Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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16. August 1952 "Schwein oder Nichtschwein" erscheint

Der Autor Sir Pelham Grenville Wodehouse – sein Humor typisch britisch. Er erfand sein eigenes Märchenland und seinen eigenen Slang.

Von: Justina Schreiber

Stand: 16.08.2019 | Archiv

16 August

Freitag, 16. August 2019

Autor(in): Justina Schreiber

Sprecher(in): Krista Posch

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

O my Goodness, die Engländer und ihr Humor! Da gibt es also diesen trotteligen Lord Emsworth und seinen Liebling, ein faules Mastschwein mit dem hochtrabenden Namen Kaiserin von Blandings. Und um dieses ungleiche Paar ranken sich nun eher simple Handlungsstränge, die die Geld- und Liebesnöte diverser Nebenfiguren mit den Vorbereitungen zur nächsten Landwirtschaftsausstellung verknüpfen. Die Situation eskaliert, weil man auf Blandings Castle Grund hat anzunehmen, dass Lord Emsworth’s Konkurrent und Nachbar Sir Gregory Parsloe-Parsloe von Matchingham Hall den Plan gefasst hat, die Kaiserin von Blandings mit Hilfe eines Diätmittels heimlich um ihre wertvollen Pfunde zu erleichtern, um seinem eigenen Mastschwein die Siegermedaille zu sichern. Was – of course! - dringende Gegenmaßnahmen erfordert, in deren Zentrum Lord Emsworth’s deutlich intelligenterer Bruder Galahad Threepwood agiert… to make a long story short.

Schweine haben Flügel

Der "komische" Roman, dessen Inhaltsangabe allein schon wie ein Loriot-Sketch klingt, erschien zunächst als Fortsetzungsgeschichte im US-amerikanischen Magazin Collier’s Weekly. "Schwein oder Nichtschwein", wie das kalauerreiche Werk dann auf Deutsch hieß, startete am 16. August 1952. Der britische Schriftsteller P. G. Wodehouse, der seit 1947 in den USA lebte, konnte sich auf eine große Fangemeinde verlassen. "Pigs have Wings", so der Originaltitel, war bereits sein siebter Roman, der auf Blandings Castle, dem utopischen Landsitz kindischer Fantasten spielte. Hier haben Schweine – sprichwörtlich – Flügel, will heißen: auf dem englischen Schloss ist alles möglich, was passieren kann, wenn sich Aristokraten, Butler, Dandys und Damen der Halbwelt in die Quere kommen. Boulevard-Theater eben. Aber bitte keine Morde oder andere Verbrechen, keine große Politik und überhaupt: the elephant in the room wird blasiert übersehen. Auch wenn die Lage ernster nicht sein kann…. Hauptsache, sie gibt Anlass für einen originellen Witz! Ein Verfahren, das Pelham Grenville Wodehouse, kurz Plum genannt, zur Perfektion trieb. Doch wie musste er für seine Oberflächlichkeit büßen!

Sir Plum

Weil der in Surrey geborene Bühnen- und Drehbuch-Autor aus Steuergründen in Frankreich lebte, wurde er 1940 von den einmarschierenden Deutschen als feindlicher Ausländer interniert. Seine Gebrauchsanleitung, wie man einen Lagerinsassen darstellt, ohne vorher geprobt zu haben, strahlte das Columbia Broadcasting System mit Hilfe des Deutschen Rundfunks in den USA aus. Joseph Goebbels zeigte sich amüsiert. Die Engländer allerdings, die gerade die Luftschlacht "allein gegen Hitler" gewonnen hatten, nahmen ihrem Landsmann seine Späße etwa über den interessanten Geschmack von Motoröl in einer an sich faden Kohlsuppe übel. Von wegen: britischer Humor! Es dauerte 20 Jahre, bis sie Wodehouse verzeihen konnten. Kurz vor seinem Tod bekam der 83-Jährige, der längst auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, den Order of the British Empire verliehen. Doch nicht erst jetzt war "Sir Plum" der Kaiserin von Blandings würdig. Schließlich stammte er in direkter Linie von einer Schwester der englischen Königin Ann Boleyn ab. But: Call it a day! Schluss für heute!


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