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Kleine Helfer Nützlinge in der Gärtnerei

Siegrun Hiendl verzichtet in ihrer Gärtnerei im niederbayerischen Mitterfels komplett auf chemische Pflanzenschutzmittel. Seit 10 Jahren setzt man hier auf Nützlinge. Für jedes unerwünschte Insekt in der Gärtnerei gibt es passende Gegenspieler.

Author: Tobias Bode

Published at: 10-3-2023

Florfliegenlarven – die Allesfresser

Florfliegenlarven vertilgen unter anderem Blattläuse und sind damit zu unverzichtbaren Helfern in dieser Gärtnerei geworden. Die Larven der Florfliegen (Chrysoperla carnea) sind wahre Allesfresser: Blattläuse, Spinnmilben und Thripse stehen auf ihrem Speiseplan. Einziges Problem: Ihr Hang zum Kannibalismus. Daher erfolgt die Lieferung der Larven in Wabenkartons. In jeder Wabe befindet sich eine Larve. Um ein gegenseitiges Auffressen zusätzlich zu erschweren, sind die Kartons mit einer Gaze überzogen.

Zum Ausbringen einfach ein Stück von der Gaze abziehen, den Karton umdrehen und die Larven auf die Pflanzen klopfen. Florfliegenlarven brauchen zu ihrer Entwicklung Temperaturen von mindestens 15-20 °C und eine Luftfeuchtigkeit von 50-70 %. Dann schaffen sie es auch, bis zu fünfhundert Blattläuse zu fressen.

Raubmilben gegen Spinnmilben

Siegrun Hiendl möchte noch mehr über die Einsatzmöglichkeiten von Nützlingen erfahren und hat sich dafür Unterstützung von Pflanzenschutzexperte Patrick Scharl geholt. Sie gehen als erstes durch eine Reihe mit Kübelpflanzen. Die frostempfindlichen Zitrusgewächse stehen hier zum Überwintern. Den Besitzerinnen und Besitzern fehlt dafür zuhause der Platz.
Und im Frühjahr sollen die Kübelpflanzen natürlich ohne Schädlinge wieder bei der Kundschaft landen. Auf einigen Pflanzen entdeckt Patrick Scharl Spinnmilben. Durch deren Saugtätigkeit entsteht auf den Blättern ein geschecktes Muster. Die Tiere selbst sind sehr klein und nur schwer zu entdecken. Nach Patrick Scharls Einschätzung werden die Spinnmilben eine ausgewachsene Pflanze nicht zum Absterben bringen. Ein optischer Schaden ist es dennoch. Da viele Kundinnen und Kunden die Zitrusfrüchte noch essen möchten, kommen Spritzmittel für Siegrun Hiendl nicht infrage. Besprüht werden die Pflanzen trotzdem – mit Wasser. Um die Spinnmilben in den Griff zu bekommen, empfiehlt Patrick Scharl Raubmilben. Die setzt Siegrun Hiendl zwar bereits ein, allerdings noch nicht an den Kübelpflanzen. Durch die nassen Blätter kann das Streu, in dem die Raubmilben leben, gut haften. Und die Tiere bekommen gleich was zu trinken. Raubmilben sind ähnlich klein wie Spinnmilben und daher kaum zu sehen.

Raubmilben

Diese räuberischen Verwandten der Spinnmilben – gegen die sie eingesetzt werden – werden auf Bohnenblättern oder in Vermiculit-Granulat geliefert. In Granulat gelieferte Raubmilben klopft man über den befallenen Pflanzen aus. Die Bohnenblätter und das Papier, in das sie eingewickelt sind, hängt man in den Bestand. Zu einer guten Entwicklung benötigen die Raubmilben mindestens 20-25 °C und eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 50 %. Nur dann vermehren sie sich schneller als die Spinnmilben. Steigt die Temperatur über dreißig Grad und sinkt die Luftfeuchte unter fünfzig Prozent, vermehren sich die Spinnmilben schneller als die Raubmilben, dann bleibt ein Erfolg leider aus. Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollte man durch regelmäßiges Sprühen die Luftfeuchte konstant erhöhen.

Marienkäfer gegen Wollläuse

Im Verkaufsbereich der Gärtnerei sucht Patrick Scharl weiter nach unerwünschten Insekten. Dabei hilft es auch, die Pflanzen anzufassen. Eine Geigen-Feige hat klebrige Blätter. Ein Indiz für Schmier- oder Wollläuse. Und tatsächlich entdeckt Patrick Scharl einige Tiere.
Die saugenden Insekten könnte man loswerden, in dem man die Pflanze regelmäßig mit einer Lösung aus Kaliseife und Spiritus besprüht. Doch bei der Menge an Zimmerpflanzen wäre das viel zu aufwändig. Patrick Scharl setzt auf Australische Marienkäfer.

Australische Marienkäfer – Cryptolaemus montrouzieri

Larven aber auch adulte Tiere dieser Art fressen vor allem Wollläuse. In ihrem Leben können sie bis zu 300 Stück davon vertilgen. Zum Wohlfühlen benötigen sie Temperaturen von über 20 °C und eine Luftfeuchtigkeit von 70 % und mehr. Dann vermehren sie sich im Bestand und werden rasch Herren über die Schädlinge. Die Larven mit den weißen Wachsfäden sehen den Wollläusen sehr ähnlich, sind aber etwas größer und beweglicher. Die Käfer selbst sind kleiner als unsere heimische Art. Geliefert werden die Larven meist in Plastikboxen, die mit Streifen von Küchenkrepp befüllt sind. Diese Streifen hängt man mitsamt den Larven in den Bestand.

Kontakt

blumen hiendl GdbR
Straubinger Str. 29
94360 Mitterfels
Telefon: 09961 200
Email: info@blumen-hiendl.de

Tipp „Tag des Nützlings“

Am 25.3. ist „Tag des Nützlings“. Ab diesem Termin informieren zahlreiche bayerische Gärtnereien zum Thema Nützlinge. Weitere Infos zum „Tag des Nützlings“ und den teilnehmenden Gärtnereien finden Sie hier: