BR Heimat


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Zwölfuhrläuten Hof in Oberfranken

Während des Nationalsozialismus wählte man bei mehreren neuen Gotteshäusern bewusst Christus als Namensgeber. Mit dem Weihedatum 5. November 1939 gilt die Hofer Christuskirche als die letzte Kirche, die während des Dritten Reichs nach Kriegsausbruch noch geweiht wurde.

Von: Annerose Zuber

Stand: 02.11.2014 | Archiv

Gebaut aus mächtigen Fichtelgebirgs-Granitquadern erhebt sich die zweitgrößte evangelische Kirche Hofs über einem in den 20er Jahren neu entstandenem Wohngebiet.

Ungewöhnliche Hitler-Darstellung

Am Weihetag wurde zwar im Pfarrgarten die Hakenkreuzfahne gehisst, aber am Gotteshaus selbst wehte nur die Kirchenfahne. Und die überlebensgroße Christusfigur auf dem Glasfenster hinter dem Altar zeigt beim Betreten der großen einschiffigen Hallenkirche sehr eindrucksvoll, wer der wahre Herr ist. Einen noch deutlicheren Bezug zur menschenverachtenden Politik des Nationalsozialismus  nehmen die Bilder auf der hufeisenförmigen Holzempore. In dieser Darstellung der Lebensgeschichte Jesus sind nicht nur eine Vielzahl von Davidsternen zu sehen, sondern auch Adolf Hitler. Mit dem typischen Schnauzbart und schwarzen Stiefeln steht er auf einem Bild direkt neben Jesus, der sich aber von ihm ab- und einem vor ihm knienden Mann zuwendet. Diese ungewöhnliche Hitler-Darstellung wurde erst in den 80er Jahren von aufmerksamen Pfarreimitgliedern wiederentdeckt.

Vierstimmiges Geläut

Die vier Glocken der Christuskirche teilen das Schicksal vieler deutscher Kirchenglocken. Schon 1940  – also nur wenige  Monate nach der Einweihung – wurden drei für Kriegszwecke eingeschmolzen. Seit 1956 ist dank neuer Glocken aus der ältesten deutschen Gießerei Rincker das vierstimmige Geläut mit dem Salve-Regina-Motiv wieder komplett. Es ruft nicht nur zum Gottesdienst, sondern erschallt jeden Sonntag auch noch fünf Minuten danach.


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