Religion


116

Tod und Sterben im Judentum "Der Respekt vor den Toten ist wichtig"

Der Tod ist nicht das Ende im jüdischen Glauben. Der Tod ist der Anfang von einem neuen Kapitel.

Stand: 22.02.2016 | Archiv

Illustration Tod und Weiterleben im Judentum: Davidstern und Menora (7-armiger Leuchter) | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Wenn jemand stirbt, dann trennt sich die Seele vom Körper. Sie gehe wieder nach Hause, sagt Rabbiner Steven Langnas von der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern:

"Stellen Sie sich eine Kerzenflamme vor, mit dieser einzigen Kerzenflamme kann man zwei Kerzen zünden oder 20 oder 200 oder 2000. Und diese Flamme wird nicht vermindert und so schenkt uns der liebe Gott einen Teil von seiner Essenz, ohne dass seine Essenz vermindert wird."

Steven Langnas

Auch im Judentum gibt es wie im Christentum die Vorstellung von einer Auferstehung der Toten.  Ein Grundsatz, der schon in den frühen rabbinischen Schriften auftaucht. Auch im täglichen Gebet wird Gott die Fähigkeit zuerkannt, dass er die Toten auferstehen lassen kann.

Die jüdische Religion ist mehr auf das Diesseits konzentriert als alle anderen Religionen. Der Tod gehört zum Leben, wie die Nacht zum Tag.

Sünden vor dem Tod bekennen

Überblick

Synagoge in Straubing | Bild: picture-alliance/dpa zum Thema Jüdisches Leben Talmud und Tora in Bayern

Verfolgung, Vertreibung, Mord waren ständige Begleiter in der Geschichte der Juden. Hitler hätte sie fast ausgelöscht, auch in Bayern. Heute gibt es wieder jüdische Gemeinden im Freistaat. [mehr]

Ganz genau festgelegt ist allerdings, was zu tun ist, wenn ein Mensch im Sterben liegt. Wer den Tod nahen sieht, soll sich mit Gebeten vorbereiten, die eigenen Sünden bekennen und seine Kinder segnen. Beim Eintreten des Todes sollen die Anwesenden zusammen mit dem Sterbenden das Schma Israel beten – und das letzte Wort des wichtigsten jüdischen Gebets soll das letzte Wort des Sterbenden sein.

Sobald jemand gestorben ist, lassen Familie und Freunde den Leichnam nicht mehr alleine. Sie bleiben bei ihm, bis er für das Begräbnis vorbereitet ist. Möglichst innerhalb von 24 Stunden soll er bestattet werden, soll der Körper zurück in die Erde gelegt werden, von dort woher er gekommen ist, erklärt Daniel Mahla, vom Lehrstuhl jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig Maximilians Universität in München:

"Auch hier ist der Respekt vor dem Toten wichtig. Er wird nie völlig entkleidet. Dann wird er in ein einfaches Leichentuch gelegt. Jeder ist vor Gott gleich, keine weltlichen Besitztümer, keine Kleidung, kein Schmuck. In Israel wird er direkt in die Erde, außerhalb in einem einfachen Sarg gelegt."

Daniel Mahla

Keine Verbrennung des Leichnams

Verbrannt werden darf der Körper im jüdischen Glauben auf keinen Fall. Nicht nur weil das als übereiltes, unnatürliches Handeln angesehen wird – als ob man den Leichnam so schnell wie möglich loshaben wollte. Begründet  wird die Ablehnung der Verbrennung vor allem mit der biblischen Vorstellung, dass der Körper in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehrt – wenn es heißt: "Du sollst zu Erde werden." 

"Es gibt keine Tradition der Blumen, nicht bei der Beerdigung und nicht am Grab, wer ein Grab besucht, der nimmt einen Stein und legt ihn auf das Grab um zu sagen, ich war da."

Daniel Mahla

Die Erinnerung hat einen zentralen Platz im Judentum. Alle jüdischen Feiertage sind im Prinzip Erinnerungstage an die Geschichte des jüdischen Volkes. Wie beispielsweise Pessach oder das Laubhüttenfest. An allen hohen Feiertagen wird der Toten gedacht – mit einem  ganz speziellen Gebet.. Und die Familien beten einmal im Jahr für die einzelnen Verstorbenen an deren Todestag und stellen eine Kerze auf. Die Toten sollen nie vergessen werden: Das Grab eines Verstorbenen darf  deshalb niemals eingeebnet werden, berichtet Daniel Mahla:

"Wichtiger Unterschied zum christlichen Friedhof, dass er nicht aufgelöst werden kann. Es ist ein Haus für die Ewigkeit, das hier gebaut wird."

Daniel Mahla


116