Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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11. Dezember 1913 Jean Marais geboren, Muse und Filmheld

Jean Cocteau hat ihn entdeckt und sich gleich verliebt in den fast 25 Jahre jüngeren Marais, der am 11. Dezember 1913 geboren wurde. Marais durfte in "La Belle et la Bête" das Biest geben. Und natürlich den Prinzen.

Stand: 11.12.2013 | Archiv

11 Dezember

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Autor(in): Gabriele Knetsch

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Angela Smets

Redaktion: Julia Zöller

Wer so schön ist wie Jean Marais, ist zum Filmhelden prädestiniert. Das blonde Haar trägt er stolz zur gelockten Tolle geformt, der Blick ist ernst und tief, das Gesicht ebenmäßig. Ein Märchenprinz, ein Adonis. Einfach ein "Wunder", wie Marais’ lebenslanger Mentor, der Dichter und Filmemacher Jean Cocteau sagte. Cocteau machte ihn zum Star -  und zu seinem Geliebten. Man muss Jean Marais nur mal in Cocteaus "Die Schöne und das Biest" sehen.  Eine surrealistische Märchenverfilmung, in der sich Belle, die "Schöne", ausgerechnet in die hässliche Bestie verliebt - am Ende verwandelt sich die Bestie natürlich in einen schönen Prinzen. Jean Marais spielt sie beide - und verführt. Auch Adolf Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker, ein guter Freund Cocteaus, verfiel Marais‘ Charme: er meißelte den Schauspieler in Stein.

Ein Leben wie im Film

Jean Cocteaus Haltung zu den deutschen Besatzern war alles andere als eindeutig - er unterhielt Beziehungen zur Résistance genauso wie zu Kollaborateuren. Sein Geliebter "Jeannot", wie Cocteau den 24 Jahre jüngeren Marais nannte, wurde da schon deutlicher. Angeblich wollte Jean Marais als 28jähriger Adolf Hitler umbringen - der Bildhauer Arno Breker sollte ihn in die Nähe des Führers bringen.

Cocteau hielt ihn jedoch von dem Ansinnen ab: "Mein Kleiner, wie stellst Du Dir das vor? Das ist kein Film. Das ist Wirklichkeit." Für Jean Marais verlief das Leben dennoch wie im Film. Schon als Jungstar wurde er zur mythischen Figur - spielte einen modernen Tristan in Delannoys Film "Der ewige Bann", den Ödipus und den Orpheus in Cocteaus Filmen. "„Mein Leben ist eine enorme Ungerechtigkeit - ich bin zu glücklich", sagte Marais 1992 in einem Interview mit der Zeitung "Le Parisien".

Das war nicht immer so. Er kam am 11. Dezember 1913 in Cherbourg zur Welt, der Vater war früh verschwunden, die Mutter, eine exzentrische Kleptomanin, wegen diverser Gefängnisaufenthalte abwesend, seine Anfänge als Schauspieler waren alles andere als Erfolg versprechend. Tatsächlich hatte er die Aufnahmeprüfung an der Akademie der Schönen Künste nicht bestanden.

Er jobbte als Golflehrer, Kunstmaler und Statist, niemand wollte Jean Marais eine Filmrolle geben. Bis auf Jean Cocteau. In "Oedipe Roi" besetzte er mit ihm eine stumme Rolle - Marais’ Stimme galt als unschön und viel zu hoch. "Kommen Sie schnell, es ist etwas Schreckliches passiert", rief er den Zögling zu sich. Als Marais ins Hotel stürzte, eröffnete ihm Cocteau: "Etwas Entsetzliches. Ich bin in Sie verliebt."

Betörendes Gesicht und ebensolcher Körper

Dieses Geständnis sollte zu Marais´ "zweiter Geburt" werden, wie der Schauspieler immer wieder sagte. Cocteau schuf den Künstler nach seinem Bilde, er schrieb ihm die passenden Hauptrollen auf den Leib.

Marais gab den Gedanken des surrealistischen Dichters ein - betörendes - Gesicht. Und einen ebensolchen Körper. Davon konnten sich seine Fans auch in den sehr viel populäreren Mantel- und Degenfilmen überzeugen. Jean Marais befreite Prinzessinnen und kämpfte souverän mit dem Schwert als "Graf von Monte Christo" oder als "Fracasse, der freche Kavalier". Die "Fantomas" Filme machten ihn Mitte der 60er Jahre als genial-geheimnisvollen Verbrecher zum Publikumsliebling. Jean Cocteau trug es seinem Jeannot nicht nach, dass er sich in diese wenig intellektuellen, aber erfolgreichen Niederungen begab. Bis zu Cocteaus Tod blieb Marais seine - wenn auch immer wieder fremdgehende - Muse.


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