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Jenö Konrad und sein Cup Der 1. FC Nürnberg ehrt seinen früheren jüdischen Trainer

Am 17. Juli veranstaltet der 1.FC Nürnberg bereits zum zehnten Mal seinen Jenö-Konrad-Cup. Benannt ist das Jugendturnier nach dem ehemaligen jüdischen Trainer des 1. FCN, der seinerzeit einer Hetzkampagne ausgesetzt war.

Von: Thomas Senne

Stand: 11.07.2018

1932 erklangen keine Jubelgesänge, als der 1. FC Nürnberg zum zweiten Mal hintereinander ein Spiel verloren hatte – ausgerechnet gegen seinen Erzrivalen: die Spielvereinigung Fürth. Das unglückliche Ausscheiden des Clubs bei der Deutschen Meisterschaft 1932 war für das Nazi-Hetzblatt "Der Stürmer" ein willkommener Anlass für antisemitische Tiraden gegen den damaligen FCN-Trainer. Der hatte am 13. August 1894 im österreichisch-ungarischen Ort Palanka das Licht der Welt erblickt: Jenö Konrad. Von 1930 bis 1932 trainierte er den 1. FC Nürnberg.

Der "Stürmer" hetzt gegen den jüdischen Trainer

"Der 1. Fußballclub Nürnberg geht am Juden zu Grunde", giftete der "Stürmer" seinerzeit. Der "durch jüdische und sonstige Gazetten hochgepriesene Jude Konrad" habe einfach nicht das Können, um den Club ins Ziel zu bringen. Der Mann, den der "Stürmer" im August 1932 auf diese Weise diffamierte, konnte sechs Sprachen fließend sprechen, interessierte sich für Politik und Kultur und war vor allem durch seine sportlichen Erfolge aufgefallen. Dies war der Grund, warum Jenö Konrad beim 1. FCN überhaupt als Trainer angeheuert wurde, sagt Bernd Siegler, Historiker beim Nürnberger Traditionsverein.

Konrad verlässt Nürnberg nach Hetzkampagne

Doch Konrad verließ nach der Hetzkampagne schleunigst Nürnberg. Der 1. FC Nürnberg war konsterniert. Inzwischen wurden nicht nur alle zwischen 1933 und 1945 ausgeschlossenen jüdischen Vereinsmitglieder rehabilitiert, sondern Evelyn Konrad nahm auch die ihrem Vater Jenö Konrad posthum verliehene Urkunde als Ehrenmitglied entgegen.  

"Jenö-Konrad-Cup 2.0"

Jenö Konrad

Heute erinnert der Jenö-Konrad-Cup an den Sportler. Der Cup erhielt in seiner zehnten Auflage eine neue Ausrichtung – quasi ein "Jenö-Konrad-Cup 2.0 – Fußball trifft auf Geschichte". Seit kurzem arbeitet der 1. FCN eng mit dem deutsch-jüdischen Sportverein TSV Maccabi Nürnberg zusammen. Eine Kooperation, die viele Möglichkeiten bietet, meint Stanislav Dadachev, Vorstandsmitglied beim TSV Maccabi Nürnberg. Die beiden Sportvereine führen zusammen mit Schulen aus dem Raum Nürnberg den Jenö-Konrad-Cup durch.

Der inhaltlich neu ausgerichtete Cup findet im Rahmen der Projektwoche gegen "Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit im Sport" statt: Fußball trifft auf Geschichte. Beide Vereine veranstalten eine Projektwoche gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit im Sport, sagte Club-Sprecherin Katharina Fritsch. Die Schüler sollen sich dazu mit ihren Lehrern auf die Spuren von Jenö Konrad begeben und eine Projektarbeit erstellen. Mitmachen können neunte und zehnte Jahrgangsstufen, aber auch Jugendmannschaften kirchlicher und kultureller Einrichtungen. Der Sieger der Projektarbeit bekommt eine Einladung zum Besuch der jüdischen Gemeinde Nürnberg und einer KZ-Gedenkstätte.

Vorurteile abbauen

Aus allen teilnehmenden Gruppen sind außerdem die Mannschaften für das Jenö-Konrad-Fußballturnier am 17. Juli ausgesucht worden. Gemeinsam wollen beide Vereine so Werte transportieren und Vorurteile abbauen. Mit dem Cup stellt sich der Club aktiv seiner braunen Vergangenheit.

Jenö Konrad im Museum des 1. FC Nürnberg

Am 15. Juli 1978 stirbt Jenö Konrad in New York an einem Herzinfarkt. Heute erinnert nicht nur der nach ihm benannte Cup an den jüdischen Sportler. Im Museum des 1. FC Nürnberg gibt es eine eigene Abteilung für ihn. Dort ist auch eine von Jenö Konrad beschriebene Autogrammkarte zu sehen: "Der Club war der erste und muss der erste werden."


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