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Ernstes und Skurriles rund um den alpinen Weihnachtsbaum O Tannenbaum & Lametta-Syndrom

Immergrüne Bäume waren schon im alten Ägypten und in China ein Symbol des ewigen Lebens. Eine der ältesten schriftlichen Erwähnung eines Weihnachtsbaums in Europa datiert aus dem Jahr 1527, und zwar aus Stockstadt am Main. Doch die Tradition des geschmückten Nadelbaums zu Weihnachten wurde erst im späten 19. Jahrhundert begründet, als vielerorts Tannen- und Fichtenwälder angelegt wurden und der zuvor in Mitteleuropa eher seltene „Tannenbaum“ dann auch für die städtische Bevölkerung verfügbar war.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 21.12.2019 | Archiv

O Tannenbaum & Lametta-Syndrom  | Bild: picture-alliance/dpa

Von Deutschland aus hat sich der Weihnachtsbaum dann schnell in der ganzen Welt verbreitet. Heute hat der Weihnachtsbaumwillige die Qual der Wahl: Nordmanntanne, Rotfichte, Blaufichte, Douglasie ... Ein echter alpiner Weihnachtsbaum ist die Weißtanne. Doch im Zuge des Klimawandels und aus Gründen der „Baumscham“ sollte man von ihr besser die Finger und sie im Bergwald stehen lassen.

„O Tannenbaum, O Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter ...“ - was für ein Schmarrn. Doch in der Liedkunst trägt der Tannenbaum eben Blätter statt Nadeln. Woher das kommt, kann auch der Tannen-Experte und Forstwissenschaftler Georg Meister nicht erklären. Der langjährige Leiter des Forstamtes Bad Reichenhall, Mitbegründer des Nationalparks Berchtesgadener Alpen und seit kurzem Träger des Deutschen Alpenpreises der CIPRA führt die „Tannenbaumblätter“ auf die Freiheit der Kunst zurück. In einer Liedfassung aus dem frühen 19. Jahrhundert aber trägt der Tannenbaum nicht Blätter, sondern einen „grünen Zweig“. Immerhin. Die Hoffnung ist grün und stirbt bekanntlich zuletzt, zumal es keinen intakten Bergwald ohne die tiefwurzelnden und wasserspeichernden Weißtannen gibt. Allerdings schmeckt so ein alpiner Tannenbaum halt auch sehr fein, sozusagen ein Weihnachtsleckerli fürs Reh- Rot- und Schalenwild, weshalb sich dann wenigstens der Mensch zurückhalten und keine Weißtanne als Christbaum aus dem Bergwald holen sollte.

Auch Heinz Röhle, ehemaliger DAV-Präsident und emeritierter Inhaber des Lehrstuhls für Waldwachstum und Holzmesskunde an der TU Dresden, hat im Prinzip nichts gegen den Weihnachtsbaumkult und sieht darin eine religiöse Tradition, für die es keinen Grund zur Abschaffung gibt. Damit der Weihnachtsbaum im gut geheizten Wohnzimmer aber nicht allzu schnell all seine Nadeln opfern muss, hat Axel Doering, Vorsitzender von CIPRA Deutschland und selbst Förster, einen ganz speziellen Tipp parat: die Zugabe von Glycerin ins Wasser. Bei Laubzweigen funktioniert das so gut, dass sie das Laub dann drei Jahre lang nicht abwerfen. Das wäre auch einen Versuch beim Nadelbaum wert, nur sollten dann zuhause Hund und Katz und Kleinkinder vom wasser-glycerin-gefüllten Christbaumständer ferngehalten werden ... Alternativ achtet man auf das Zeichen und schlägt man den Weihnachtsbaum nicht erst an Heiligabend, sondern schon einige Tage vor dem elften Vollmond.

Wie aber sieht es aus mit dem Lametta? Früher war Loriot zufolge bekanntlich „mehr Lametta“. Nein, stimmt nicht, sagt Förster Axel Doering, heute gibt es wesentlich mehr Lametta, allerdings nicht unbedingt zur Freude der Forstleute. Denn beim so genannten “Lametta-Syndrom“ handelt es sich aus forstwissenschaftlicher Sicht um eine Folge des Klimawandels. Wird der Baum krank, wirft er die alten Nadeljahrgänge ab. Vor allem die Zweige zweiter Ordnung werden kahl und hängen dann herunter wie Lametta.


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