Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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18. Mai 1971 Patent auf den Heimschwangerschaftstest

Übel ist einem seit Tagen, aber sicher ist man in den 1960er Jahren länger nicht. Schwangerschaftstests beim Arzt dauern. Margaret Crane befindet: Frau sollte das auch zuhause prüfen können per Heimtest. Autorin: Katharina Hübel

Stand: 18.05.2020 | Archiv

18 Mai

Montag, 18. Mai 2020

Autor(in): Katharina Hübel

Sprecher(in): Krista Posch

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

Die Zeiten haben sich geändert. In Kinderbüchern retten Prinzessinnen die Prinzen. Besiegen Drachen. Essen Schnitzel. Im echten Leben erforschen sie Raben wie die bayerische Prinzessin anstatt sich ihr Krönchen zu richten. Oder kündigen das ihnen zugedachte Amt im Buckingham Palace auf – keine Lust mehr auf Repräsentation und Kleiderschau beim Pferderennen. Frauen mischen heute die Finanzmärkte auf, stehen an der Spitze der Politik und fliegen ins Weltall. Doch in jeder Generation gibt es sie – die, die es schaffen, vermeintliche Rollen über Bord zu werfen, und damit Geschichte schreiben. Wie am 18. Mai 1971. Der Tag, an dem Margaret Crane als Erfinderin des Patents 3 579 306 eingetragen wurde.

So einfach ist das?

Margaret Crane ist 26 Jahre alt, Designerin und betritt ihre neue Arbeitsstelle: Organon Pharmaceuticals in New Jersey. Sie ist eingestellt, um Kosmetikprodukte zu entwerfen: Lippenstift-Etuits. Kosmetikflaschen. Und als sie das Labor ihrer neuen Firma sieht, beginnt sie, sich in etwas einzumischen, was sie eigentlich nichts angeht. Sie ist keine Wissenschaftlerin. Und doch interessiert sie sich für die vielen Reagenzgläser, die dort aufgereiht stehen. Denn es sind Schwangerschaftstests – für sie wie für die meisten Frauen damals in den Sechzigern ein großes Mysterium. Frauen mussten wochenlang auf einen Laborbefund warten. Brauchten einen Termin beim Arzt, wurden einbestellt. Keine sehr intime Angelegenheit.

Das kann Frau auch!

Im Labor sieht Margaret Crane aber nun, wie unkompliziert ein Schwangerschaftstest eigentlich geht: Ein Präparat reagiert mit Urin und bildet einen sichtbaren Ring am Boden des Reagenzglases - zwei Stunden warten, Ergebnis da! Margaret Crane bastelt einen Prototyp und packt ihn in eine kleine Plastikschachtel, in der sie sonst Büroklammern aufbewahrt. Sie schreibt "Predictor" mit rotem Filzstift auf die durchsichtige Box. Die Utensilien wie Pipette und Reagenzglas bastelt Margaret Crane gekonnt hinein.

Doch ihr Chef sagt nein. Und dann setzt er hinter ihrem Rücken ein Strategietreffen an, zu dem nur männliche Designer gebeten sind. Deren Entwürfe: voll Blumen und Rüschen. Margaret Crane bekommt Wind davon und platzt mitten in das Meeting. Selbstbewusst stellt sie ihr eigenes Test-Kit auf den Tisch: minimalistisch, auf die Laborausstattung reduziert – so sieht sie die moderne Frau – klar und zielstrebig. Es macht das Rennen. 1969 meldet die Firma das Patent an. Margaret Crane – die Designerin, die sich gegen die Männer in ihrer Firma durchgesetzt hat – wird tatsächlich als Erfinderin des ersten Heimschwangerschaftstests eingetragen. Aber das hatte seinen Preis. "Wir hatten eine kleine Zeremonie im Büro mit Anwälten und Führungskräften. Sie ließen mich meine Rechte für einen US-Dollar abschreiben", erzählt sie. Diesen einen Dollar hat Margaret Crane nie bekommen. Dafür gilt sie bis heute als die Erfinder-IN des Heimschwangerschaftstests. Und darauf kam es ihr an. Denn was bedeuten schon Reichtum, was ein Krönchen oder gar der Buckingham-Palace, wenn der eigene Name für die Freiheit stehen kann, ein selbstbestimmteres Leben anzupacken.


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