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Inselmosaik zwischen den Ozeanen Trauminseln als Wirtschaftsfaktor

Stand: 30.09.2010 | Archiv

Ein Mann steht vor einem mit Palmholz beladenen LKW in der Provinz Riau auf der Insel Sumatra in Indonesien. | Bild: picture-alliance/dpa

Die gewaltige Länge und die äquatornahe Lage mit dem tropischen Klima bescheren dem Inselstaat eine vielfältige und üppig gedeihende Pflanzenwelt. Mitten durch den Inselstaat verläuft die biogeografische "Wallace-Linie", benannt nach einem englischen Naturforscher. Er hat Mitte des 19. Jahrhunderts herausgefunden, dass westlich einer gedachten Linie von Sulawesi bis Lombok die asiatische Fauna und Flora vorherrscht, östlich davon die australische. Sie ist gekennzeichnet durch viele nur dort vorkommende, also endemische Arten und eine hohe Biodiversität.

Indonesiens Küstenlänge beträgt mehr als 80.000 Kilometer, das ist gut fünfmal so viel wie Griechenland. Im so genannten Korallendreieck zwischen Malaysia, Osttimor und den Philippinen gedeihen drei Viertel der weltweit bekannten Korallenarten.

Der Wahnsinn mit dem Palmöl

Allen Schönheiten zum Trotz: Das Land steht vor massiven Umweltproblemen. Nirgendwo sonst auf der Welt wird der Regenwald so schnell abgeholzt wie in Indonesien. Knapp 90 Prozent der Rodungen sind illegal. Nach Einschätzung des UNO-Umweltprogramms (UNEP) ist der vorgeblich geschützte indonesische Regenwald schon jetzt schwer beschädigt, im Jahr 2022 werden die Wälder fast vollständig verschwunden sein.

Die Palmöl-Produktion soll massiv gesteigert werden, um die weltweite Nachfrage nach Agrarenergie zu befriedigen. Allein in Deutschland werden mehr als 1,3 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Palmöl erzeugt - ein "nachwachsender Rohstoff", der als erneuerbare Energie hierzulande bis Anfang 2009 staatlich gefördert wurde. Palmöl ist günstiger als Rapsöl, zudem bleiben die entstehenden Umweltschäden im Herkunftsland. Für Indonesien, das für den Export produziert und zum weltweit größten Lieferanten aufgestiegen ist, heißt das: Wertvoller Regenwald wird gerodet, um Monokulturen anzulegen. Die Böden verarmen, Kunstdünger verseuchen Wasser und Luft. Landbesitzer werden enteignet und mit niedrigen Entschädigungen abgefunden. Etwa 100 Millionen Indonesier brauchen die Wälder und ihre natürlichen Ressourcen zum Überleben, doch ihre Interessen finden gegen die mächtigen Konzerne kein Gehör.

Bedrohte Tierwelt

Orang-Utan in Tanjung Puting National Park in Kalimantan (Borneo)

Noch schlechter steht es um die Tierwelt. Weil ihr natürlicher Lebensraum, der Regenwald, verschwindet, suchen die Orang-Utans in den Palmöl-Plantagen nach Nahrung - und werden dort gnadenlos getötet. Inzwischen stehen die Menschenaffen ganz oben auf der Liste der bedrohten Arten in Indonesien. Bis zum Jahr 2020 will Indonesien seine Marktführerschaft weiter ausdehnen: Dann sollen auf 20 Millionen Hektar Plantagen Ölpalmen wachsen.

Befördert wird der brutale Landbau von zwei Faktoren: der Bestechlichkeit, durch die die Areale gleich hektarweise verschachert werden, und durch die unsicheren Eigentumsrechte, die noch aus Kolonialzeiten stammen. Auch die Ansiedelungspolitik der Regierung hat zum Dilemma beigetragen. Um das stark bevölkerte Java zu entlasten, stellte der Staat Prämien für den Umzug auf weniger dicht besiedelte Inseln in Aussicht. Diese Privilegien für die Auswanderer von Staats wegen erschwerten wiederum deren Integration.

Treibhausgase satt

Nach China und den USA ist Indonesien heute der drittgrößte Produzent von Treibhausgasen. Schuld daran sind neben der Brandrodung die trockenfallenden Torfböden. Das gebundene CO2 entweicht, wenn die Torfmoorwälder gerodet werden: Jährlich geht so mehr als eine Milliarde Tonne Kohlendioxid in die Atmosphäre. Ein weiterer Beitrag zur katastrophalen Umweltbilanz des Inselstaats, angereizt von den ehrgeizigen Zielen der EU, zukünftig vermehrt auf Agrarsprit zu setzen.

Der Tourismus - "Visit Indonesia"

Vom Tsunami zerstörtes Haus

Der Tourismus treibt die Wirtschaft Indonesiens an, mehr als 30 internationale Fluggesellschaften steuern Indonesien an. Die beste touristische Infrastruktur existiert auf Bali. Fast ein Viertel der Bevölkerung lebt dort vom Fremdenverkehr, der Tourismus generiert 80 Prozent des Insel-Einkommens, so die Schweizer Initiative "Fair Unterwegs". Die einzige hinduistische Insel Indonesiens, mit schönen Tempelanlagen und einer paradiesisch anmutenden Landschaft, war 2002 und 2005 das Ziel von terroristischen Bombenanschlägen - doch die Besucher sind wieder zurückgekehrt und haben Bali 2008 Rekordzahlen beschert.

Auch der schreckliche Tsunami hat knapp sechs Jahre nach der Katastrophe keine Auswirkungen mehr auf den Fremdenverkehr. So stellt der Ausschuss für Tourismus des Deutschen Bundestages fest, dass inzwischen sogar mehr ausländische Gäste in die betroffenen Länder reisen als vor dem Seebeben. Für 2010 rechnet Indonesien mit einem leichten Anstieg: sieben Millionen Touristen werden erwartet, davon ca. 160.000 aus Deutschland. Die Regierung erhofft sich weiteren Auftrieb durch das "Visit Indonesia Year" und durch eine Aufnahme von Komodo als Heimat der letzten Warane in die Liste der Neuen Sieben Naturwunder der Welt.


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