Bayern 2

     

Zeit für Bayern Akustische Reisen durch Bayerns Regionen

Leny Prytula vom Projekt "Meet a Jew" unterwegs in Nürnberg | Bild: BR/Benedikt Preisinger

Samstag, 16.04.2022
21:05 bis 22:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Schuld und Sühne
Die "Dachauer Prozesse" - ein Kapitel Rechtsgeschichte
Von Thomas Muggenthaler

"Wir sind ganz normale Menschen, ganz normal!"
Jüdisches Leben heute
Von Barbara Bogen

Wiederholung von 12.05 Uhr, Bayern 2
Diese Sendung hören Sie auch in der BR Radio App und ist als Podcast verfügbar.

Schuld und Sühne
Die "Dachauer Prozesse" - ein Kapitel Rechtsgeschichte
Von Thomas Muggenthaler

Noch bevor die berühmten Nürnberger Prozesse stattfanden, begann 1945 in Dachau eine Reihe von Prozessen gegen Lagerkommandanten und andere direkt Verantwortliche für das KZ-Unrechts-System der Nazis. Hier hatten sich bei insgesamt 461 Prozessen fast 2000 Angeklagte zu verantworten. 268 Männer und Frauen, wie etwa Martin Gottfried Weiß, der ehemalige Kommandant des KZ Dachau, wurden zum Tode verurteilt und in Landsberg am Lech hingerichtet. Beim sogenannten "Malmedy-Prozess" verhandelte man außerdem gegen SS-Männer, denen vorgeworfen wurde, während der deutschen Ardennenoffensive 1944/5 alliierte Soldaten nach ihrer Gefangennahme erschossen zu haben.
Aus Anlass der Eröffnung einer neuen Ausstellung zu den Prozessen in der KZ-Gedenkstätte Dachau zeichnet Thomas Muggenthaler diese unbekannten Kapitel bayerischer und deutscher Rechtsgeschichte nach.

"Wir sind ganz normale Menschen, ganz normal!"
Jüdisches Leben heute
Von Barbara Bogen

Vor einhundert Jahren, in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts, florierte das jüdische Leben in ganz Deutschland. Überall hatten jüdische Unternehmer, Ärzte, Wissenschaftler und Künstler, obgleich sie zahlenmäßig mit weniger als einem Prozent der Gesamtbevölkerung nur einen verschwindend geringen Anteil ausmachten, einen wesentlichen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben.
Allein in Bayern existierten vor 1933 beinahe 200 jüdische Gemeinden, die meisten davon in Mittel- und Unterfranken. Bedeutende Zusammenschlüsse gab es unter anderem in Nürnberg und Fürth, das sogar als das "fränkische Jerusalem" galt.
Heute, ein dreiviertel Jahrhundert nach Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Versuch der Auslöschung der europäischen Juden durch die Shoa verzeichnen die jüdischen Gemeinden in Deutschland insgesamt nur noch etwa 96.000 Mitglieder. Dazu kommen Menschen, die nicht Mitglied einer Gemeinde sind, schätzungsweise 30.000 bis 50.000 Juden und Jüdinnen, zusammen weniger, als vor rund einhundert Jahren allein in Berlin lebten.
Nicht zuletzt aufgrund der geringen Zahl jüdischer Menschen in Deutschland heute ist es kaum erstaunlich, dass viele Nichtjuden hierzulande noch nie einen persönlichen Kontakt zu Juden und Jüdinnen hatten und daher wenig Kenntnis über das jüdische Leben besitzen. Zeitgleich zeigt sich in dramatischer Weise das Phänomen eines wieder erstarkenden Antisemitismus, eines Judenhasses, der sich zumeist aus grober Unkenntnis nährt und auf uralte Klischees und fatale Stereotype im Zusammenhang mit dem Judentum zurückzuführen ist.
Um Vorurteile und Projektionen zu vermeiden, ist nichts so wichtig wie der Dialog, die offene Gestaltung von "Persönlichkeit" im Miteinander. "Wir sind ganz normale Menschen, ganz normal", erklärte unlängst eine Nürnbergerin mit jüdischen Wurzeln, natürlich nicht ohne Ironie. Mehr als bedenklich jedoch, dass man eine solche Selbstverständlichkeit überhaupt wieder erwähnen muss.
Wie sehen jüdische Biographien etwa in Franken heute aus, was bewegt Jüdinnen und Juden, wie religiös ist ihr Leben oder wie profan?
Die Sendung stellt in vier kurzen Porträts Jüdinnen und Juden in der fränkischen Region vor, ihre Freuden und Sorgen, ihren Alltag, ihre Individualität und "Normalität". Das Feature zeigt, wie vielfältig jüdisches Leben heute ist und wie befruchtend und notwendig für eine lebendige weltoffene Gesellschaft, deren diverses Miteinander ihre Qualität bestimmt.
Erstsendung 27.03.2021

Akustische Reisen durch Bayerns Regionen

Zeit für Bayern zeigt das Land im Herzen Europas in seiner ganzen Vielfalt. Eine unterhaltsame Heimatkunde für alle, ob alteingesessen oder neuzugezogen, ob aus Kempten oder Köln, Nürnberg oder Neapel, Berlin, Bagdad oder Berchtesgaden. Denn Heimat ist da, wo man sich kennt und auskennt. Zeit für Bayern bietet die Gelegenheit, die Landstriche und die Menschen Altbayerns, Frankens und Schwabens näher kennen zu lernen und neu zu erfahren - bayerisches Leben und bayerisches Lebensgefühl abseits aller Klischees.

"Zeit für Bayern" ... sollte jeder haben!