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Das Weib sei dem Manne untertan? Das Thema

Published at: 23-7-2013 | Archiv

Weibliche Schaufensterpuppen ohne Kopf in einem Schaufenster | Bild: picture-alliance/dpa

Die Geschichte der großen Denker ist in weiten Teilen eine Geschichte frauenfeindlicher Vorurteile. Die meisten tun nichts anderes, als das theoretisch zu legitimieren, was 2000 Jahre und länger praktiziert wurde: die Unterdrückung der Frau. Dabei werden die immer gleichen Argumente in immer neuen Variationen vorgeführt. Bei Spinoza etwa heißt es:

"Wären die Frauen von Natur den Männern gleichwertig (...), so müsste es doch unter so vielen und so verschiedenen Völkern einige geben, wo beide Geschlechter nebeneinander, und andere wo Frauen Männer regierten. Da dies aber nirgends der Fall, so darf man entschieden behaupten, dass Frauen nicht das gleiche Recht haben wie Männer."

Spinoza

Das Argument hier also: Was nicht ist, kann nicht sein.

Das Weib sei dem Manne untertan

Johann Gottlieb Fichte, deutscher Philosoph (1762 - 1814)

Fichtes Ansatz ist besonders originell: "Das Weib ist nicht unterworfen, so dass der Mann ein Zwangsrecht auf sie hätte, sie ist unterworfen durch ihren eigenen fortdauernden notwendigen und ihre Moralität bedingenden Wunsch, unterworfen zu sein." Selber schuld also! Bei Schopenhauer bricht dann der Hass auf die Frau offen aus: "Zu Pflegerinnen und Erzieherinnen unserer ersten Kindheit eignen die Weiber sich gerade dadurch, dass sie selbst kindisch, läppisch und kurzsichtig, mit einem Worte, Zeit Lebens große Kinder sind; eine Art Mittelstufe zwischen dem Kind und dem Manne, welcher der eigentliche Mensch ist." Frauen sind gar keine richtigen Menschen, also muss man sie auch nicht so behandeln!

Mann ist Geist, Weib ist Natur

Was besonders häufig auftaucht, ist die Gleichsetzung von Mann = Geist und Frau = Natur bzw. Sinnlichkeit. Die Überlegenheit des Mannes folgt wie von selbst aus der höheren Stellung des Geistes. Als Begründung dienen immer nur biologische Gegebenheiten wie die schwächere körperliche Konstitution der Frau oder ihre Gebärfähigkeit. Bei dem Philosophen Otto Weininger ergeben sich daraus geradezu groteske Schlussfolgerungen:

"Das Weib geht im Geschlechtsleben, in der Sphäre der Begattung und Fortpflanzung vollständig auf (...) Ich meine keineswegs, dass die Frau den Geschlechtsteil des Mannes schön oder auch nur hübsch findet. Sie empfindet ihn vielmehr wie der Vogel die Schlange, er übt auf sie eine hypnotisierende, bannende, faszinierende Wirkung. (...) Der Phallus ist das, was die Frau absolut und endgültig unfrei macht. (...) Das Weib ist nichts als Sexualität, der Mann ist sexuell und noch etwas darüber."

Otto Weininger

Hier dürfte der Wunsch Vater des Gedankens gewesen sein. Wie überhaupt die Aussagen der Philosophen häufig etwas über ihre eigenen Wunschvorstellungen verraten.

Alles nur überkommene Vorstellungen?

Wenn aber so viele große Köpfe der Geistesgeschichte beim Thema "Frau" so entschieden unter ihrem Niveau bleiben, warum sich überhaupt damit beschäftigen? - In den philosophischen Texten finden sich die Argumente, die jahrhundertelang als Legitimation der Chancenungleichheit gedient haben - und zwar explizit, nicht nur angedeutet oder in Symbole gekleidet. Die Auseinandersetzung damit lehrt nicht nur die Geschichte des Geschlechterkampfes besser verstehen, sie rüstet auch für die Gegenwart, wenn einzelne Argumente in moderne Form gepackt wieder auftauchen.

Außerdem gibt es unter den Philosophen auch rühmliche Ausnahmen: der Name, der hier an erster Stelle genannt werden muss, ist John Stuart Mill. Der englische Denker hat sich im 19. Jahrhundert entschieden für die Rechte der Frau eingesetzt. Sein Text über die "Hörigkeit der Frau" zeigt die gesellschaftlichen Prozesse auf, die zu ihrer angeblich naturgemäßen Unterlegenheit geführt haben:

"Jede Frau wird von frühester Jugend an erzogen in dem Glauben, das Ideal eines weiblichen Charakters sei ein solcher, welcher sich im geraden Gegensatz zu dem des Mannes befinde; kein eigener Wille, keine Herrschaft über sich durch Selbstbestimmung, sondern Unterwerfung, Fügsamkeit in die Bestimmung Anderer. Jede Sittenlehre predigt ihnen, die Pflicht der Frau sei, für Andere zu leben, sich selbst vollständig aufzugeben und keine andere Existenz als in und durch die Liebe zu haben."

John Stuart Mill

Das, was als Wesensbestimmung ausgegeben wird, ist nur anerzogen und dient einem einzigen Zweck - der fraglosen Herrschaft des Mannes. "Zu diesem Zweck", schließt Mill, "ist alles angewendet worden, um den weiblichen Geist niederzuhalten."


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