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Whistleblower Bradley Manning (vor der Geschlechtsumwandlung) | Bild: picture-alliance/dpa

Donnerstag, 16-3-2017
9:05 vorm. to 10:00 vorm.

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BAYERN 2

Chelsea Manning
Wenn Whistleblowing Gefängnis bedeutet

Zivilcourage
Der Mut des Bürgers

Das Kalenderblatt
16.3.1983
Letzter Sendeturm aus Holz in Deutschland gesprengt
Von Martin Trauner

Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Chelsea Manning - Wenn Whistleblowing Gefängnis bedeutet
Autor: Martin Schramm / Regie: Frank Halbach
Bagdad, 12. Juli 2007. Mehrere Zivilisten, darunter zwei Reuters-Kriegsreporter, geraten in einem Wohngebiet ins Fadenkreuz eines US-amerikanischen Kampfhubschraubers. Kurze Zeit später sind sie alle tot; zwei zivile Retter, die dem einzigen Überlebenden noch zu Hilfe kommen wollen, ebenfalls. Der Pilot kommentierte den Vorfall mit "Ah, ja, schau dir diese toten Bastarde an!". Ein anderer Funkteilnehmer gratuliert ihm zu den "guten Schüssen". Verstörende Szenen wie aus einem Killerspiel. Ein offensichtliches Kriegsverbrechen, dokumentiert auf geheimen Militärvideos. WikiLeaks hat sie 2010 unter dem Titel "Collateral Murder" publik gemacht und damit weltweit Aufsehen erregt. Der Enthüllungsplattform zugespielt, hatte diese und andere geheime Militärdokumente ein ehemaliger US-Soldat: Bradley Manning, der heute mit dem Vornamen Chelsea als Frau lebt. 2013 wird sie u.a. wegen Verrats und Spionage zu 35 Jahren Militärhaft verurteilt - aufgrund eines Gnadenerlasses durch Barack Obama soll sie nun aber schon im Mai freikommen. Chelsea Manning hat ihre Haft bislang unter Bedingungen abgesessen, die ein UN-Berichterstatter als "Folter" kritisiert: Chelsea Manning wird depressiv, es folgen Hungerstreiks und Selbstmordversuche. Ihr Fall steht exemplarisch für das Schicksal vieler Whistleblower: Sie versuchen das aus ihrer Sicht Richtige zu tun, Missstände ans Tageslicht zu befördern, um im Interesse der Öffentlichkeit Debatten anzustoßen. Oft zahlen sie dafür aber einen hohen Preis, werden nicht als "Helden" und "mutige Aufklärer" gefeiert, sondern als "Landesverräter" verfolgt.

Zivilcourage - Der Mut des Bürgers
Autorin: Daniela Remus / Regie: Frank Halbach
Bereits 1835 bemängelten französische Intellektuelle, dass vielen Menschen der Mut fehlen würde, ein eigenes Urteil zu fällen und dementsprechend zu handeln. Courage Civil nannten sie die Haltung, die sie vermissten. Ein Ansatz, den schon der Königsberger Philosoph Immanuel Kant als Kerngedanken der Aufklärung formuliert hatte: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" Im Deutschen hat sich dafür der Begriff Zivilcourage eingebürgert. Aber heutzutage wird darunter vor allem ein soziales Handeln verstanden, das ohne Rücksicht auf eigene Nachteile für andere und deren Unversehrtheit eintritt. Diese Art von Zivilcourage ist politisch erwünscht. Staatsbürgerlicher Mut aber von Querdenkern ist nicht nur unbequem, sondern muss sich auch in Demokratien häufig gegen den Vorwurf des Verrats wehren, wie die Diskussionen um Whistleblower wie Edward Snowden oder Chelsea (Bradley) Manning zeigen.

Moderation: Leslie Rowe
Redaktion: Nicole Ruchlak

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