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Wintertour im Wipptal Zu Fuß und mit Ski von Maria Waldrast ins Gschnitztal

Verhältnisse wie im April, dieser Umstand prägt den Februar 2024. In den Brennerbergen über dem Wipptal bildet das Kloster Maria Waldrast einen ausreichend hohen und stimmungsvollen Ausgangspunkt, an dem dann tatsächlich ein kleines Wunder geschehen ist.

Author: Georg Bayerle

Published at: 23-2-2024

Maria Waldrast ins Gschnitztal: Im Aufstieg zum Kalbenjoch | Bild: BR/Georg Bayerle

Der „Hochwinter“, in dem wir uns gerade befinden, ist für viele grade nicht Fisch, nicht Fleisch. Abgesehen von den braungrünen bayerischen Voralpen, wo vor allem südseitig der Schnee teilweise schon gänzlich verschwunden war, weiß man nicht so recht, was einen erwartet. Welches Ski- oder Schuhwerk gerade am besten ist. Aber auf 1650 Meter Höhe um das Kloster Maria Waldrast liegt genug Schnee.

Schneeflocken zur Morgenmesse

Pater Peter vor der Barockkirche Maria Waldrast

Jeden Morgen um sieben Uhr kann man Pater Peter antreffen auf dem kleinen Platz vor der Barockkirche Maria Waldrast, wo er die Frühmesse hält. Auf 1650 Meter Höhe über Matrei im Wipptal. Der heutige Morgen hat ihm ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, denn es hat ein paar Zentimeter geschneit und das genügt, dass die Landschaft winterlich aussieht. Gerade schweben federleichte Schneeflocken vom Himmel, die hier vor dem Kloster eine weihnachtliche Stimmung erzeugen – naja, in der Phantasie, denn Weihnachten ist ja auch längst grün, so wie dieser Winter.

Schnee und Wärme im Wechsel

So ein richtiges Wintergefühl hat deshalb auch Pater Peter nie bekommen, denn immer nach den Schneefällen Anfang Dezember und Anfang Januar wurde es gleich wieder warm und der meiste Schnee ist weggeschmolzen. Jetzt hofft er, dass der Winter noch ein bisserl bleibt. Thomas Senfter, der Wipptaler Bergführer, hatte tags zuvor noch für Schneeschuhe plädiert. Den ganzen Winter über hat er damit zu tun, Erwartungen zu managen, denn richtig schönen Pulverschnee gab es selten in dieser Saison. Skitouren gingen immer, aber eben als alpines Erlebnis und nicht im Tiefschneemodus.

Landschaftserlebnis Matreier Grube

Dramatische Wolken- und Lichtstimmung

Ein paar Zentimeter Schneeflocken haben aus der Matreier Grube, durch die wir sanft aufsteigen, eine richtige Winterlandschaft gemacht. Gleichzeitig reißen in den Wolken um die Felstürme zwischen Serles und Peilspitze dramatische Sonnenfenster auf, wie sie sonst nur in Barockkirchen existieren. Kleine Latschenkiefern nicken eisverkrustet im Wind. Begleitet vom Fluglärm um Innsbruck, fühlen wir uns so auf 2000 Metern wie in arktischen Gefilden und stecken kurz unter dem Kalbenjoch in dichtestem Nebel. Während wir die Richtung haltend aufwärts tapsen, reißen die Wolken noch einmal auf, genau als wir das Kalbenjoch erreichen.

Winterberge im Blick

Der Wind betätigt sich als Landschaftskünstler

Da liegen im Süden bleckend weiße Berge vor unseren Augen: vom Olperer über die Brennerberge bis zum Tribulaun. Weiter hinauf Richtung Kesselspitze gehen wir heute nicht mehr und fahren stattdessen nach Süden im Neuschnee Richtung Gschnitztal ab.

Ski & Hike

Das Vergnügen währt allerdings nicht sehr lang, der Schnee wird feucht und faul. An den Grashängen sind fette Schwarten von Gleitschneelawinen abgegangen. Ein Gamsrudel äßt an den aperen Stellen. Ein paar Böcke im schwarzen Winterfell ziehen in einer Linie ins Steilgelände. Noch ein paar hundert Meter Sumpf, dann baumeln die Ski am Rucksack. Gehört halt auch dazu, sagt Thomas Senfter. Was Tourengeher von den Frühjahrstouren im April und Mai gewohnt sind, passiert eben jetzt schon im Hochwinter. Und die Moral von der Geschicht: Februar ist der neue April. Das kann man jetzt sehen, wie man will. Aber als Bergsteiger sind wir es ja sowieso gewöhnt, uns flexibel an die Bedingungen anzupassen.


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