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Wirtshaustipp "Kellerwirt" in Haiming

In vielen Dörfern hat das Wirtshaussterben dazu geführt, dass es kein Lokal mehr vor Ort gibt. Nicht so im oberbayerischen Haiming bei Altötting. Hier hat die Dorfgemeinschaft das zentral gelegene Gasthaus "Kellerwirt" am Leben erhalten. "Wir in Bayern"-Wirtshausexperte Andi Christl berichtet, wie es dort für ihn als Gast war.

Stand: 17.03.2020 | Archiv

Sitzplätze im Außenbereich des Wirtshauses "Kellerwirt" in Haiming | Bild: BR

Was ist für Dich am "Kellerwirt" das Besondere?

Andi Christl: "Die Dorfgemeinschaft in Haiming wollte nicht akzeptieren, dass ihr Wirtshaus im Zentrum leer stand. Deshalb kaufte der dortige Sonntags-Stammtisch kurzerhand das Gebäude und suchte selbständig einen Pächter.

Die Wirte Erwin Weindl und Manuel Fuchs haben das Haus gemeinsam mit den Einheimischen renoviert und den 'Kellerwirt' so zu einem bodenständigen, bayerischen Wirtshaus verwandelt. Die Eckbänke wurden extra aus einem alten Wirtshaus im Nachbarort aus- und im 'Kellerwirt' eingebaut. Das neueste Gemeinschaftsprojekt zwischen Wirtsleuten und Stammtisch ist eine Grillstation, an der künftig regionale Fleischspezialitäten für die Biergarten-Gäste zubereitet werden.

In Haiming wird ‚Dahoam is Dahoam‘ nicht nur geschaut, sondern auch gelebt. Feuerwehr, Kirche, Grundschule und der Kellerwirt liegen im Ortszentrum direkt nebeneinander. Wenn jemand ein Problem hat, dann hilft man sich untereinander.

Seinen Namen verdankt der über 150 Jahre alte 'Kellerwirt' übrigens einem immer noch vorhandenen Gewölbekeller, in dem früher Eisblöcke zur Bierkühlung eingelagert waren."

Wie wird im "Kellerwirt" gekocht?

Andi Christl: "Im 'Kellerwirt' erwartet einen eine gut bürgerliche, einfache Küche. Vegetarier bekommen hier nicht nur Käsespätzle, sondern auch Quinoa-Pflanzerl oder einen Käse-Nussbraten. Fleischliebhaber dürfen sich über ein Schnitzel, Putengeschnetzeltes oder den in der Region beliebten Teufelstoast freuen. Biergarten-Besucher bekommen eine Brotzeitplatte oder einen Wurstsalat. Die Portionen sind auf jeden Fall so groß, dass keiner hungrig das Haus verlässt. Die Ware beziehen die Wirte zum Großteil von Lieferanten aus der Region."

Welcher Hauptgang wurde Dir im "Kellerwirt" serviert?

Andi Christl: "Als Hauptspeise hatte ich Schupfnudeln mit buntem Gemüse und Bärlauchrahmsauce. Dafür werden zwei Tage vor der eigentlichen Zubereitung mehlige Kartoffeln weich gedämpft. Anschließend trocknen die Knollen in einer Schale.

Erst nach zwei Tagen werden sie geschält und weiter verarbeitet. Die Kartoffeln werden ohne Schale durch eine Presse gedrückt und mit etwas Mehl abgebunden. Eigelbe kommen genauso in die Masse wie Kräuter, Salz, Pfeffer und Frischkäse. Der Teig wird zu einer Wurst gerollt, in gleichgroße Teile geschnitten, mit den Handflächen zu Schupfnudeln geformt und in siedendem Wasser gar gekocht.

Die Bärlauchrahmsauce zieht der Küchenchef aus Gemüsefond, Weißwein, Sahne, Zwiebelwürfel und selbstgemachtem Bärlauchöl.

Ein Frühlingsgericht, bei dem die knusprigen, würzigen Schupfnudeln perfekt mit der Frische des Bärlauchs harmonieren."

Was hattest Du als Nachspeise?

Andi Christl: "Als süßen Abschluss bekam ich einen hausgemachten Kaiserschmarrn mit Rumrosinen.

Der Kaiserschmarrn steht zwar im 'Kellerwirt' nicht auf der Speisekarte, er kann aber jederzeit bestellt werden. Eine gewisse Zubereitungszeit sollte man allerdings einkalkulieren.

