Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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11. September 1847 "Oh! Susannah!" in Pittsburgher Saloon vorgetragen

"Oh Susanna" von Stephen Foster, einer der bekanntesten amerikanischen Songs überhaupt. Lustig? Rassistisch? Auf jeden Fall ein Stück amerikanischer Kulturgeschichte. Autor: Frank Halbach

Stand: 11.09.2018 | Archiv

11 September

Dienstag, 11. September 2018

Autor(in): Frank Halbach

Sprecher(in): Caroline Ebner

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

"Oh! Susanna, Oh! don't you cry for me, I've come from Alabama, wid my banjo on my knee."

Oh, Susanna. Das ist Wildwestromantik pur. Der einsame Cowboy reitet mit seinem Banjo in den Sonnenuntergang und singt sehnsuchtsvoll von seiner Susanna. Kein Wunder also, dass der Song zu einem der allerersten Hits der Musikgeschichte wurde. Davor hatte es niemand geschafft, von einem Lied mehr als 5 000 Kopien zu verkaufen. "Oh Susanna“ hingegen brachte es auf über 100 000 in klingende Münze verwandelter Kopien.

Die gute alte Westernzeit

Wo hätte dieser Song Premiere feiern können, wenn nicht in einem Saloon? Und deshalb spielte man "Oh Susanna" zum allerersten Mal im Andrews' Eagle Ice Cream Saloon in Pittsburgh, Pennsylvania. Und zwar am 11. September 1847. Die gute, alte Zeit vor dem Bürgerkrieg ab anno 1861. Die Cowboys waren schneidig, die Mädel sittsam. Und die Schwarzen noch Sklaven, die auf den Plantagen schufteten.

In dieser lieben Zeit nutzte der Songwriter Stephen Collins Foster die Gunst der Stunde. Neben "Oh Susanna“ steuerte er zur Musik- und Kulturgeschichte der USA noch Evergreens wie "Swanee River" oder "Beautiful Dreamer" bei. "Oh Susanna“ ist aber am lustigsten. Der Text ist Nonsens. Kostprobe gefällig? "Es regnete die ganze Nacht, an dem Tag als ich aufbrach, das Wetter war trocken, die Sonne so heiß, dass ich mich zu Tode fror.“ Und damit es noch lustiger wird, ist die zweite Strophe radebrechend in der unbeholfene Sprechweise der afrikanischen Sklaven zu singen. Das ist übrigens die Strophe, wo zur allgemeinen Erheiterung "500 Nigger gekillt" werden – sorry, so steht’s im Text.

Na gut, dieser "Gag" ist natürlich auch dem Genre  geschuldet. Denn "Oh Susanna" ist ein Minstrel Song. In diesen Minstrel Shows traten schwarz geschminkte Weiße auf und zeigten ihre Sklaven so wie sie waren: immer fröhlich, singend, naiv und natürlich trotz härtester Arbeit ihre Besitzer innig liebend. Zur Verteidigung Fosters wird immer wieder angemerkt, diese Minstrel Shows seien das einzige ihm bekannte Unterhaltungsmedium gewesen und er habe seine Interpreten stets gebeten, sich doch bitte nicht über die Sklaven lustig zu machen, sondern viel mehr Mitgefühl für sie zu wecken.

Die Apachen vom Schwarzen Berge

"Oh Susanna" wurde jedenfalls nicht nur ein Hit, sondern auch die Hymne der amerikanischen Glückssucher. Fosters Song schmetternd machten sich zwischen 1848 und 1854 Tausende nach Kalifornien auf: Goldrausch!

Wir wissen heute ja, dass unkontrollierte Zuwanderung problematisch werden kann. Vor dem Goldrausch lebten in Kalifornien ca. 150 000 amerikanische Ureinwohner. Danach noch etwa 31 000.

"Oh Susanna" lautet dementsprechend der Originaltitel eines Westerns von 1951, der von Goldsuchern, Indianern und Indianerhassern handelt. Ein wenig nichtssagend, wenn man die kulturgeschichtliche Bedeutung von Fosters Song nicht kennt. Deshalb heiß der Streifen bei uns: "Apachenschlacht am schwarzen Berge". Blöd nur, dass diese Schlacht in den Black Hills, also den schwarzen Bergen stattfindet. Hätte man einen Apachen nach dem schwarzen Berge gefragt, er hätte hilflos mit den Schultern gezuckt. Wenn man einen Apachen gefunden hätte natürlich. Denn in den Black Hills lebten keine Apachen – sondern die Sioux. Oh! Susanna!


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