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"Stadtluft macht frei" - die Stadt als Chance

Die Geschichte der Stadt "Stadtluft macht frei" - die Stadt als Chance

Published at: 27-10-2016

"Fischdienst", aus "Urbar der Veste Rheinfelden" (Schweiz) mit zahlreichen Illustrationen verschiedener an die Grundherrschaft zu leistenden Abgaben. Aquarelle, um 1410 | Bild: picture-alliance/dpa

Der Begriff "Grundherrschaft" kennzeichnet eine der wichtigsten Erscheinungsformen des Zusammenlebens der Menschen im Mittelalter. Der Ausdruck selbst stammt nicht aus dem Mittelalter, sondern ist ein moderner Ausdruck. Die Grundherrschaft war eine Herrschaft über Land und Leute. Das heißt, dem Besitzer einer Grundherrschaft gehörte nicht nur das Land, sondern auch die Menschen, die auf ihm lebten. Dabei ist die Bandbreite sehr groß: Neben Menschen, die nur Abgaben zu leisten hatten, aber über eigene Rechte verfügten, gab es auch Personen, deren Freiheitsrechte praktisch nicht vorhanden waren.

Ein neues Leben in der Stadt

Als seit dem 11. Jahrhundert neue Städte entstanden, setzten sich immer mehr Menschen aus der Grundherrschaft in diese Orte ab. Sie tauchten unter im Gewühl der Stadt - und dort waren sie in der Regel für den Grundherren nicht mehr auffindbar. Vielerorts entstand folgender Rechtsbrauch: Ein Leibeigener konnte nach "Jahr und Tag" in der Stadt nicht mehr von seinem Grundherren zurückgefordert werden. Der Begriff "Jahr und Tag" war dabei in der deutschen Rechtssprache eine der gängigsten Formeln für den Zeitraum eines Jahres. Nach Ablauf dieser Frist war der Leibeigene in Freiheit - und konnte in der Stadt ein neues Leben beginnen. Daher der Ausdruck: "Stadtluft macht frei".

Von einer Unfreiheit in die nächste

Aber nicht jeder, der von einem freien Leben träumte, konnte dies auch erreichen. Die Aufnahme in die Stadt war mit Gebühren verbunden, und es war auch nicht einfach, das Bürgerrecht zu erwerben. Es musste gekauft oder ererbt werden. Damit änderte sich für viele Neuhinzugezogene oft nicht viel, sie gerieten von einer Unfreiheit in die nächste und lebten als Dienstboten, Knechte oder Mägde in der Stadt, mit zu wenig Besitz, um jemals in den Genuss des Bürgerrechts zu kommen. Auch war die Stadt im Mittelalter oft kein gesunder Lebensraum. Es war sehr eng, die Gassen und Straßen voller Müll und Fäkalien. Brände breiten sich oft rasend schnell aus und bedrohten Leib und Leben.

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