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Fußball-Europameisterschaft 2024 Der Marathon des Sportrechte-Erwerbs

Für Sportrechte-Verhandlungen gibt es keine Zuschauerbänke, aber Wissenswertes zu den Abläufen und Akteuren. Was ist alles passiert, bis ARD und ZDF Übertragungsrechte für die Fußball-Europameisterschaft 2024 erwerben konnten? Das Wichtigste in fünf Stichworten.

Stand: 18.03.2021

Dortmunder Spieler laufen vor einer TV- Kamera der ARD auf das Spielfeld (Archivbild) | Bild: dpa-Bildfunk/Guido Kirchner

Die Nachricht verbreitete sich im Oktober 2019 sehr schnell: Erstmals in der 60-jährigen Geschichte der Fußball-Europameisterschaften hatten nicht ARD und ZDF von der UEFA die Fernsehrechte bekommen, sondern die Telekom. Mehr als ein Jahr später, am 9. März 2021, dann die Meldung: ARD und ZDF haben Sub-Lizenzen von der Telekom erworben und übertragen jetzt doch von der EURO 2024: 34 der 51 Spiele werden live gesendet, darunter alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft, das Eröffnungsspiel, die Halbfinals und das Finale.

Zwischen den zwei Meldungen liegt mehr als ein Jahr mit Gesprächen und Verhandlungen. Nachfolgend fünf Stichworte zum Ablauf des Sportrechterwerbs:

1. Teil des öffentlich-rechtlichen Auftrags

Fußball-Europameisterschaften sind gesellschaftliche Großereignisse. Übertagungen solcher Großereignisse gehören zum öffentlich-rechtlichen Funktionsauftrag, also zum Auftrag, für umfassende Information und Meinungsvielfalt zu sorgen.

Der Gesetzgeber in Deutschland hat vorgegeben, dass zumindest das Eröffnungsspiel, das Halbfinale und das Finale sowie die Spiele der deutschen Nationalmannschaft im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt werden müssen. Daher bemühen sich ARD und ZDF seit jeher um den Erwerb der entsprechenden Rechte zu angemessenen Preise. Sie konkurrieren hierbei mit privatem Free-TV.

2. Der Verhandlungsführer für ARD und ZDF

Die Verhandlungen für ARD und ZDF führt in der Regel "SportA". Die Sportrechteagentur wurde 1995 als Tochterunternehmen von ARD und ZDF gegründet für den Erwerb von Sportübertragungsrechten für ARD und ZDF, ferner für die Sublizenzierung von Rechten. SportA, die ihren Sitz in München hat, verhandelt für ARD und ZDF gemeinsam sowie für die einzelnen Sender allein.

Soweit Rechte europaweit ausgeschrieben oder sonst vom Rechteinhaber am Markt angeboten werden, beteiligen sich ARD und ZDF am Sportrechteerwerb über die EBU. SportA wird insoweit beratend tätig.

Innerhalb der ARD fungiert die Intendantin des Bayerischen Rundfunks als Sportintendantin und ist federführend in allen wichtigen Sportfragen. Die ARD hat wichtige Aufgaben innerhalb des Senderverbunds aufgeteilt.

3. Das Budget

Es gibt ein Sportrechtebudget der ARD, das von den Intendantinnen und Intendanten der Landesrundfunkanstalten gemeinsam im Rahmen der Finanzplanungen festgelegt und mit den Aufsichtsgremien abgestimmt wird. Die Höhe des Etats wird aus Transparenzgründen veröffentlicht. Zwischen 2017 und 2020 verfügt die ARD über einen Sportrechte-Gesamtetat von durchschnittlich ca. 256 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer pro Jahr. Darin enthalten sind sämtliche Sportrechte für alle von der ARD veranstalteten Programme und Sendeformate.

Die Summe der Angebote für Übertragungsrechte sowie der vereinbarten Lizenzen unterliegen aus gesetzlichen und vertraglichen Gründen der Vertraulichkeit.

4. Die Dauer der Verhandlungen

Verhandlungen erstrecken sich zum Teil über mehrere Monate oder Jahre und können auch in mehreren Schritten erfolgen: Für Übertragungen von der EURO 2024 hatten ARD und ZDF zunächst 2019 direkt bei der UEFA geboten, den Zuschlag erhielt aber die Telekom. Nun haben ARD und ZDF nach eineinhalbjährigen Verhandlungen mit der Telekom doch noch die Free-TV Rechte an allen wichtigen Spielen erwerben können.

5. Der Vertragsschluss

Verträge zu Sportgroßereignissen werden in der Regel unter Vorbehalt der Zustimmung der jeweils zuständigen Gremien geschlossen. Der Vertrag wird dann wirksam, wenn alle zuständigen Gremien zugestimmt haben.


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