Bayern 2 - radioWissen


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Download-Service Einsatz im Unterricht

Stand: 04.11.2015 | Archiv

Vorarbeit

Lernziele: Die Schüler/innen sollen auf der zuvor im Fach Biologie gelegten Grundlage im Bereich der Genetik (Mendelsche Regeln, Evolutionstheorie) zunächst verstehen, welche diagnostischen Möglichkeiten Präimplantations- und Pränataldiagnostik heute und in naher Zukunft zu bieten scheinen. Sodann gilt es, nachzuvollziehen, wie und mit welchem Ethos in den verschiedenen Epochen der (deutschen) Geschichte mit „minderwertigem“ Nachwuchs umgegangen wurde. Ziel und Abschluss ist die kritische Diskussion um den ethisch-moralischen Handlungsrahmen, der dem Einzelnen und dem Staat zu setzen sei. (Was soll unter welchen Umständen möglich sein? Von welchem Menschenbild ist auszugehen?)

Einsatz im Unterricht

Hinführung zum Thema: Als Einstieg sollen die Schüler/innen mutmaßen, warum die in Ausschnitt 1 genannten Personen heute vielleicht gar nicht mehr geboren werden würden. Welches sind die neuen technischen Möglichkeiten? Und gibt es noch andere Gründe als diese? (z. B. Änderungen in der moralischen Bewertung der Diagnostik und der darauf aufbauenden Entscheidungen) Wer entscheidet überhaupt, und welche Grenzen mögen diesen Entscheidungen staatlicherseits gesetzt sein?
Anschließend kann durch gemeinsames Hören von Ausschnitt 2 die aktuelle Sachlage gefasst und anschließend auf Arbeitsblatt 1: Die Technisierung der Menschennatur der gewonnene Einblick ins Thema am Beispiel des dort abgedruckten Zitats von Habermas aus ethischer Sicht vertieft werden. Nun folgt die geschichtliche Annäherung unter der Frage: "Wie kam es dazu?" Dazu zu hören: Ausschnitt 3 a. Auf Arbeitsblatt 2: Wahr oder falsch? sollen dabei richtige und falsche Aussagen markiert und begründet werden. Bei einer diskussionsfreudigen Klasse und einem eher praktisch-philosophischen als historischen Blickwinkel bietet sich alternativ dazu Ausschnitt 3 b als Grundlage für eine gemeinsame Erörterung an: Welche Freiheiten muss man dem Einzelnen zugestehen? (Stichworte zur Diskussion: Extremsportarten, Drogenkonsum, "Wunderkind"-Förderung, Selbstverstümmelung, Bildungspflicht). Als auflockernder Abschluss dieser moralphilosophisch recht fordernden Unterrichtseinheit können die neuen Begriffe im Arbeitsblatt 3: Kreuzworträtsel gefestigt werden.

Nacharbeit


Besinnungsaufgabe: Den Schüler/innen kann man bis zur nächsten Unterrichtseinheit das folgende Zitat mit auf den Weg geben:

"Es gibt gewisse Tore, die nur die Krankheit öffnen kann."

André Gide

Frage dazu: Welche Tore können das sein?

Lehrplanbezug

Lehrplan für die bayerische Realschule und das bayerische Gymnasium
Jahrgangsstufe 9
Katholische Religionslehre
Zwischen Öffentlichkeit und Intimität: Freundschaft, Liebe und Sexualität
Verantwortungsvolle Gestaltung von Sexualität und Partnerschaft: Probleme und Lösungsansätze an Fallbeispielen oder Dilemmageschichten, z. B. überhöhte Erwartungen an Sexualität, Verhütung, ungewollte Schwangerschaft, Abtreibung, AIDS
Jahrgangsstufe 10
Religionslehre
Gewissen konkret: Verantwortung für das Leben übernehmen
Wissen und Können moderner Lebenswissenschaften, z. B. Biotechnologie, führen die Schüler zu Faszination und Hoffnung, aber ebenso zu Ängsten und Sorgen. In Grenzfragen des Lebens lassen staatliche Regelungen häufig Raum für den Gewissensentscheid des Einzelnen und rufen in die Verantwortung. Durch das Abwägen von Argumenten aus christlicher Sicht werden die Jugendlichen auf solche Entscheidungssituationen vorbereitet. Sie erkennen, dass Christen dem Einsatz für die Menschenwürde und den unbedingten Schutz des Lebens verpflichtet sind.
- Lebensrecht und Menschenwürde auf dem Prüfstand: Chancen und Risiken moderner Medizin und Humangenetik, z. B. pränatale Diagnostik, Fortpflanzungsmedizin, Organersatz
Ethik
Medizinethik
Die Schüler setzen sich mit klassischen und aktuellen Fragen der Medizinethik bzw. Bioethik auseinander. Anhand von ethischen Kriterien lernen sie, ein Modell der medizinethischen Entscheidungsfindung zu erarbeiten und an Fallbeispielen anzuwenden. Dabei werden verschiedene Ansätze der bio- bzw. medizinethischen Diskussion besprochen. Den Schülern soll dabei bewusstwerden, dass die Kriterien der allgemeinen Ethik auf die spezifischen Problemfelder einer angewandeten Ethik bezogen werden müssen.
Medizinethische Grundbegriffe wie Menschenwürde, Leben, Gesundheit, Person (substanzialistischer und qualitativ-aktualistischer Personbegriff)
- Eid des Hippokrates (drei Grundprinzipien: Wohl des Patienten, Wille des Patienten, Nichtschadenspflicht)
- Modell einer medizinethischen Entscheidungsfindung: Frage nach der Erlaubtheit der Ziele und Mittel; sog. amerikanisches Modell der Medizinethik (vier prima-facie-Prinzipien: Nichtschaden, Fürsorgepflicht, Patientenautono­mie, soziale Gerechtigkeit)
- medizinethische Probleme anhand von zwei Beispielen (z. B. Schwan­gerschaftsabbruch, pränatale Diagnostik, Gentherapie, Organtransplantation, Sterbehilfe, Stammzellenforschung)
Fächerverknüpfende und fächerübergreifende Unterrichtsvorhaben
Biotechnologie - Bioethik
Verantwortung übernehmen - Grenzen bedenken


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