Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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21. August 1888 William Seward Burroughs erhält Patent auf Rechenmaschine

Eine mechanische Rechenmaschine, besser und zuverlässiger als die damals in der Bank vorhandenen Maschinen, war der Plan von William Seward Burroughs. Am 21. August 1888 erhielt er das Petent darauf.

Von: Hellmuth Nordwig

Stand: 21.08.2019 | Archiv

21 August

Mittwoch, 21. August 2019

Autor(in): Hellmuth Nordwig

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Mein Name ist Burroughs - William Seward Burroughs I. (der erste). Bitte: Nicht dieser Edgar Rice Burroughs, der Schundromane geschrieben hat. Über einen gewissen Tarzan zum Beispiel, mit Affen und so. Nein, bei mir geht es um Zahlen und Geld. Sonst wäre ich wohl nicht zu einem der erfolgreichsten Unternehmer der USA aufgestiegen. Vom einfachen Bankangestellten, so etwas geht hier eben. Als Erfinder hat man mich in diesem wunderbaren Land sogar in die Hall of Fame aufgenommen. Weil ich zum Fortschritt von Wissenschaft und Industrie beigetragen habe und zum Wohlstand der Nation. Ein US-Patent muss man dafür auch haben. Mir haben sie natürlich mehrere zugesprochen. Aber das liebste ist mir das vom 21. August 1888. Meine Addiermaschine. Hat mir auch mit Abstand am meisten Geld gebracht.

Was Solides

Eigentlich wollte ich gar nicht zur Bank. Mein Vater war Mechaniker, und das mochte ich auch. Maschinen auseinander nehmen, Uhren wieder zum Laufen bekommen, solche Sachen. Aber nein, ich sollte was Solides arbeiten nach der Schule. Also die Bank. Tagein tagaus Kontobewegungen in die Bücher eintragen, grauenhaft. Vor allem weil du dich da unweigerlich irgendwann verrechnest. Dann gibt's natürlich Ärger. Kann man ja verstehen, aber Menschen machen eben Rechenfehler, wenn der Tag lang ist. Sieben Jahre habe ich es da ausgehalten. Dann ging es einfach nicht mehr. Und der Doc hat gemeint: Geh mal ganz woanders hin. Am besten da, wo es schön warm ist.

Die Rechnung geht auf

Stimmt, vor allem die Winter sind hart im Staat New York. Also Missouri. Und gleich ein Job in einer Maschinenfabrik! Ihr könnt euch vorstellen, wie ich aufgeblüht bin. Und da ist mir auch eine alte Idee wieder eingefallen: eine Maschine, die Zahlen zusammenzählt. Ohne Fehler natürlich. Das habe ich mal in einem Laden erzählt, wo ich etwas reparieren sollte. Die Jungs waren begeistert. Haben doch glatt 300 Dollar gesammelt, damit ich so einen Apparat bauen kann. Ich hab ihnen dafür Aktien von meiner Rechenmaschinen-Firma versprochen, die ich später gründen wollte. So läuft das bei uns.

Ihr ahnt schon: Die Rechnung ist aufgegangen, wie man so schön sagt. Mit den technischen Details will ich euch hier nicht langweilen. Hunderte Zahnräder, Federn, Stellschrauben und ein Öldämpfer. Zunächst unter Glas verbaut, bis ich gemerkt habe, dass die Mechanik leider keinen interessiert. Obwohl mich das alles Tag und Nacht beschäftigt hat, viele Jahre lang. Jedenfalls hatte ich jetzt eine Maschine, in die ein Bankangestellter so viele Beträge eintippen konnte, wie er wollte - und auf einem Papierstreifen stand immer die richtige Summe. Wollten natürlich alle haben. Die Firma habe ich dann wirklich gegründet und den Anfang in Saint Louis noch mitbekommen.

Den Rest schaue ich mir gemütlich von hier oben aus an. Ein Riesen-Unternehmen ist das geworden, heute machen sie in sogenannten Computern. Meine Nachkommen haben natürlich ausgesorgt. Einen Enkel haben sie nach mir William Seward Burroughs II. genannt. Geld hatte der ja, und so hing er den ganzen Tag herum und schrieb ein bisschen. Wurde sogar zum Vorbild einer "Beat Generation" mit Büchern wie "Naked Lunch", "Junkie" und so. Naja, das ist nicht mehr meine Welt. Aber an seinem Lebensende hat er noch Essays geschrieben mit dem Titel "The Adding Machine". Der Junge weiß eben, wo er herkommt


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