BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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Für das Klima und die Umwelt Nachhaltigkeit im Alltag

Wie können wir zugunsten von Klima und Umwelt bewusster und schonender mit unseren Ressourcen umgehen? Das ist eine Frage, die auch beim Windelwechseln, bei Kleidung, für den Weg zur Arbeit und im Urlaub eine Rolle spielen kann. Sehen statt Hören zeigt an drei Beispielen, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, nachhaltiger zu leben.

Published at: 5-4-2024

Levi – der Reisefan

Levis Hobby ist Reisen. Doch er bereist die Welt anders als die meisten: Sein Augenmerk liegt weniger auf der Entfernung als auf der Nachhaltigkeit. Und das heißt in seinem Fall, dass er seine Reisen nicht nur ohne Flug, sondern bestenfalls auch ohne Auto oder sogar ohne Zug antritt. Denn auch die Bahn fährt nicht ohne CO² zu produzieren.  

Den klimafeindlichen Kohlendioxid-Ausstoß beim Reisen zu vermeiden, das ist das erklärte Ziel von Levi und seinen Freunden. Und so bietet Levi mittlerweile nachhaltige Wanderungen an – beim Kinder-, Jugend- und Familienteam Juteo. Bei längeren Strecken steigt er dann aber schon mal auf das Fahrrad um.

So wie beispielsweise beim knapp 40 Kilometer langen Trip von Berlin nach Potsdam. Hierhin radelt er mit seiner Freundesgruppe. Würde man diese Strecke mit dem Auto fahren, hätte man einen CO²-Ausstoß von 0,025 Tonnen. "Wenn ich dagegen die gleiche Strecke mit dem Fahrrad fahre, habe ich keinen CO²-Ausstoß. Die Luft bleibt sauber, perfekt", freut sich Levi. Rund zwei Stunden tritt er mit seinen Freunden in die Pedale, bis er am Campingplatz ankommt. Das Wetter? Nicht optimal: Es ist regnerisch, stürmisch und kalt. Und dennoch war die Reise schön, denn die Gruppe konnte dabei die Natur hautnah erleben und sogar einige Tiere entdecken.

Um die Nachhaltigkeit noch einmal zu steigern, schläft die Gruppe im Zelt. Eine Übernachtung im Hotel erzeugt deutlich mehr CO² als die Nacht unterm Zeltdach – die ist nahezu klimaneutral. Der Vierergruppe gefällt diese Art des Reisens: Ein Kurztrip ohne Auto, ohne Hotel - dafür mit Fahrrad und Zelt. Nachhaltig eben.

Mandy – die junge Mama

Mandy hat vor wenigen Wochen Zwillinge bekommen. Da fallen viele Windeln an. Ein Baby braucht pro Tag im Schnitt sieben Windeln – bei Zwillingen sind das pro Woche 98. "Windeln braucht ein Kind so bis zum 3. Lebensjahr. Das sind dann bei uns 10.000 – 12.000 Windeln. Unglaublich viel", hat sich Mandy ausgerechnet. Allein in Deutschland werden pro Jahr über 8 Millionen Wegwerfwindeln verbraucht. Und die brauchen 500 – 600 Jahre, bis sie sich zersetzen. "Wenn sie im Müll landen, werden sie verbrannt. Ein enormer CO²-Ausstoß. Und es bleiben trotz Verbrennen Plastikrückstände übrig. Die lösen sich nicht auf", betont die junge Mutter. Sie greift deshalb lieber zu Stoffwindeln.

Nachhaltigkeit ist für Mandy schon lange ein Thema: Vor 19 Jahren – im Alter von 17 – hat sie angefangen auf Fleisch zu verzichten. Kein leichtes Unterfangen zur damaligen Zeit, denn gerade zum Thema "vegane Ernährung" gab es kaum Informationen. Doch das änderte sich bald: Das Thema Nachhaltigkeit wurde immer präsenter, gerade online wuchs die Fülle an Information. Auch Mandy beschäftigte sich immer mehr mit all den Möglichkeiten. So versuchte sich beispielsweise auf Plastik zu verzichten. Ihre Erfahrung: Auch kleine Schritte führen zum Ziel. "Das war ein Prozess. Ich habe im Badezimmer angefangen und Shampoo durch Haarseife ersetzt. So habe ich nach und nach mehr und mehr umgestellt."

Heute teilt sie ihr Wissen zum Thema Nachhaltigkeit auch mit anderen – als Influencerin. Auch ihre Erfahrungen mit den Stoffwindeln werden in ihren Kanälen besprochen. Nicht nur die schlechte Bilanz der Wegwerfwindel ist Thema, sondern auch über die Handhabung der Stoffwindeln informiert Mandy. Denn dazu gibt es einige Vorurteile. Kompliziert seien die, aufwändig – und teuer.

