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Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre Das Thema

Stand: 23.11.2010 | Archiv

Jean-Paul Sartres Philosophie beflügelte vor allem die Studenten der "1968-er". Sein Werk "Das Sein und das Nichts" wurde zu ihrer Bibel, seine Gewohnheit, schwarze Rollkragenpullover zu tragen und Pfeife zu rauchen, wurde tausendfach nachgeahmt. Der Begriff des Existentialismus wurde vielfach aufgenommen, aber nicht immer in der Bedeutung, wie es Sartre verstanden haben wollte. Schon 1946 schrieb er in dem Aufsatz "Ist der Existentialismus ein Humanismus?": "Die meisten Leute, die dieses Wort gebrauchen, wären recht verlegen, es zu rechtfertigen – denn heute, wo es zu einer Mode geworden ist, erklärt man etwa, dass ein Musiker oder ein Maler Existenzialist sei. Im Grunde hat das Wort heute einen solchen Umfang und eine solche Ausdehnung angenommen, dass es überhaupt nichts mehr bedeutet."

Sartre grenzte sich von den "christlichen Existenzialisten" um Karl Jaspers oder Gabriel Marcel ab. Er glaubte nicht an Gott, er sah den Menschen nicht in die Welt gestellt nach einem höheren Plan. Der Mensch muss sich Sartre zufolge seine Existenz erst schaffen, er hat kein Wesen an sich. Sein Menschenbild hat er nicht nur in zahlreichen philosophischen Werken dargelegt, sondern auch in literarischer Form: "Der Ekel", "Die Fliegen" oder "Die schmutzigen Hände" sind Werke der Weltliteratur geworden. Dem Kommunismus misstraute er zutiefst, weil dieser die Freiheit und Eigenverantwortung des Einzelnen dem Diktat eines Allgemeinwohls opferte.

Simone de Beauvoir

Auch de Beauvoirs literarisches Schaffen war sehr erfolgreich: 1954 erhielt sie den renommierten "Prix Goncourt" für "Die Mandarins von Paris", ihre Bücher (u.a. "Memoiren einer Tochter aus gutem Hause", "Das Alter", "Der Lauf der Dinge") werden bis heute vielfach gelesen. Für die Frauenbewegung wurde "Das andere Geschlecht" besonders einflussreich, in der sie die Situation der Frau in der Gesellschaft – vor allem ihre Rechtlosigkeit und die Bedrohungen ihrer Freiheit durch die Ehe - schonungslos analysierte. Zu ihrer Zeit war ein selbst bestimmtes, freies Leben von Frauen die Ausnahme. In Deutschland zum Beispiel wurde erst 1922 Frauen das Wahlrecht zugestanden, freien Zugang zu einem Konto oder Geld erhielten sie erst 1958 durch ein Gleichberechtigungsgesetz. Bis 1977 galt sogar offiziell noch die Regelung, dass eine Ehefrau ihren Mann um Erlaubnis fragen musste, wenn sie einer bezahlten Berufstätigkeit nachgehen wollte.

Kein Wunder also, dass de Beauvoir als selbstständige Frau, die ihr Geld durch eigene Lehrtätigkeit und die Literatur verdiente - und dennoch eine intensive Liebesbeziehung mit Sartre und anderen lebte – bewundert und auch heftig abgelehnt wurde. Erst durch die Veröffentlichung des Briefwechsels nach ihrem Tod (Sartre starb 1980, de Beauvoir 1986) wurde offenbar, dass die postulierten Freiheiten auch ihre Schattenseiten und ihren Preis hatten. In manchen Fällen einen Preis, den andere bezahlen mussten. Denn in den Briefen wurde offenbar, dass beide ihre Geliebten - de Beauvoir hatte auch Affären mit ihren Schülerinnen – manchmal manipulierten und zum Spielball ihrer Beziehung werden ließen. De Beauvoir wurde später von radikaleren Feministinnen vorgeworfen, dass sie sich trotz aller Freiheiten bisweilen zu Sartres Gehilfin oder Sekretärin habe machen lassen.

Bis heute ist die Attraktivität ihres radikal der Freiheit verpflichteten gemeinsamen Lebens und Arbeitens aber ungebrochen. Und trotz aller Aufklärungen und klugen Analysen - ihre tatsächlichen Gefühle, Erfolge oder Niederlagen werden bei einem so öffentlich und intellektuell inszenierten Leben immer ein Geheimnis bleiben.


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