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Der Franken-Tatort "Der Himmel ist ein Platz auf Erden"

Die Begeisterung in Franken ist riesig: Der neue Tatort, der am 12. April im Ersten läuft, kommt aus Nürnberg. Fabian Hinrichs spielt darin einen der beiden Kriminalhauptkommissare und verspricht ungewöhnliche Momente

Von: Daniela Wartelsteiner

Stand: 10.04.2015

Von links: Die Kommissare Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel), Michael Schatz (Matthias Egersdörfer), Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schadt) versuchen den Tathergang nachzuvollziehen. | Bild: BR/Felix Cramer

Die Erwartungen sind groß, auch die Spannung und die Neugier: Franken hat endlich seinen eigenen "Tatort"! Mit dem poetisch anmutenden Titel "Der Himmel ist ein Platz auf Erden" startet er am 12. April im Ersten. Bei der "Mordkommission Franken" landen Fälle aus Unter-, Mittel- und Oberfranken. Sie hat ihren Sitz in Nürnberg und kooperiert je nach Tatort mit der Rechtsmedizin in Würzburg oder in Erlangen. Dagmar Manzel spielt Kriminalhauptkommissarin Paula Ringelhahn, der gebürtige Hamburger Fabian Hinrichs spielt Kriminalhauptkommissar Felix Voss. Ihn hat es aus dem hohen Norden nach Franken verschlagen, und nun hat er seinen ersten Fall zu lösen. Hinrichs kommt selbst aus einer Polizistenfamilie: Sein Bruder, sein Vater und sein Opa haben diesen Beruf erlernt. Das BR-Magazin hat mit Fabian Hinrichs, der heute in Potsdam lebt, gesprochen:

Die erste Szene: Sie kommen am Nürnberger Bahnhof an. Wo kommen Sie her?

Das wird überhaupt nicht erwähnt. Ich komme in Nürnberg an und der Fall beginnt sogleich. Ich werde am Bahnhof nicht abgeholt, ich werde sofort vereinnahmt, indem ich zum Tatort muss. Und das heißt: Es geht zuerst um den Fall und dann um die Ermittler.

Wie kommt es, dass die beiden Hauptermittler keine Franken sind?

Dadurch, dass sie aus Nord- und Ostdeutschland kommen, sieht man die Kontraste zu Franken stärker, weil da Welten aufeinanderprallen.

Spielen die Unterschiede zwischen Oberbayern und Franken eine weitere Rolle?

Ja klar, etwa eine Frotzelei zwischen Nürnberg und München: Der Polizeipräsident bekommt im Laufe des Films einen kritischen Anruf aus der Landeshauptstadt, und zwar zu dem Zeitpunkt, als ermittlerisch die militärischen Forschungen ans Licht kommen, die "ohne Wissen der Regierung" am (fiktiven) Institut für Flugkörperforschung an der Universität Erlangen stattfinden. München ist für Dr. Kaiser "ein Albtraum".

Woran erkennt man einen guten "Tatort"?

Grundsätzlich ist der "Tatort" ein klassischer Krimi: "Who done it?" – also: Wer ist der Mörder? Und das muss herauskommen. Erst im Laufe der nächsten Filme wird sich das Leben der Hauptfiguren anreichern. Das sieht man bei den Münchnern, die den "Tatort" seit über 20 Jahren machen und dadurch komplexe Figuren erschaffen haben, aber eben nicht in einem Film. Das ist der Vorteil der neuen Serien, die jetzt so abgefeiert werden, und die ich auch konsumiere, dass man durch diese Dauer, durch Zeit, eine viel größere Tiefe erreicht als es ein einzelner Film tun kann. Der Vorteil der "Tatort"-Reihe kann sein, dass im Laufe der Zeit Dinge hinzukommen, die wir jetzt noch nicht wissen, weil neue Autoren und Regisseure dabei sind. Das einzige, was bleibt, ist das Team.

Wie wichtig ist der "Tatort"?

