Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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4. Dezember 1993 Frank Zappa stirbt

Er prägte die Rockmusik. Mit Stilanleihen, rhythmischer Vielfalt und satirisch bis dadaistisch-absurden Texten: Frank Zappa. Autor: Markus Mähner

Stand: 04.12.2020 | Archiv

04 Dezember

Freitag, 04. Dezember 2020

Autor(in): Markus Mähner

Sprecher(in): Krista Posch

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Ach, wie gerne hätten sie ihn zur Ikone gehabt, die Hippies! Ihn, den Ankläger aller bürgerlichen Konventionen: Frank Vincent Zappa, der 1965 verknackt wurde, weil er für eine angebliche "Herrenparty" eine Tonaufnahme machte. Eine Tonaufnahme, bei der sich schon früh zeigte, was Frank von der US-amerikanischen Prüderie hielt! Von der Haftstrafe wegen "Verschwörung zur Pornografie" saß er zehn Tage im Gefängnis ab, die nächsten drei Jahre war er auf Bewährung. Die Proklamation der freie Liebe, das ungeschminkte Ansprechen auch extremer sexueller Fantasien, das machte Zappa ein Leben lang. Und darin stimmte er mit den Hippies überein! Nur: Er, dessen berühmtes Klo-Nackfoto wohl in jeder 68er-Studentenbude hing, konnte mit den Hippies, denen er latente Humorlosigkeit attestierte, nichts anfangen.

No satisfaction

Genauso wenig konnte er mit jenen revolutionären Studenten etwas anfangen, die sein Klo-Plakat so zahlreich kauften. Dabei hätte er auch hier eine perfekte Ikone abgegeben. Denn: Wer in den späten 1960er Jahren die Revolution wollte, die überall - auch in der Popmusik - ausbrach, dem aber ein über wenige simple Dur-Akkorde geschmettertes "I can´t get no satisfaction" einfach zu primitiv war, der fand ein Zuhause bei Zappas komplexen Melodien und dadaistisch-ironischen Texten. Doch Zappa wollte sich auch hier nicht vereinnahmen lassen! Was dazu führte, dass 1968 bei einem Konzert im Berliner Sportpalast seine Band, die "Mothers of Invention" als "Mütter der Reaktion" beschimpft wurden. Zappa nahm´s mit Humor: Die Ho-Chi-Minh-Rufe begleiteten die Mütter spontan mit einem Militärmarsch!

Seine eigene Partei

Auch nannte Zappa sich selbst gern einen "Konservativen". Ob er das ironisch oder ernst meinte? Das kann man bei ihm nie wissen! Fakt ist: Er griff nicht nur ununterbrochen in seinen Songtexten und in diversen Interviews die politisch reaktionären Teile der Vereinigten Staaten an, er erteilte auch der politisch Linken eine Abfuhr. Dabei hätte sie ihn doch so gerne zur Ikone - und ja!: auch zum Präsidenten gehabt!

Doch als er in den frühen 1990er Jahren tatsächlich mit dem Gedanken spielte gegen den Amtsinhaber George Bush - den Vater nicht den Sohn - im Wahlkampf anzutreten, tat er dies nicht unter der Flagge irgendeiner Partei, sondern war - wie sein Leben lang - seine eigene Partei.

Allein: Dazu kam es dann allerdings nicht mehr. Denn bei ihm wurde ein weit fortgeschrittenes Krebsgeschwür festgestellt, an dem Zappa am 4. Dezember 1993 starb.

Posthum würdigen ihn als einer der Ihren nun gleichermaßen: die wenig noch verbliebenen Hippies; die revolutionären Kräfte der Nation; sowie die Vertreter der anspruchsvollen Popmusik: Denn Zappa komponierte nicht nur komplexe Rocksongs, sondern auch moderne Orchestermusik.

Ja, und auch die Musikjournalisten lieben "ihren" Zappa und verfassen seit seinem Tod endlose Lobeshymnen. Es scheint ihnen egal zu sein, dass Zappa einmal meinte: Rockmusikjournalisten seien Leute, die nicht schreiben können, Leute interviewen, die nicht reden können und das alles für ein Publikum, dass nicht lesen kann.


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