Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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27. November 1826 Apotheker John Walker entdeckt Streichholz

Mit mancher Erfindung ließe sich viel Geld machen. Aber nicht jeder Erfinder will das. Mancher – wie John Walker – beispielsweise möchte es einfach nur erfunden haben, das Streichholz. Autorin: Anja Mösing

Stand: 27.11.2018 | Archiv

27 November

Dienstag, 27. November 2018

Autor(in): Anja Mösing

Sprecher(in): Ilse Neubauer

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

Es wird nicht so oft erwähnt, aber…witzig…waren Menschen auch schon vor 200 Jahren.

Manche sogar originell.

Und cool.                              

Nur werden solche Dinge selten überliefert. Vielleicht lernen wir darum in der Schule so schmerzhaft wenig über Witz, Originalität und Coolness in früheren Zeiten. Eigentlich schade. Da gäb‘s sicher richtig gute Vorbilder. Egal. Auch aus schnödem Faktenwust kann man sich einiges zusammen reimen.

Beispiel gefällig?

Nehmen wir mal jemanden, der in vielen Lexika vertreten ist: John Walker.
Engländer und Apotheker aus der Hafenstadt Stockton-on-Tees.
Er erfand am 27. November 1826 das Streichholz.
Gut. Das ist wirklich stark.                                              

Schließlich war es zu John Walkers Zeiten noch normal, Feuer mit mehreren Zutaten zu entfachen: mit einem Stück Stahl, das gegen einen Feuerstein geschlagen wurde. Und die Funken, die dabei entstanden, die mussten in etwas leicht Brennbares fallen, womit man dann das Herd- oder Kaminfeuer anzündete. Mühsam.

Vieles ging da gar nicht. Zum Beispiel einsam auf einem Pferd in den Sonnenuntergang reiten, während man sich lässig mit einer Hand die Zigarette anzündet - ja, wie denn? Erst mit John Walkers Erfindung ging Feuerentzünden so mühelos wie Fingerschnippen. Aber - das ist die Faktenlage!

Weitere zündende Gedanken

Nun aber die Spekulation. Ein Indiz für Walkers Humor ist schon der Name, den er seiner Zufalls-Erfindung gab: Congreves! So nannte er seine Zinndose voll zarter Holzspäne, die er mit den Köpfchen in einen Mix aus Chemikalien getunkt und getrocknet hatte. Rieb man eines der Köpfchen über Sandpapier, wurde die Chemikalie schlagartig so heiß, dass sich das Hölzchen darunter entzündete. Großartig. Gut, so richtig regelmäßig brannten Walkers Hölzer nicht und sie müffelten auch noch unangenehm. Aber: Congreves!

So hießen damals in Europa hochaktuelle Brand-Raketen, entwickelt ein paar Jahre zuvor von Walkers Erfinder-Kollegen William Congreve. Wer diese Raketen besaß, hatte damals enorme Kriegsvorteile. Zarte Hölzchen so zu nennen, das verrät doch eine feine Portion vom britischen Humor.

Und: Walker ließ sich seine Erfindung nie patentieren. Einer seiner Kunden erkannte ihren Marktwert und verkaufte die kleinen Hölzer unter dem Namen Luzifers in London. Es heißt, der Verbrauch von Tabak sei in London sofort enorm angestiegen. Walker scherte sich nicht darum. Er arbeitete und forschte einfach weiter. Was wiederum ziemlich cool ist.

Er wurde 78 Jahre alt, verarmte keineswegs. Er war in seiner Heimatstadt für seine chemischen Experimente bekannt und für sein großes Wissen als Botaniker sogar berühmt. Wenn er in die Natur aufbrach, muss er sehr originell ausgesehen haben, mit seinem hohen Hut aus Biberpelz und einem weißen Tuch um den Hals

Ob seine Nichte den Humor ihres Onkels genossen hat? Immerhin hat sie Walker den Haushalt geführt, so lange er lebte. Er hatte schließlich dauernd so viel anderes zu tun, auch geheiratet hat er nicht. Vielleicht haben Nichte und Onkel jeden Tag zusammen gelacht und gestaunt. Schön wär‘s - überliefert ist es natürlich nicht.


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