Bayern 2 - Das Kalenderblatt


3

21. Februar 1669 Juana Inés de la Cruz tritt in Orden ein

Schon als Jugendliche bestand Juana Inés de la Cruz gegen die besten Gelehrten Mexikos. Um ihrer Liebe zum Wissen treu bleiben zu können, trat sie am 21. Februar 1669 in den Orden der Hieronymitinnen ein. Autor: Christian Feldmann

Stand: 21.02.2019 | Archiv

21 Februar

Donnerstag, 21. Februar 2019

Autor(in): Christian Feldmann

Sprecher(in): Ilse Neubauer

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Mit acht Jahren bestürmte sie ihre entgeisterte Mutter, sie wie einen Jungen zu kleiden, damit sie an der Universität Mexiko studieren könne. Mit 15 wurde sie Hofdame bei der Vizekönigin und bezauberte die angesehensten Gelehrten durch Wissen und Intelligenz. Mit 18 trat sie ins Kloster ein, wo sie Sonette und Theaterstücke schrieb. Sie wurde berühmt und "zehnte Muse Mexikos" genannt. Als sie 43 war, zwang sie ihr Erzbischof, sämtliche Bücher und Musikinstrumente zu verkaufen und ein Schuldbekenntnis mit ihrem eigenen Blut zu unterschreiben. Mit 44 starb sie.

Lieber Nonne als Ehesklavin

Die mexikanische Nonne Juana Inés de la Cruz ist eines der erschütterndsten Beispiele dafür, wie selbstständig denkende, kreative Frauen jahrhundertelang von der Männerkirche klein gehalten und zerstört wurden. Um das Jahr 1651 kam sie in einem Dorf im Herzen Mexikos zur Welt - als uneheliches Kind einer Kreolin, die noch fünf weitere Kinder mit einem baskischen Offizier und einem spanischen Kapitän hatte, ohne mit einem der beiden Herren verheiratet zu sein. Die resolute Mutter behauptete sich dennoch in der guten Gesellschaft, weil ihre Familie viel Land besaß.

Deshalb konnte sie Juana auch zur Erziehung zu wohlhabenden Verwandten in die Hauptstadt schicken. Irgendwie gelangte sie an den Hof des Vizekönigs, wo sie ein Kolloquium mit vierzig der besten Gelehrten Mexikos bestand. Der Marquis Mancera erinnert sich: Juana Inéz wehrte sich wie eine königliche Galeone gegen ein paar Schaluppen, die sie mit Fragen, Argumenten und Erwiderungen anzugreifen versuchten.

Ihre Umgebung war zunächst verwirrt, dass die von jungen Adeligen umschwärmte Hofdame am 21. Februar 1669, mit 18 Jahren, in ein Kloster der Hieronymitinnen eintrat, wo die Nonnen sich dem Bibelstudium widmeten.

Aber vielleicht verstand man auch, dass Juana auf diese Weise der Rolle einer gebärfreudigen Ehesklavin entging und die einzige Möglichkeit eines verhältnismäßig freien Lebensstils mit wissenschaftlicher und musischer Betätigung wählte, die Frauen im 17. Jahrhundert offen stand.

Mit Blut unterzeichnet

Juana, die sich auch in der Finanzverwaltung der Gemeinschaft nützlich macht, schreibt Hymnen für die Messe und Lustspiele für den Hof, melancholische Lyrik und sakrales Theater. Als sie immer mehr Kontakte mit weltlichen Leuten unterhält, bekommt sie Schwierigkeiten mit ihrem Beichtvater. Und als sie einen berühmten Kanzelredner aus dem Jesuitenorden zu kritisieren wagt - mit guten theologischen Argumenten -, zwingt sie Erzbischof Antonio de Aguiar y Seixas, der Frauen genauso wenig ausstehen kann wie das Theater, ihre geliebte Büchersammlung für die Armen zu verkaufen und ein demütigendes Schuldbekenntnis mit ihrem Blut zu unterzeichnen.

Vergeblich verweist sie darauf, wie viele fromme Gedichte und Lieder sie zu Gottes Ehre geschrieben hat. Vergeblich stellt sie die bohrende Frage, warum Männer ganz selbstverständlich all das dürfen, was man ihr verbietet. Wie könne sie denn gegen eine Sehnsucht ankämpfen, die Gott selbst in sie hinein gelegt habe? Juana: "Gott gab mir die Liebe zum Wissen, um ihr zu folgen!"

1695, als eine mörderische Seuche in Mexiko ausbricht, stirbt sie bei der Pflege ihrer kranken Mitschwestern. Rosaria Castellanos, Mexikanerin und Dichterin wie sie, sagte, am Ende ihres Lebens sei sie wirklich eine radikal arme Ordensfrau gewesen: Sie habe kein einziges Buch mehr besessen.


3