Bayern 2 - Das Kalenderblatt


4

12. Februar 1788 Carl Ludwig Reichenbach, Entdecker der Od-Kraft

Carl Ludwig Reichenbach, der am 12. Februar 1788 geboren wurde, ist ein begeisterter Forscher gewesen. Allein: Die Wenigsten konnten mit seiner Entdeckung der "Sensitiven" und des "Od" etwas anfangen. Tragisch.

Published at: 12-2-2014 | Archiv

12 Februar

Mittwoch, 12. Februar 2014

Autor(in): Xaver Frühbeis

Sprecher(in): Andreas Wimberger

Illustration: Angela Smets

Redaktion: Julia Zöller

Armer, alter Mann auf dem Cobenzl. Keiner hat ihn ernst genommen, alle haben über ihn gelacht. Dabei wollte er doch bloß den merkwürdigen Phänomenen auf den Grund gehen, die in den finstren Kellerzimmern seines Landschlosses auf dem Cobenzl-Berg aufgetreten sind. Die Wiener nannten ihn den "Zauberer vom Cobenzl". Sein wahrer Name war: Carl Ludwig von Reichenbach. Ein Deutscher, geboren am 12. Februar 1788 in Stuttgart.

Leuchtende Objekte im finsteren Raum

In jungen Jahren hat Reichenbach als Chemiker und Geologe geforscht. Er hat das Paraffin entdeckt und Minerale in Meteoriten untersucht, hat der Eisenhüttenindustrie zu einer effektiven Holzkohleherstellung verholfen, und der König von Württemberg war von seinem Tun so entzückt, dass er ihn in den Freiherrenstand erhoben hat.

Mit 56 lernt Reichenbach Maria Nowotny kennen. Die junge Dame, erzählt ihm ein Wiener Arzt, reagiere äußerst sensibel auf die Magnete, mit denen er sie behandle. Ob Reichenbach da weiterhelfen könne. Und der findet Erstaunliches heraus. Die Dame ist derart empfindsam, dass sie einen Magneten in völliger Finsternis sehen kann. Es würden Lichter von ihm ausgehen, sagt sie. Reichenbach beginnt mit Versuchen. Ein lichtdicht abgedunkelter Raum, darin Fräulein Nowotny und irgendein Objekt. Eine Blume, ein kleines Tier, ein Kristall - nur Reichenbach weiß, was es ist.

Nach ein paar Stunden im finstren Raum gehen von dem Objekt schwache Lichter aus, und Fräulein Nowotny kann sagen, was es ist. Reichenbach selbst sieht nichts.

Er weitet seine Experimente aus, findet weitere Versuchspersonen: besondere Menschen, die an Migräne leiden, die bestimmte Stoffe verabscheuen, die nachts auf der linken Seite nicht einschlafen können. Reichenbach nennt diese Menschen "Sensitive".

Und siehe da: Auch sie können in den abgedunkelten Versuchskellern des Cobenzl-Schlosses nach einer gewissen Eingewöhnungszeit geheimnisvolle Lichter sehen, die von Objekten ausgehen. Am Ende eines Bergkristalls: ein feines blaues Licht. Wenn Reichenbach den Kristall umdreht: ein Rauch, orangefarben. Kupfer leuchtet rot, Zinn und Blei blau, Silber und Gold weiß. Am schwächsten leuchten Stoffe, Holz oder Lehm. Kräftig leuchten Steine, Metalle, Mineralien und Lebewesen, selbst die Wände des Kellerzimmers. Reichenbach ist begeistert: "Alles leuchtet! Wir sind in einer Welt voll leuchtender Materie!"

Eine Kraft namens "Od"

Was das ist, was seine Sensitiven da entdeckt haben, weiß Reichenbach nicht. Aber er gibt ihm einen Namen. Er nennt es "Od", nach einem alten germanischen Wort für die "alles durchdringende Lebenskraft". Und so forscht Reichenbach auf dem Cobenzl begeistert hinter seinem "Od" her und ignoriert dabei den großen Haken an der Sache. Sensitive sind störanfällig. Was heute klappt, funktioniert morgen nicht unbedingt wieder.

Andere Wissenschaftler können Reichenbachs Versuche nicht nachvollziehen, sie fangen an, sich über ihn und sein "Od" lustig zu machen. Reichenbach wehrt sich, er schreibt Bücher und Verteidigungsschriften. Aber vergebens. Die Kollegen distanzieren sich von ihm, dazu kommen finanzielle Probleme, und so muss Reichenbach schließlich Cobenzl verkaufen und seine Versuche einstellen.

Er stirbt mit 81 Jahren, vereinsamt und verbittert, in Leipzig - eine tragische Figur in der Geschichte der deutschen Naturwissenschaften. Das Schloß Cobenzl wird in den 60er Jahren abgerissen. Und die Lehre vom "Od", die kümmert heute niemanden mehr.


4