwiegend die Themen der Alten Gehör. Nachhaltigkeit und weitere, für junge Menschen wichtige Themen, spielen bisher eine untergeordnete Rolle.
  • Zukunftsthemen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit betreffen besonders die Generation, die heute noch nicht wählen darf.

Deutschland ist mittlerweile das Land mit der ältesten Bevölkerung in Europa. Über die Hälfte der Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl 2017 war über 50 Jahre, jeder Dritte über 60 Jahre alt. Auch in der Politik spiegelt sich diese Bevölkerungsentwicklung wider: Nur 1,7 Prozent der derzeitigen Bundestagsabgeordneten sind jünger als 30. Das heißt: Gibt es mehr alte Menschen als junge, haben die Alten mehr Entscheidungsgewalt. Denn in der Demokratie wird Masse mit Macht übersetzt.

Immer mehr junge Menschen bezweifeln, dass die Politik von heute der nächsten Generation eine lebenswerte Zukunft ermöglicht. RESPEKT geht der Frage nach, wie groß die Kluft zwischen den Generationen ist. Ist der Generationenvertrag gerecht und kann er auch in Zukunft funktionieren?

Gerechtigkeit unter den Generationen

Mit Generationengerechtigkeit ist ein faires Verhältnis zwischen den verschiedenen Generationen gemeint. Aufgaben, Pflichten und Sorgen sollten gerecht unter den Generationen verteilt sein. Nach diesem Prinzip funktioniert in Deutschland zum Beispiel die Rentenversicherung, und zwar über den sogenannten Generationenvertrag: Fast alle, die jetzt arbeiten, zahlen Rentenbeiträge. Von diesem Geld werden direkt die aktuellen Renten und Pensionen finanziert.

"Nichts wäre dümmer als den Generationenvertrag aufzukündigen, denn das wäre ein klassisches Selbsttor der jungen Generation, die ja – das ist das Einzige, was gewiss ist – auch älter wird und darauf angewiesen ist, dass es dann noch einen Generationenvertrag gibt."

Filmzitat Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D.

Doppelte Last für die Jungen?

Die Jungen bezahlen, sobald sie ein Einkommen haben, die Renten für die Alten. Ob und wie viel Rente sie erhalten werden, ist aber ungewiss. Und in welchem Zustand die Welt oder die Gesellschaft in 50 Jahren sein wird, ebenso. Das heißt überspitzt gesagt, die Jungen haben heute eine doppelte Last der Ungewissheit zu tragen. Und sie haben zudem in Deutschland bis zum Alter von 18 Jahren keine Möglichkeit, politische Vertreter*innen zu wählen, die ihre Interessen vertreten. Themen wie Rentensicherung oder Klimaschutz kommen daher oft zu kurz.

"Es geht darum, wegzukommen von dem 'ihr' und 'wir' die ganze Zeit, sondern hin zu einem 'wir'. Wir wollen zusammen eine faire Zukunft schaffen. Wir wollen zusammen einen neuen Generationenvertrag gründen. Das heißt, er muss nachhaltig sein. Das heißt, er muss alle mitnehmen."

Filmzitat Sarah Hadj-Ammar, Studentin

Wahlalter senken, Generationenvertrag retten

Um den Generationenvertrag nachhaltiger zu machen, könnte das Wahlalter gesenkt werden. Dann könnten sich junge Leute schon früher aktiv für ihre Zukunft einsetzen und jene wählen, die sich am besten für ihre Interessen einsetzen.

"Eine Absenkung des Wahlalters ist auf jeden Fall längst überfällig, denn im Grundgesetz steht: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus und wird vom Volk in Wahlen ausgeübt. Und junge Menschen gehören offensichtlich bisher nicht zum Volke und das ist eben undemokratisch."

Filmzitat Dr. Wolfgang Gründinger, Demokratieforscher

Wählen ab 16: in Österreich und Malta

  • In den meisten EU-Ländern gilt: Man darf mit 18 wählen und sich wählen lassen.
  • Ausnahme: In Österreich dürfen Menschen ab 16 bei Kommunalrats- und Nationalratswahlen ihre Stimme abgeben.
  • Die Wahlbeteiligung in dieser Altersgruppe lag bei der österreichischen Nationalratswahl 2017 bei 90,3 Prozent.
  • Seit 2019 dürfen junge Menschen auch in Malta mit 16 wählen.

Autorinnen: Claudia Sarrazin, Monika von Aufschnaiter

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