Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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28. Juni 1981 Der erste "Tatort" mit Schimanski

Womöglich der beliebteste aller Tatort-Kommissare: Horst Schimanski, Ermittler in Duisburg, dargestellt von Götz George. Sein Markenzeichen: eine beige-graue M65-Feldjacke, seither heißt sie "Schimanski-Jacke". Manche verglichen ihn mit James Bond, für andere war er nur ein Ruhrpott-Rambo. Autor: Thomas Grasberger

Stand: 28.06.2021 | Archiv

28 Juni

Montag, 28. Juni 2021

Autor(in): Thomas Grasberger

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Duisburg ist eine schöne Stadt! Bevor jetzt jemand anfängt zu lachen, sei an das Lehmbruck-Museum mit seinen Skulpturen erinnert. Oder an den modernen Innenhafen. Oder an die vielen netten Menschen: Duisburger haben das Herz ja auf dem rechten Fleck. Und auf der Zunge. Immer geradeheraus! Mit viel Humor! Die können kräftig mitlachen, wenn jemand sagt: "Duisburg ist eine schöne Stadt!"

Der bekannteste Sohn der schönen Stadt

Aber im Ernst: Es ist wirklich schön. Okay, vielleicht nicht so Rothenburg-ob-der-Tauber-mäßig-schön. Sondern eher so... nun ja, Duisburg-schön eben! Hart und authentisch, wie das Leben. Und wie der wohl bekannteste Sohn der Stadt: Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski.

Dass dieser Schimmi nur eine fiktive Fernsehfigur aus der Reihe Tatort ist, tut hier nichts zur Sache. Ebenso wenig, dass sein Darsteller Götz George gebürtiger Berliner war. Was soll´s? Schließlich stammt die Ruhrpott-Röhre Grönemeyer ja auch nicht aus Bochum, sondern aus Göttingen. Während Schimanskis Mit-Erfinder Hajo Gies immerhin aus Lüdenscheid kommt. Zwar verhält sich die Sauerland-Metropole Lüdenscheid zur Industriestadt Duisburg wie Potthucke mit Apfelmus zu Currywurst mit Pommes. Aber egal. Schließlich hatte Regisseur Hajo Gies vor seiner Filmkarriere Soziologie bei Adorno studiert, kannte sich also bestens aus mit Renitenz und Revolte, Kultur- und Kapitalismus-Kritik. Und mit dem Jargon der einfachen Leute.

Das Wort Jargon bedeutet übrigens ursprünglich "unverständliches Gemurmel", was gut zu Götz George passt. Als Horst Schimanski raunzte und brummte der sich 32 Jahre lang durch die deutsche Fernsehlandschaft, blaffte seinen Kollegen Thanner an, bellte unflätig herum oder drohte nervenden Journalisten Schläge an. Erstmals geschehen am 28. Juni 1981 in dem ARD-Tatort "Duisburg-Ruhrort".

Schimmis Welt

Darin dauert die filmische Geburt des unkonventionellen Fernseh-Kommissars mit dem Oberlippenbart ganze 4 Minuten und 30 Sekunden. Aus dem Kassettenrekorder eiert ein Sechzigerjahre-Hit, während der durchtrainierte Schimanski missmutig aus dem Fenster blickt, hinunter auf die graue Industrielandschaft der frühen 80er Jahre: Fabrikschlote, Arbeitskämpfe, Machos und Malocher. Es ist Schimmis Welt! Der Mittvierziger stammt nämlich aus einem Duisburger Arbeiterviertel, ist ohne Vater aufgewachsen und hat dauernd "Pech in der Liebe" und "Pech im Spiel". Weil in seiner Junggesellen-Wohnung nur leere Bierflaschen herumstehen, zieht er sich zwei rohe Eier rein und die bald schon legendäre beige Schimanski-Jacke über. Auf dem Weg zur "Kneipe" wirft gerade ein wütender Nachbar – Adorno lässt grüßen! – sein Fernsehgerät aus dem Fenster, weil "Dieses Scheiß-Fernsehen taugt sowieso nichts". Worauf Schimanski lauthals erwidert: "Zottel, Du Idiot, hör auf mit der Scheisse!" Tja, man kennt sich eben in Duisburg. Und spricht eine Sprache. Schimanski jetzt wohl erwidern würde: "Mann, hör auf mit der Scheiße! Mit Komplimenten kommste bei mir nicht weit!"


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