Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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1. August 1972 Erster deutscher „Playboy“ erscheint

Eine Zeitschrift für Lifestyle. Und, zugegeben für "erotische Fotografie“: Der "Playboy". Unverwechselbar machten ihn aber nicht unverhüllte Damen, sondern ein Hase. Autorin: Julia Zöller

Stand: 01.08.2019 | Archiv

01 August

Donnerstag, 01. August 2019

Autor(in): Julia Zöller

Sprecher(in): Caroline Ebner

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Hasen wissen sich die Zeit zu vertreiben: Fressen, hoppeln, scharren, schlafen. Und wenn die Umstände günstig sind – ja - dann haben sie auch Sex. Was sie NICHT tun: sich verkleiden. Das tun nur Menschen. Dafür verkleiden die sich gern als Hasen. Frauen, die sich als Hasen verkleiden, schnüffeln und scharren meistens nicht, aber: Männer denken schnell an Sex, wenn sie sie sehen, das sei hier mal unterstellt. Denn Hasenverkleidungskostüme sind meistens kaum mehr als ein Badeanzug, mit einem Puschel auf dem Po. Ach ja: und die Ohren natürlich.

Bunny, Bunny

Dass Frauen sich überhaupt derart biologisch unkorrekt aufbrezeln, das liegt auch an zwei Männern: den Amerikanern Hugh Hefner und Art Paul. Die beiden haben gemeinsam 1953 den Playboy aus der Taufe gehoben. Hefner, der Typ im Schlafrock. Weniger bekannt:  Arthur Paul, sein art director. Der hat das berühmte Hasen-Logo für den Playboy entworfen.

Nur eine halbe Stunde brauchte Arthur, genannt Art, um das schwarze Tier mit der markanten Schnauze und den frech abstehenden Ohren zu zeichnen. Eigentlich war der Hase als Punkt am Ende der Interviews und Reportagen gedacht, doch schon auf dem zweiten Heft war sein Profil auf dem Cover, und dabei blieb es.

Dass zu diesem Hasen, dem rabbit, Bunnies dazukamen, Playboy- "Häschen", das ist auf dem Mist von Hugh Hefner gewachsen. Der ließ nämlich in seinen "Playboy-Clubs", die er ab 1960 aufzog, junge Frauen in maßgeschneiderten bunten Korsetten herumlaufen, die den Herren die Mäntel abnahmen und mit einem Knicks Getränke servierten, die Bunnies. Auch privat war Hefner von da an nicht mehr ohne Bunnies anzutreffen. In Deutschland aber sagten sich weiter Feldhase und Kaninchen gute Nacht, bis der Playboy schließlich am 1. August 1972 auch in einer deutschen Ausgabe in den Läden lag. Wobei dem Chefredakteur gleich im ersten Magazin ein gravierender Fehler auf dem Cover passiert ist:

Falscher Hase

Nicht thematisch. Die blonde Münchnerin Gaby Heier nestelt wunderbar an ihrem knappen dottergelben Sportshirt. Nein, der Skandal ist – ausgerechnet: der Hase, DER Playboy-Hase!!! auf ihrem Ärmel, wo schaut denn der hin? Nach rechts! Wo er doch ORIGINAL nach links schaut. Hätte Hefner, der alte Perfektionist, den Redakteur zu fassen gekriegt, er hätte ihn womöglich durch die Falltür im Boden seiner Villa in die Poolgrotte geschmissen.

Die deutschen Männer dagegen schauten eh nicht auf den falschen Hasen, sondern auf Gaby. Vielleicht wollten sie auch die Geschichten von Tennessee Williams oder Heinrich Heine lesen – jedenfalls kauften sie die Erstausgabe 300.000 Mal.

300.000! Ein Traum – heute sind es kaum mehr als 100.000 verkaufte Hefte...und dem Original-Playboy-Magazin in den USA geht es richtig dreckig: seine Zukunft ist ungewiss. Playboy Enterprises will sich "auf das beschränken, was richtig läuft." Und das sind nicht Girls oder Bunnies in Heftform. Am besten läuft: DER Hase. Das Logo verkauft sich noch immer blendend.


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