Tatsächlich ist zunächst der Kauf eine Herausforderung, betont Mandy. Denn das Angebot an Stoffwindeln sei vor allem online riesig. Windeln aus Wolle, aus Hanf, aus Baumwolle, waschmaschinenfest, zur Handwäsche, Neuware, Second Hand, zum Kaufen, zum Mieten – da fällt die Auswahl nicht immer leicht. Mandy hat sich für waschmaschinenfeste Stoffwindeln entschlossen – die kann sie sogar bei 40 Grad waschen. "Damit verbraucht man 45 Prozent weniger Energie als bei 60 Grad." Zwei Tage dauert es, bis die Windeln dann luftgetrocknet sind.

Und die Kosten? "Oft wird gesagt, dass sich nur reiche Leute Nachhaltigkeit leisten können. Aber wenn man genau hinschaut, stimmt diese Aussage nicht", sagt Mandy und rechnet vor: Das Windelset für ihre Zwillinge hat 1.500 Euro gekostet. Drei Jahre Wegwerfwindeln verursacht bei Zwillingen Kosten von 6.000 Euro. "Mein Fazit ist: Wegwerfprodukte, Produkte aus Plastik, Produkte, die ich immer wieder nachkaufen muss, sind letzten Endes teurer."

Kiki – die Modebegeisterte

Kiki hat ein Faible für Mode. Und das hat sie auch ausgelebt – früher. Sie liebte es zu shoppen. "Ich habe sehr viel Kleidung gekauft. Also früher, als ich noch jünger war. Jetzt hat sich bei mir viel geändert und ich habe bewusst wenig Kleidung." Kiki setzt mittlerweile auf Second Hand. Und sie sitzt zudem viel selbst an der Nähmaschine.

7.000 bis 10.000 Liter Wasser werden für die Herstellung einer einzigen Jeans benötigt. Diese und ähnliche Zahlen brachten Kiki zum Umdenken. "Da sollte man sich gut überlegen, ob man sie neu kauft oder nicht."

Der endgültige Sinneswandel wurde durch eine Weltreise ausgelöst: Kiki hat dabei unglaublich viel Müll gesehen – vor allem in Indien oder in Nepal, exakt die Länder, in denen viel unserer Billigkleidung produziert wird. Ihr wurde bewusst, wie sehr auch sie sich im Strudel der Trends befindet, wie sehr sie die Firmen und Handelsketten unterstützt, die ständig neue Kleidung produzieren und verkaufen. "Das hat immer wieder auch negative Folgen: schlechte Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne, es gibt Kinderarbeit. Und ständig wird so viel Müll produziert." Das hat Kiki sehr zum Nachdenken gebracht. "Mein Ziel ist es, meinen Konsum wirklich einzuschränken."

Familiär gesehen hatte Kiki diesbezüglich sehr gute Vorbilder: Für die Oma, die auf einem Bauernhof gewohnt hat, war Nachhaltigkeit immer ein wichtiges Thema. So wurde etwa Kleidung weiterverwendet, wurde umgenäht – Upcycling nennt man das heute. "Meine Mama hat auch alte Stoffe genutzt und Faschingskostüme draus genäht." Außerdem haben sowohl die Oma als auch die Mama viel gestrickt.

So ist auch Kikis große Devise mittlerweile: Aus Alt mach Neu. Dazu stöbert sie gerne in Second-Hand-Läden – und ist dabei durchaus modebewusst. Es muss alles zusammenpassen: die Form, das Muster, die Farbe, der Schnitt. Kleine Fehler wie abgerissene Knöpfe oder mal eine aufgetrennte Naht sind dabei nicht schlimm – das kann sie selbst ausbessern.

An der Nähmaschine ist sie mittlerweile schon sehr gut. Natürlich hat sie  zu Beginn auch viele Fehler gemacht. "Anfängerfehler waren zum Beispiel, dass ich falschen Stoff genommen hatte, die Farben nicht gepasst haben oder dass ich das Teil zuerst genäht und dann gewaschen hatte. Dabei ist der Stoff eingelaufen und das Kleidungsstück geschrumpft", erinnert sie sich. Doch sie ist drangeblieben. Und mit den Erfahrungen immer besser geworden.

Sie näht aus alten Stoffen neue Mode – und beschenkt damit sogar noch ihre Freundinnen. Ihr Ziel: Die Verschwendung reduzieren, Dingen eine zweite Chance zu geben und sie nicht wegzuwerfen. "Ehrlich gesagt, hilft diese Einstellung auch, einfach bewusster zu leben."


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