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Service Gesundheit Wenn es im Ohr juckt: Ursachen und Therapien

Jucken im Ohr kann äußerst nervend sein. Doch wo juckt es eigentlich genau? Und was verursacht den Juckreiz? HNO-Arzt Dr. Thomas Meier-Lenschow erklärt Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei Juckreiz im Ohr.

Stand: 11.10.2016

Eine Frau hält sich einen Finger an ihr Ohr. | Bild: colourbox.com

Ursachen und mögliche Erkrankungen

  • Häufige Ursache ist der Gebrauch von Wattestäbchen oder anderen spitzen Gegenständen, die den Gehörgang verletzen können.
  • Ein zu intensiver und häufiger Gebrauch von Seife und Ohrentropfen.
  • Kontakt mit unsauberem Wasser (im Schwimmbad oder beim Tauchen im See oder Meer).
  • Infektionen mit Pilzen, die oft die Folge ständigen Bohrens im Ohr sind.
  • Auch Irritationen der Haut im Gehörgang verursachen oft Juckreiz, da dort die Nervendichte sehr hoch und die Haut sehr dünn ist.
  • Je älter die Haut ist, desto eher juckt sie.
  • Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Schuppenflechte können den Juckreiz verursachen.
  • Allgemeinerkrankungen wie Diabetes und Leberleiden können den Juckreiz verursachen.
  • Allergien auf Metallionen in Ohrringen können den Juckreiz verursachen.
  • Weichmacher in Ohrstöpseln oder Fremdkörper im Gehörgang sind weitere mögliche Gründe.

Das können Sie tun

  • Hält der Juckreiz an, gehen Sie umgehend zum HNO-Arzt, gegebenenfalls auch Dermatologen und Internisten. Gelegentlich ist detektivischer Spürsinn zum Eruieren der Ursache erforderlich.
  • Bei starkem Juckreiz setzt der Arzt für einen begrenzten Zeitraum Ohrentropfen mit Cortison ein.
  • Generell gilt: Nicht mit Wattestäbchen, dem Finger oder anderen Hilfsmitteln im Ohr bohren, da Sie sonst das Ohr verletzen und noch mehr verunreinigen könnten! Festgestopftes Ohrschmalz und Pilzkonglomerate gehören fachmännisch mit Hilfe eines Ohrmikroskops entfernt.
  • Ein ungestörtes gesundes Milieu im Gehörgang ist der beste Schutz vor Juckreiz. Um das wiederherzustellen helfen bei zu trockener und rissiger Haut pflegende Ohrentropfen.
  • Bei zu viel Feuchtigkeit hilft es, das Ohr zu föhnen oder sogenannte hydrophile Ohrentropfen zu nehmen.
  • Damit keine Viren, Bakterien oder Pilze in das Innere des Ohres gelangen können, sollte dort der pH-Wert bei 6 liegen, also im sauren Bereich. Um ein saures Milieu im Ohr herzustellen, helfen Tropfen mit Eisessig.

Entstehung

Jucken und Kratzen im Ohr entstehen meistens im Gehörgang, der Verbindung zwischen Ohrmuschel und Trommelfell. Der Gang hat eine Länge von ca. 2 cm und besteht aus einem äußeren knorpeligen sowie einem inneren knöchernen Anteil. In der Öffnung des Gehörgangs treffen Umwelt und Körperinneres aneinander, an dieser Grenze ist der Körper in Abwehrstellung. Schädigende Einflüsse von außen müssen verhindert und das Körperinnere von Viren, Bakterien oder Pilzen freigehalten werden.

pH-Wert und Feuchtigkeit im Ohr

Damit keine Viren, Bakterien oder Pilze in das Innere des Ohres gelangen können, sollte dort der pH-Wert bei 6 liegen, also im sauren Bereich, und die Feuchtigkeit bei 80 Prozent.

Abgeschilfte Zellen, die sich mit Sekret aus den Drüsen des Gehörgangs vermischen, driften durchgehend vom Trommelfell Richtung Ohrmuschel und verhindern wie ein fortlaufendes Förderband das Eindringen von Krankheitserregern. Dieses Gemisch aus Zellen und Drüsensekret ist unser Ohrschmalz.

Drei Nerven, die direkt im Hirn entspringen, sowie ein Rückenmarksnerv sind für die Gefühlsversorgung im Gehörgang verantwortlich - eine extreme Versorgungsdichte in einer dünnen Hautschicht.

Juckreiz ist eine unangenehme Empfindung, die ein Verlangen zum Kratzen hervorruft. Und Juckreiz kann sich, ähnlich wie Schmerz, im Gedächtnis einnisten und bei immer niedrigeren Schwellen auftreten.


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