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Goji, Chia & Co Superfood: Super oder sogar ungesund?

Goji-Beeren, Moringablattpulver oder die Mikroalge Spirulina - sogenannte Superfoods gelten aufgrund ihrer hohen Nährstoffdichte und sekundären Pflanzenstoffe mittlerweile als unverzichtbar, zumindest unter denen, die es anstreben, sich möglichst perfekt zu ernähren. Doch bei genauerem Blick sind viele dieser Superfoods gar nicht so gut wie ihr Ruf.

Von: Susanne Wimmer

Stand: 06.09.2019

Sie sind exotisch, sollen schön, gesund und leistungsstark machen und diversen Krankheiten vorbeugen. Mittlerweile sind superfoodhaltige Lebensmittel nicht mehr nur in Internetshops und Reformhäusern erhältlich - sie sind auch schon in den Discountern angekommen. Zwar ging der Umsatz von mittlerweile „etabliertem“ Superfood wie Chia-Samen oder Quinoa im letzten Jahr schon wieder leicht zurück, dafür erleben gerade neue Produkte wie Kokos- oder Mandelmehl einen massiven Aufschwung.   

Superfoods: Was ist daran wirklich super?

Doch was ist von Produkten zu halten, die vor allem teuer sind, einen weiten Transportweg hinter sich haben und deren Wirksamkeit noch viel zu schlecht erforscht ist?

Beispiel Goji-Beere

Oft im Müsli: Superfood Goji-Beeren

Die aus China stammende Frucht gilt als Anti-Aging-Wunder. Stars wie Mick Jagger, Kate Moss, Madonna und Brooke Shields sollen unter anderem auf ihre antioxidative Wirkung schwören. Zudem soll die Beere auch noch das Immunsystem stärken, bei Bluthochdruck oder Schlafproblemen helfen. Ihre Nährstoffdichte, schreibt ein Lifestyle-Magazin, mache die Beere zu einem „der besten Lebensmittel der Welt“.

Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern machen solche Aussagen skeptisch.

"Goji-Beeren sind ja hoch verarbeitet. Meist sind sie ja als Pulver oder getrocknet auf dem deutschen Markt. Da hab ich sicher sehr hohe Nährstoff-Verluste – also, ob es wirklich so eine Superfood ist, ist wirklich fraglich."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Heimische Produkte: "Super"Konkurrenz zum Superfood

Vergleicht man das angebliche Superfood mit heimischen Alternativen, zeigt sich, dass es mit den Superlativen offenbar gar nicht so weit her ist. So enthalten 50 Gramm getrocknete Gojibeeren beispielsweise 95 Milligramm Kalzium, kaum mehr als gekochter Grünkohl. Eine rote Paprika hat hingegen rund dreimal so viel Vitamin C wie das Superfood, aber nur einen Bruchteil des Kaloriengehaltes. Denn 50 Gramm Gojibeeren enthalten auch stolze 26 Gramm Zucker. Hochwertiges pflanzliches Eiweiß liefern zum Beispiel auch Hülsenfrüchte, Maroni oder Brennesseln.

Doch nicht nur das: Problematisch ist ihr Verzehr für Menschen, die  blutverdünnende Medikamente einnehmen. Die Beere kann deren Effekt noch verstärken. Wo die Gojibeeren echt punkten können, ist beim Preis: 100 Gramm getrocknete Beeren kosten rund 6 Euro, Gojibeerenpulver sogar 16 Euro.

Wirksamkeit von Superfood: Bislang nicht belegt

Über solche Preise und den Hype um Superfood kann die Erlanger Ernährungsmedizinerin Professor Yurdagül Zopf nur den Kopf schütteln. Sie hat die Studienlage überprüft und festgestellt, dass es kaum belastbare Studien gibt, die die Wirksamkeit von Goji & Co belegen.

"Es gibt Zelllinien-Untersuchungen, Tierstudien, aber dass diese Produkte wirklich am Menschen wirksam sind, die Studien gibt es gar nicht. Umso interessanter ist es, dass ich Patienten habe mit Handtaschen voller verschiedenster Superfood-Produkte. Ich bin gewillt, dagegen zu arbeiten und dafür zu argumentieren, auf eine gesunde, normale Ernährung zu schwenken."

Prof. Dr. med. Yurdagül Zopf, Universitätsklinikum Erlangen

Beispiel Mikroalge Spirulina

Spirulina ist eine Mikroalge der Gattung Cyanobakterien. Gepriesen wird sie für ihren hohen Chlorophyllgehalt und ihr gutes Eiweiß. Sie soll beim Abnehmen helfen, krebsvorbeugend sein und sie gilt als wertvolle B12-Quelle für Veganer.

Tatsächlich ist das enthaltene Vitamin B12 größtenteils nicht für den Menschen nutzbar. Und auch das prinzipiell hochwertige Eiweiß ist aufgrund der geringen Tagesmengen nicht von Bedeutung, so Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale.

"Die Nährstoffangaben sind immer auf 100 Gramm bezogen, und wenn ich aber die Tagesdosis von ein bis zwei Gramm sehe, dann sind das nur noch Spuren und das ist sicher nicht zur Nährstoff-Versorgung geeignet."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA hat bislang auch keine der ihr zugesprochenen gesundheitsbezogenen Werbeaussagen oder Health Claims für wissenschaftlich nachvollziehbar befunden. Auf den Packungen darf deshalb nicht damit geworben werden.

Beispiel Moringa

Was steckt wirklich drin in Superfood?

Auch die gemahlenen Blätter des tropischen Meerettich-Baums Moringa gelten als nährstoffreiches Superfood. Doch auch hier mangelt es an verlässlichen Quellen. Versucht man im Internet etwas darüber herauszufinden, ist man schnell ratlos. Allein die Kalzium-Werte variieren zwischen knapp 300 und über 2000 Milligramm pro 100 Gramm. Was soll man glauben? 

Superfoods: Oft hohe Belastung mit Pestiziden

Ein weiteres  Problem ist die hohe Pestizid-Belastung. Die Stuttgarter Lebensmittelaufsicht, die Superfoods regelmäßig untersucht, stellte in Moringablattpulver wiederholt hohe Schadstoffbelastungen fest. Im Jahr 2016 überschritten 8 von 11 untersuchten Proben eine oder mehrere Höchstmengen für Pestizide. Eine Probe enthielt gar Salmonellen und wurde als gesundheitsschädlich aus dem Verkehr gezogen.

Unser Fazit

Superfoods können dazu beitragen, den Speiseplan zu erweitern. Doch ihr hoher Preis, ihre meist weiten Transportwege sowie die oft nicht nach EU-Vorgaben praktizierten Anbaumethoden machen sie zu zweifelhaften Nährstoff-Lieferanten. Die gute Nachricht ist, dass es für all das exotische Superfood genügend heimische Alternativen gibt.  


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