Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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24. Februar 1582 Gregorianischer Kalender eingeführt

Zeit ist relativ. Ob man sie hat ist weniger wichtig als wann man sie hat. Dieses Wann lässt sich mitunter nicht leicht festmachen. Da zückt der Maya einen anderen Kalender als der alte Römer. Verschiedene Religionsgemeinschaften finden sich in verschiedenen Jahrhunderten. Autor: Andreas Miekisch

Stand: 24.02.2015 | Archiv

24 Februar

Dienstag, 24. Februar 2015

Autor(in): Andreas Miekisch

Sprecher(in): Andreas Wimberger

Illustration: Angela Smets

Redaktion: Susi Weichselbaumer

Zeit, so besagt ein englisches Sprichwort, sei ein Gentleman. Was aber die Verfasser der Kalender, die im Laufe der Menschheitsgeschichte erdacht wurden, diesem Gentleman an Geduld abverlangten, lässt sich heute kaum noch vorstellen: Es gab weltweit unzählige Varianten und wer gereist ist, konnte ohne Weiteres von einem in ein anderes Jahrtausenden wechseln.

Nach jüdischer Auffassung beispielsweise wurde die Welt 3761 Jahre vor dem Jahr Null in der christlichen Zeitrechnung geschaffen. Hebräische Forscher geben sogar einen genauen Tag und die genaue Stunde der Entstehung der Welt an. Probleme schafft aber nicht so sehr das Datum als vielmehr die Frage, wie man die Abfolge von Tagen und Jahreszeiten danach gestaltet.

Wer, was, wo - und vor allem wie wann

Fast alle Völker beziehen sich beim Verfassen ihrer Kalender auf die Mond- und Sonnenzyklen. Kreativität ist allerdings gefragt, wenn es darum geht, wie sich diese in Einklang bringen lassen, denn Mond- und Sonnenjahr weichen unvereinbar voneinander ab. Fast könnte man meinen, dass das Leben auf der Erde nicht für die Einteilung in Monate und Jahre gedacht ist.

Im 5. Jahrhundert vor Christus fand der griechische Astronom Meton schließlich eine Methode, mit der man die Zyklen des Mondes und der Sonne immerhin so kombinieren konnte, dass sie zumindest annähernd übereinstimmten. Durch das Zwischenschalten einiger Jahre mit 13 Monaten entsprachen in seinem Modell 235 Mondmonate relativ genau 19 Sonnenjahren.

Einen neuen Ansatz wählt Julius Cäsar im Jahr 45 vor Christus durch die Erhöhung der Anzahl der Tage eines Jahres von 355 auf 365. Allerdings ergeben sich nach der Hinwendung des Römischen Reichs zum Christentum ab dem
4. Jahrhundert Probleme mit der Festlegung einiger variabler kirchlicher Feiertage.

Ostern beispielsweise wird nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt, im Sonnenzyklus rutscht das Fest dagegen langsam in den Sommer ab.
Im 16. Jahrhundert macht diese Differenz seit Einführung des Julianischen Kalenders bereits 10 Tage aus.

Verrechnet?

Um ein weiteres Auseinanderdriften zu verhindern, erlässt Papst Gregor XIII. am 24. Februar 1582 schließlich  eine Bulle, mit der er diese zehn Tage kurzerhand aus dem Kalender streicht. Demnach folgt 1582 auf den 4. Oktober unmittelbar der 15. - die Tage dazwischen gibt es einfach nicht. Immerhin belässt er die gewohnte Abfolge der Wochentage: Der 4. Oktober ist ein Donnerstag, der 15. ein Freitag.

Die Machbarkeit einer solchen Maßnahme mag uns heute verwundern. Und tatsächlich war sie auch damals nicht unumstritten. Die protestantischen Länder lehnten sie aus Prinzip ab, allein um zu zeigen, dass sie die Herrschaft des Papstes nicht anerkannten. Im lettischen Riga kam es sogar zu Aufständen gegen den neuen Kalender. Muslimische Länder wie die Türkei führten ihn erst im 20. Jahrhundert ein und einige orthodoxe erkennen ihn bis heute nicht an.

Vielleicht warten sie auf die nächste Kalenderreform, denn vollkommen ist der Gregorianische Kalender nicht: nach rund 3000 Jahren weicht auch er einen Tag ab vom wirklichen Lauf der Gestirne.


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