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Zwölfuhrläuten Gmund am Tegernsee in Oberbayern

Wie viele aus dem Strom der Wochenendausflügler, die von Norden her zügig Gmund durchfahren, um beizeiten am See zu sein, den stolzen Zwiebelturm der Barockkirche wohl wahrnehmen?

Von: Georg Impler

Stand: 26.04.2020 | Archiv

Zu übersehen wäre er eigentlich nicht. Erbaut hat das Gotteshaus Ende des 17. Jahrhunderts der Graubündner Lorenzo Sciasca, unter dessen Federführung unter anderem auch Kloster Weyarn und der Inseldom Herrenchiemsee entstanden sind.

Elegant und großzügig

Gmund war einst die Urpfarrei des Tegernseer Tals, erstmals schriftlich erwähnt 1075. Wahrscheinlich ist sie aber älter, worauf auch der nicht alltägliche Kirchenpatron, der schon von Karl dem Großen hochverehrte Einsiedler, Abt und Nothelfer St. Ägidius hinweist.
Die Urpfarrei darf man nicht verwechseln mit dem, Mitte des achten Jahrhunderts gegründeten, Urkloster Tegernsee, der bis 1803 wichtigsten Benediktinerabtei Oberbayerns. Tatsächlich hat sich diese 1274 auch Gmund einverleibt.

Nach den schlimmen Jahren des dreißigjährigen Krieges und der Pest wurde im Jahr 1693 St. Ägidius geweiht. Es erstaunt immer wieder, mit welch großer Opferbereitschaft ein kleines Dorf eine so imposante Kirche schaffen konnte. Mit ihrem weiten Wandpfeilersaal und den prachtvollen gotischen und barocken Skulpturen wirkt sie äußerst elegant und großzügig. Ohne Tegernseer Hilfe wäre es wohl nicht möglich gewesen.

375 Jahre alte Glocke

Drei der vier Glocken wurden 1949 in Erding gegossen. Rund 375 Jahre alt ist dagegen die zwölf Zentner schwere Marienglocke vom Münchner Gießer Bernhard Ernst. Sie hat den Hamburger Glockenfriedhof überdauert und läutet täglich in der Früh, am Mittag und am Abend.


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