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Erkennungsmerkmale für altes Zinn Hammer, Feile und Schmirgelpapier

Der Zinnkenner Hanns-Ulrich Haedecke schreibt: "Ein Rezept, mit dessen Hilfe sich eindeutig das Falsche vom Echten absondern lässt, gibt es leider nicht." Diese Erkenntnis liest man in vielen Artikeln über Zinn-Fälschungen. Trotzdem sei hier versucht, einige Tipps für das Erkennen von falschem Zinn zu geben.

Stand: 07.09.2010 | Archiv

geprägter zinnteller | Bild: picture-alliance/dpa

Beste Voraussetzungen bieten das fleißige Studium von Sachbüchern sowie häufige Besuche von Museen, Ausstellungen oder Auktionen. Außerdem sollte man Offerten zeitgenössischer Zinngießer studieren, denn auch die Kenntnis von neuem Zinn kann bei der Beurteilung von antiken Stücken hilfreich sein.

Silbrige Farbe

Neues und gefälschtes Zinn unterscheidet sich gelegentlich von altem durch die verwendeten Zinnlegierungen. Dabei ist gutes altes Zinn an seiner hellmetallischen bis silbrigen Farbe zu erkennen. Je mehr Blei dem Zinn beigemischt wird, umso mehr nimmt es eine typisch schwarzbleierne Farbe an. Außerdem erhöht zu viel Blei das übliche Gewicht alter Zinnlegierungen. Daher Vorsicht bei dunklen, auffallend schweren Gegenständen.

Künstliche Patina

Fälschlicherweise wird die dunkle Färbung häufig als Patina gedeutet. Wer öfter altes Zinn prüfend in Händen gehalten hat, wird bald ein Gefühl dafür bekommen, ob es sich um eine - zuviel Blei enthaltende - Nachahmung oder um ein altes Zinnstück mit "gewachsener" Patina handelt. Außerdem hat klares, sogenanntes "lauteres" Zinn einen glockenartigen Klang, während spätere Kopien häufig blechern klingen.

Fälscher versuchen, historisierendes Zinn und selbst späte Kopien des 20. Jahrhunderts durch künstliche Patina zu altern. Das geschieht häufig durch Einreiben mit Lampenruß, Knoblauch oder Antimonbutter. Schöne bräunliche Töne erhält man durch die Anwendung einer Lösung von Platinchlorid oder dem preiswerteren Antimonchlorid. Viele dieser künstlichen Färbungen kann man mit Zitronensäure leicht entfernen - eine echte Patina wird davon nicht angegriffen. Etwas derber ist die Verwendung von Abbeizmittel zur Entfernung einer künstlichen Patina. Sehr häufig wird mit verschiedenen Säuren ein fleckiger Patina-Effekt erzeugt. Da solche Flecken durch normalen Gebrauch nicht entstehen, ist dies ein Fälschertrick, der sich selbst entlarvt.

Außerdem versuchen Fälscher ihren Waren mittels künstlicher Alterungsspuren ein älteres Aussehen zu geben. Sie werden durch Hammer, Feilen oder Schmirgelpapier erzeugt. Durch sorgfältige Prüfung kann man solche Manipulationen gelegentlich entlarven, denn immer wieder werden Beschädigungen zu regelmäßig angebracht oder an Stellen, wo eine natürliche Abnützung nicht möglich ist.

Abdruck wie beim Zahnarzt

Reliefiertes oder graviertes Zinn hat man vorwiegend in Sand- oder Gipsformen nachgegossen. Dabei ging viel von der - selbst bei alten Stücken noch vorhandenen - Schärfe des Dekors verloren. Am flauen "Abbild" kann ein geübter Betrachter den Nachguss erkennen. Durch die neuen, zum Beispiel in der Zahnmedizin benützten Abdruckmaterialien, lassen sich wesentlich bessere Gussformen herstellen. Jedoch entstehen auch hier beim Gießen winzige Fehler, beispielsweise Luftbläschenlöcher, in den meist zu porigen Oberflächen.

Nachgegossene Teller sind in der Regel schwerer, da sie nicht sorgfältig abgedreht sind. Zu großer Vorsicht sollten unregelmäßige Geschirrunterseiten, vor allem nicht einwandfrei konzentrische Standringe mahnen. Bei gegossenen Gefäßen sind häufig die Gussnähte schlampig "verputzt", da Fälscher daran interessiert sind, ihren Aufwand gering zu halten.


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