Natürlich ist der "Tatort" ein Teil der deutschen Kultur – seit Ewigkeiten. Diese Reihe hat sich als Institution etabliert und dadurch gibt es viele Ermittler. Der Vorteil ist, dass man nicht mehr festgelegt ist auf die Figur des Kommissars, der Nachteil: Man muss aufpassen, dass es nicht nur Konfektion und Formaterfüllung bleibt. Wir haben versucht, eine Art klassischen Tatort zu machen. Der Regisseur Max Färberböck würde es vielleicht gar nicht so unterschreiben, weil es sehr ungewöhnliche Momente gibt. Dennoch: Zwei Ermittler tun ihre Arbeit und haben so ihre Eigenarten. Das finde ich sehr gut. Und man hat den Anspruch, in viele Ecken Frankens zu kommen. Es heißt ja auch Franken- und nicht Nürnberg-Tatort.

Wie war die Arbeit mit Max Färberböck?

Sie war einfach – und überhaupt nicht einfach. Ich habe mich ganz fantastisch mit ihm verstanden. Er hat seinen eigenen Kopf, das ist auch das Gute daran. Färberböck war in den richtigen Momenten offen und ist auf unsere Persönlichkeiten eingegangen, so wie wir eben sind, und nicht wie er sich das zuhause ausgedacht hat, weil wir eben anders sind. Und in den richtigen Momenten hat er auf dem Drehbuch bestanden, weil er natürlich als Regisseur die Komposition des Films im Kopf hat, wie der Rhythmus oder die Schärfe zu sein hat.

Wie beurteilen Sie Ihre Arbeit im "Tatort" im Nachhinein?

Das war eine schöne Arbeit, wobei ich mir grundsätzlich wünschen würde, dass es für einen Tatort mehr Drehtage gibt. Wir hatten 23 Drehtage. Ich weiß nicht, was Manfred Krug damals hatte: 28 oder 30 Tage? Dann müsste man heute nicht 17 Stunden am Tag drehen. Der Schauspielberuf ist eigentlich ein gefährdeter Beruf im Film, weil man kaum noch Zeit hat, um zu proben. Man muss aufpassen, dass es nicht nur darum geht, Dinge abzufilmen und eben ein Format zu füllen. Denn nach einer Zeit des Probens entstehen andere Szenen. Es sind doch die Zwischentöne, die dann bei den Szenen entscheidend sind. Das hat Max Färberböck gemacht: Schauspielproben. Wir haben die Szene wirklich geprobt, nicht ausufernd und gefügig, aber geprobt. Das ist sonst in der Filmbranche oft gar nicht mehr der Fall. Es war dennoch zu wenig Zeit. Ich finde anspruchsvolle Filme oder Serien, die man international vermarkten will, da sollte mehr Zeit und Geld hinein investiert werden. Es ist vielleicht eine sehr vereinfachte Haltung, die ich da einnehme, aber deshalb ist sie nicht falsch. Die öffentlich-rechtlichen Sender tun zwar schon viel, aber ich finde, sie sollten noch mehr ins hochqualitativ Fiktionale investieren.

Wie hat Ihnen Nürnberg gefallen?

Sehr gut. Ich hatte eine Wohnung dort, weil ich mir irgendwann angewöhnt habe, dort wo ich drehe, zu wohnen. Ich  habe in Nordstadt gewohnt, ein sehr schönes, ruhiges Altbauviertel, im Dachgeschoß, weil dann keiner über mir herumtrampelt. Und ich bin viel mit dem Fahrrad herumgefahren. Meine Frau und mein Kind haben mich auch besucht, und wir waren viel draußen. Ich fand die Spannkraft dieser Stadt faszinierend. Diese bewegte Geschichte, gerade in Nürnberg, die jüngere Industriegeschichte. Ich studiere nämlich als Hobby Geschichte nebenbei.

Gibt es etwas, was Sie vermissen werden?

Ja, die ruhigen Ecken der Stadt und die Gelassenheit der Menschen dort.


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