Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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9. Oktober 1846 Julius Maggi geboren, Saucen-Erfinder

Der Industrielle Julius Maggi, geboren am 9. Oktober 1846, wollte seinen Arbeitern etwas Gutes tun. Er erfand nahrhafte industriell vorgefertigte Suppen und vor allem die weltberühmte Maggi-Sauce. Autorin: Anja Mösing

Stand: 09.10.2019

09 Oktober

Mittwoch, 09. Oktober 2019

Autor(in): Anja Mösing

Sprecher(in): Ilse Neubauer

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Schnell geht es nicht. Aber schön ist es schon. So ein Holzofen-Feuer zu entzünden, um dann, wenn endlich die nötige Hitze erreicht ist, darauf zu kochen. Ein Genuss! Aber müssten wir täglich das Wasser für unseren Morgen-Kaffe auf diese Art zubereiten? Da ginge aber Zeit ins Land! Und diese Zeit haben wir im Alltag nicht. Schon lange nicht mehr. Genau genommen seit den Tagen der Industriellen Revolution: Wer seine Arbeitskraft sechs Tage die Woche für zwölf Stunden täglich in den Dienst einer Firma steckte, der konnte sein Herdfeuer nicht am Brennen halten.

Kochen in engen Wohnungen

Den Arbeiterinnen des 19. Jahrhunderts machte aber nicht nur das Herdfeuer Schwierigkeiten, das außerdem viel teures Holz verschlang. Vor allem waren es die beengten Verhältnisse: Wer mit neun Personen in einem Zimmer wohnte, der tat sich schwer, dort auch noch die traditionellen und gehaltvollen Speisen aus Roggen oder Dinkel zu kochen.

Kurz: Um Ernährung und Gesundheit der ärmeren, hart arbeitenden Stadtbewohner stand es schlecht. Beängstigend schlecht! Im Gegenzug gab es mehr und mehr Ideen, wie man dieser größer werdenden Bevölkerungsgruppe zu Gesundheit verhelfen könnte. Da gab es den Vorreiter Graf Rumford, der Ende des 18. Jahrhunderts die nahrhafte Rumfordsuppe für die Armenküchen erfand. Der Chemiker Justus Liebig entwickelte für unterernährte Babys Mitte des 19. Jahrhunderts eine Suppe für Säuglinge und für Hausfrauen in Zeitnot das Fleischextrakt. Auch die Armen- und Schrebergärten sollten als Selbstversorger-Gärten die Gesundheit der Bevölkerung verbessern.

Und selbst die Fabrikbesitzer - obwohl ihre Fabriken ja sozusagen die Wurzel des Übels waren, mit den allzu oft menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, horrenden Arbeitszeiten und mickrigen Löhnen - selbst Fabrikbesitzer brachten einige Produkte auf den Markt, die die Gesundheit der Arbeiter verbessern sollten.

Der bekannteste unter ihnen ist Julius Maggi, geboren am 9. Oktober 1846 - der Mann, der auch die Maggi-Sauce erfand.

Wedekind und Maggi

Die braune Würz-Sauce, die jahrzehntelang auf keinem deutschen Wirtshaustisch fehlte, war zunächst nur ein Nebenprodukt des umtriebigen Julius Maggi. Eigentlich war sein Ziel, eine kräftigende, eiweißhaltige Suppe zu entwickeln, die industriell so vorgefertigt war, dass die Hausfrauen nur noch wenig Zeit brauchten, um sie auf den Tisch zu bringen. Und das gelang ihm auch: Der wohlhabende Mühlenbesitzer aus der Schweiz wurde mit Tütensuppen, Suppen-Würfeln und vor allem mit seiner Maggi-Würz-Sauce berühmt.

Aber sein Erfolg wäre kaum so durchschlagend gewesen, hätte Julius Maggi die Ideen der Werbung nicht so prächtig zu nutzen gewusst. Er ließ einen Marken-Artikel designen: die markante Maggi-Flasche, die 1887 auf den Markt kam. Noch vor der Odol- oder der Coca-Cola-Flasche! Und Julius Maggi ließ Öffentlichkeitsarbeit betreiben: Er machte den jungen und damals noch unbekannten Autor Frank Wedekind zum Chef seiner Werbe-Abteilung. Und Wedekind reimte köstliche Werbe-Sprüche  wie diesen:

"Das wissen selbst die Kinderlein,
mit Würze wird die Suppe fein.
Drum holt das Gretchen munter,
die Maggi-Flasch herunter."

Die Werbung half, die Maggi-Sauce bei den wohlhabenderen Städtern einzubürgern. Aber die geplagten Arbeiter konnten sich Maggi-Produkte damals trotzdem nicht leisten. Sie konnten höchstens für Herrn Maggi arbeiten.


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