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Bayreuth mal zwei Zwei Bücher über Bayreuth

Die Autoren Bruckner und Moritz empfehlen 111 Orte, die man u. a. in Bayreuth gesehen haben muss. Radlmeier hat ebenfalls ein Buch über Bayreuth herausgebracht. Ilona Hörath verrät uns, welches der Bücher in ihr Regal kommt.

Von: Ilona Hörath

Stand: 20.11.2013

Buchcover "111 Orte in Bayreuth und der Fränkischen Schweiz die man gesehen haben muss" und "Aber schön ist es doch" | Bild: Emons Verlag / Kleebaum Verlag

"Aber schön ist es doch" von Steffen Radlmeier

Und ich sag noch, Klaus, sag ich, nee, da bringst du mich nicht hin. Bayreuth! Wagnerstadt. Bloß nicht. Beamtenstadt. Herrjeh. Fränkische Provinz. Muss das denn sein? Als bekennender Franke mit einer stattlichen Bibliothek voller Frankonia meinte es Klaus sicherlich gut mit mir, als er mir neulich seine neusten Errungenschaften in die Hand drückte. "Aber schön ist es doch" hieß das eine kleine Büchlein. Auf dem Cover: das Festspielhaus. Na gut, wenigstens keine Standardansicht vom Grünen Hügel, sondern eine Zeichnung á la Christo, das Festspielhaus verhüllt mit weißen Tüchern und zusammengehalten von roten Schnüren. Um Klaus einen Gefallen zu tun, begann ich, in dem "Bayreuth-Brevier" zu blättern.

"Diejenigen, die nach Bayreuth gehen, bereuen es nie, obwohl die Aufführungen dort oft alles andere als ergötzlich sind. Die Stimmen sind mal erträglich, mal abscheulich. Einige Sänger sind die reinsten lebenden Bierfässer, zu faul und zu eingebildet, um die Selbstbeherrschung und körperliche Disziplin zu üben, die man von einem Akrobaten, Jockey oder Boxer als selbstverständlich erwartet."

Auszug aus 'Aber schön ist es doch'

Info und Bewertung

Wertung: 4 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Das Buch "Aber schön ist es doch – (K)Ein Bayreuth-Brevier", herausgegeben von Steffen Radlmaier und erschienen im Bamberger Kleebaumverlag, ist für 12,40 Euro zu haben. ISBN 3-930498-32-4

Ich traute meinen Augen nicht. Niemand Geringeres als George Bernard Shaw schreibt da über das "Sommertheater ersten Ranges": Die Bayreuther Festspiele. Ich blätterte weiter. Nietzsche, Tschaikowsky, Loriot, F. W. Bernstein. Elke Heidenreich, Moritz Rinke. Die amerikanische Rock-Poetin Patti Smith gesteht, dass sie eine irrationale Liebe zu diesem Ort gepackt habe. Und die Schweizer Autorin Sibylle Berg sehnt sich angesichts einer ganz speziellen Inszenierung danach, dass man ihr einen Kollaps reichen möge.

Mal fasziniert, mal respektlos-spöttisch

Allmählich wurde ich wirklich neugierig. Sollte Klaus mich mit seinem Frankenvirus etwa schon angesteckt haben? Steffen Radlmaier, Feuilleton-Chef der Nürnberger Nachrichten, hat die rund 145 Seiten schmale Anthologie klug zusammengestellt und versammelt, was Rang und Namen hat. Die Festspiel-Exkursionsberichte der Literaten, mal von der Materie fasziniert, mal respektlos-spöttisch, manchmal eher eine wahre "Leidensgeschichte", sind jede für sich eine kleine Perle. Sie machen Lust auf mehr.

"111 Orte in Bayreuth und der Fränkischen Schweiz, die man gesehen haben muss" von Dietmar Bruckner und Michaela Moritz

Ich griff kurzentschlossen zu der zweiten Neuerscheinung, die mir Klaus untergeschoben hatte. "111 Orte in Bayreuth und der Fränkischen Schweiz, die man gesehen haben muss". Aha, schon mal gehört, da gibt es doch eine ganze Reihe davon. Wien, Paris, London, Hamburg, Nürnberg, Regensburg. Jetzt also Bayreuth mitsamt der "Fränkischen". Vorne drauf, ganz klein, das Konterfei des gestreng dreinblickenden Wagner. Ich frage mich: In Bayreuth und Umgebung soll es tatsächlich 111 Orte geben, die man gesehen haben muss?

Info und Bewertung

Wertung: 3 Frankenrechen von 5 | Bild: BR

Das Buch "111 Orte in Bayreuth und der Fränkischen Schweiz, die man gesehen haben muss" von Dietmar Bruckner und Michaela Moritz ist aus dem Kölner Emons-Verlag und kostet 14,95 Euro. ISBN 978-3-95451-130-3

Noch ganz von den prominenten Festspielerfahrungen getränkt, stellte ich fest: Es scheint sie zu geben. Zum Beispiel das "Andere Museum", nämlich den "begehbaren Zettelkasten des Joachim Schultz". Das Deutsche Schreibmaschinenmuseum, eine ehemalige Schokoladenfabrik, heute ein Paradies für Skateboardfahrer, die "beste Eisdiele der Stadt" oder das Restaurant Eule, in dem sie alle, alle, alle hängen.

"Eine lange Reihe von signierten und der Wirtin gewidmeten Fotos von Klassikstars ziert heute die Wände des Lokals, entführt in die Geschichte der Festspiele und entfaltet die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts vor den Augen des Besuchers. Der darf sich in bester Gesellschaft wähnen, zwischen René Kollo, Frieda Leidner, Peter Hofmann, Wilhelm Furtwängler, Arturo Toscanini und Herbert von Karajan, die sich hier die Klinke in die Hand gaben."

Auszug aus '111 Orte in Bayreuth und der Fränkischen Schweiz, die man gesehen haben muss'

Die Autoren Dietmar Bruckner und Michaela Moritz haben das quicklebendige Bild einer Stadt gezeichnet, die einiges an Kuriositäten zu bieten hat. Ans Herz legen sie dem Leser aber auch Ausflugsziele wie den Wildpark Hundshaupten, die Basilika in Gößweinstein und die Synagoge in Ermreuth. Sogar das "Fliegenfischer-Zentrum" in Waischenfeld oder das Stammlokal von Anthony Quinn in Muggendorf. Und das Deutsche Kameramuseum in Plech.

Fränkische Schweiz großzügig interpretiert

Überrascht bin ich aber dann doch, wie großzügig die Autoren die Fränkische Schweiz interpretieren: Seit wann liegen die Stiftsbibliothek Waldsassen und die barocke Wallfahrtskapelle Kappl denn in der Fränkischen? Eine Petitesse, präsentiert der Band doch ansonsten eine Vielzahl an hintergründigen Informationen und Fotos zu den 111 Orten.

Welches Buch macht sich nun gut im Bücherregal?

Klaus, der alte Haudegen, wusste mich geschickt zu ködern. Beide Bayreuth-Bücher haben ihren Reiz. Die "111 Orte" würden sich in meinem Bücherregal jedenfalls gut machen. Mal sehen. Und das andere Werk mit dem Titel "Aber schön ist es doch"? Man muss wahrlich kein Wagnerianer sein, um in diesem Brevier zu schmökern. Man kann es einfach nur genießen und sich von den ganz persönlichen Berichten mitreißen lassen. Klaus, bestell' schon mal die Tickets für Bayreuth.


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