Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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24. Januar 1848 James W. Marshall findet Nugget und löst kalifornischen Goldrausch aus

Der Wilde Westen war nicht nur wild, sondern sollte auch reich machen. Dachte zumindest einige, nachdem der erste Nugget gefunden war. Doch Gold allein macht nicht glücklich. Kein Gold auch nicht. Autor: Thomas Grasberger

Stand: 24.01.2019 | Archiv

24 Januar

Donnerstag, 24. Januar 2019

Autor(in): Thomas Grasberger

Sprecher(in): Hans-Jürgen Stockerl

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

Es gibt sagenhaft reiche Menschen. Und sagenhaft dumme. Gelegentlich gibt´s auch Schnittmengen. Bei den alten Griechen zum Beispiel, da soll in Phrygien, dem heutigen Anatolien, ein König geherrscht haben, der reichlich hatte, aber so sehr von Gier und Dummheit gebeutelt war, dass er zum Klassiker unter den mythologischen Narren aufstieg. Midas hieß der Mann, der eines Tages einen Wunsch frei hatte. Alles was er berühre, so der König, möge fortan zu Gold werden. Nun, der Wunsch wurde gewährt: Stühle, Tische, Wände, alles ward alsbald zu Gold. Leider auch der feine Hammelbraten und der vortreffliche phrygische Wein, worauf der König – ganz fürchterlich von Hunger und Durst gepeinigt – um Aufhebung des Fluchs bat. Abermals mit Erfolg. Midas reinigte sich im Fluss, und der Gold-Spuk war vorüber.

Goldrausch

Tja, so leicht kann’s gehen, in der Sage. Aber halt nur in der griechischen. In der amerikanischen läuft´s anders, wie folgendes Beispiel beweist: Da hieß der Mann nicht Midas, sondern Sutter. Und König war er auch nicht, sondern Kaiser. Genauer gesagt: Kaiser von Kalifornien. Johann August Sutter war als Schweizer Bankrotteur etwas europamüde geworden und 1834 ins damals mexikanische Kalifornien geflohen. Der findige Eidgenosse ließ sich vom dortigen Gouverneur ein Gebiet in der Größe eines Schweizer Kantons überschreiben, vertrieb die ortsansässigen Indianer, gründete die Stadt Sacramento und machte ordentlich Kohle. Just als Kalifornien samt Sutters Neu-Helvetien an die USA fiel, da machte das Schicksal dem Kaiser ein Angebot, das er nur schwer ablehnen konnte.

Deal?

Sutters damaliger Schreiner James W. Marshall sollte am American River ein Sägewerk errichten. Am 24. Januar 1848 fand Marschall bei den Bauarbeiten ein kleines Goldnugget, vielleicht fünf Dollar wert. Schreiner Marshall lief schnurstracks zu seinem Chef. Der machte die Probe und hatte sofort Blut geleckt. Oder besser gesagt: Gold.

Sutter verpflichtete seine Arbeiter zur Verschwiegenheit. Sie hielt eine Woche. Danach begann der galoppierende Wahnsinn. Alle ließen alles liegen und stehen, keiner wollte mehr arbeiten, jeder suchte das schnelle Glück beim Schütteln und Sieben von Fluss-Sand.

Als die Presse berichtete, und sogar der amerikanische Präsident im Kongress drüber sprach, war der Goldrausch nicht mehr aufzuhalten. Hunderttausende zogen nach Kalifornien, trampelten Sutters Weidezäune nieder, klauten sein Vieh und die Maschinen. Ganz Amerika, ja die ganze Welt, schien nur mehr ein Ziel zu kennen: den Golden State. Der gar nicht so golden war. Denn Seuchen, Mord und Totschlag waren treue Begleiter des Rausches.

Richtig reich wurden damals wenige. Eigentlich nur die Händler und Kaufleute. Später auch Filmemacher wie Luis Trenker, mit seinem Western "Der Kaiser von Kalifornien". Oder Schriftsteller wie Stefan Zweig, der "Die Entdeckung Eldorados" in seinem Bestseller "Sternstunden der Menschheit" beschrieb. Tja, und bis heute, sagt man, soll es Leute geben, die vom kalifornischen Goldrausch profitieren, indem sie für ein paar Dollars Kalenderblätter drüber schreiben.


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