Für den Kaiserschmarrn wird Mehl mit Zitronenabrieb und Milch glatt gerührt. Damit der Teig anschließend auch gut aufgeht, werden die Eier nur untergehoben. Der Teig kommt in eine gebutterte Pfanne und diese bei niedriger Hitze auf den Gasherd. Auf der Teigoberfläche werden Rumrosinen verteilt. Sobald der Teig durchgebacken ist, landet der Schmarrn bei Oberhitze im Ofen, damit er dort schön aufgehen kann. In einer zweiten Pfanne wird Karamell zubereitet, indem die Kaiserschmarrn-Stücke dann ihr süßes, glänzendes 'Finish' erhalten.

Serviert wird diese österreichische Spezialität je nach Jahreszeit entweder mit Apfelkompott, Preiselbeeren oder Zwetschgenröster."

Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis bei diesem Wirtshaus?

„Für meinen Hauptgang und das Dessert habe ich zusammen unter 20 Euro gezahlt. Die Schupfnudeln stehen für 11,90 Euro auf der Speisekarte, die große Portion Kaiserschmarrn mit Vanilleeis für 7,60 Euro. Die meisten Hauptgänge kosten etwas über 10 Euro. Auch das Wiener Schnitzel vom Kalb ist mit 16,90 Euro verhältnismäßig günstig.

Im 'Kellerwirt' geht es aber meiner Meinung nach nicht nur um die Preispolitik, sondern auch um den hervorragenden Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft. Und der ist gerade in der heutigen Zeit unbezahlbar.“

Adresse

Kellerwirt Haiming
Hauptstraße 23
84533 Haiming
Tel: 08678/213
info@kellerwirt-haiming.com
www.kellerwirt-haiming.com

Wie kommt man am besten zum "Kellerwirt"?

Andi Christl: "Haiming befindet sich am östlichsten Zipfel Oberbayerns und damit direkt an der deutsch-österreichischen Grenze.

Von München aus dauert die Anreise mit dem Auto etwas mehr als eine Stunde. Auch von Passau oder Traunstein aus ist man circa eine Stunde unterwegs.

Dreimal am Tag fährt auch ein Bus von Burghausen nach Haiming, wobei eine Anfahrt mit dem Auto oder Motorrad zu empfehlen ist."

Öffnungszeiten

Mittwoch, Dienstag, Freitag und Samstag: 11.00 - 14.00 Uhr und 16.00 - 24.00 Uhr
Sonntag: 10.00 - 14.00 Uhr und 17.30 - 22.00 Uhr
Mittwoch und Donnerstag: Ruhetag

Geänderte Öffnungszeiten während der Corona-Krise

Mittwoch, Dienstag, Freitag und Samstag: 11.00 - 14.00 Uhr Restaurantbetrieb und 16.00 - 21.00 Uhr Speisen nur zum Mitnehmen
Sonntag: 10.00 - 14.00 Uhr Restaurantbetrieb und 17.30 - 21.00 Uhr Speisen nur zum Mitnehmen
Mittwoch und Donnerstag: Ruhetag
Aktuelle Änderungen finden Sie auf der Hompage: www.kellerwirt-haiming.com

Dein persönliches Fazit zum "Kellerwirt"?

Andi Christl: "Wer auf der Suche nach einem ehrlichen Wirtshaus mit Charakter ist, wird sich im 'Kellerwirt' wie zuhause fühlen!"

Welchen Freizeittipp würdest Du für diese Gegend empfehlen?

"Entweder würde ich zum Innspitz wandern, da in Haiming die Salzach und der Inn ineinander fließen oder ich würde ins benachbarte Burghausen fahren, zur weltlängsten Burg.

Der malerische Ort, der direkt an der Grenze zu Österreich liegt, ist nicht nur bei sonnigem Wetter eine Reise wert. Schier endlos ziehen sich die Mauern, Zinnen, Türme und Kapellen über eine schmale Bergzunge, die zwischen dem Wöhrsee und der Salzach eingebettet ist. In der Burg befindet sich neben einem Foltermuseum auch ein Burgcafé sowie mehrere Ausstellungen und Museen. Der Zugang zur Burg ist kostenlos. Wer die 1.051 Meter entlangschlendert, wird sowohl von der mittelalterlichen Bauweise als auch den vielen Aussichtspunkten beeindruckt sein.

Auch für die Kleinsten werden Führungen angeboten. Auf den Spuren von Zauberern, Rittern, Kirchenmäusen und Gespenstern, erfahren die Kinder auf der längsten Burg der Welt, wie die Menschen im Mittelalter gelebt haben und wie das Leben auf einer Ritterburg war. Sie hören schaurige Spukgeschichten von damals und können im Stadtmuseum ein eigenes Wappen in Trinkgläser ritzen oder zum Beispiel einen Handspiegel mit mittelalterlichen Ornamenten basteln."


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