Bayern 1


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Bio-Weine Nachhaltiger Genuss - mit Bio-Weinen aus Deutschland

Author: Alexander Dallmus

Published at: 15-12-2022

Wein genießen | Bild: mauritius-images

https://www.ardaudiothek.de/episode/besser-leben-der-bayern-1-nachhaltigkeitspodcast/wie-gut-sind-bioweine-aus-deutschland/br/12188451/

Gerade ist die Zeit, es sich gutgehen zu lassen, sich etwas zu gönnen und zu genießen. Mit der Familie. Mit Freunden. Und deshalb verkosten Melitta Varlam und Alexander Dallmus in der letzten Folge der fünften Staffel von "Besser leben" bio-zertifizierte und naturnahe Weine. Exemplarisch ein Sekt, ein Weißwein und zwei Rotweine.

Besser leben Host Melitta Varlam bei der Weinverkostung mit Dagmar Ehrlich im BAYERN 1 Studio

Alles Produkte aus Deutschland. Ausgewählt von der Weinexpertin Dagmar Ehrlich: "Es ging mir darum, diesen Nachhaltigkeitsgedanken genussvoll umzusetzen. In diesen vier Weinen auch Repräsentanten zu finden, die spannend sind, die auch eigene Geschichten erzählen. Und diese vier sind sehr unterschiedlich. Auch wenn sie aus dieser Bio-Weinwelt kommen, sind sie teilweise zertifiziert, teilweise nicht. Das ist ein Thema, das wird auch sehr diskutiert, ob das denn immer nötig ist? Weitgehend ist es wichtig - aber wie gesagt, deswegen habe ich sie so ausgewählt."

Zur Person: Dagmar Ehrlich

Dagmar Ehrlich | Bild: Zieher KG

Dagmar Ehrlich - Diplom-Ingenieurin für Weinbau und Önologie, Sommelière, Wein-Publizistin und Buchautorin.

Dagmar Ehrlich ist Diplom-Ingenieurin für Weinbau und Önologie, ausgebildete Sommelière und Buchautorin. Sie hat an der Weinuniversität von Geisenheim studiert und u.a. auch als Wein-Publizistin für "Der Feinschmecker", den SPIEGEL oder das Handelsblatt geschrieben und Weinkolumnen verfasst. Bekannt war auch ihre jährliche Liste der "100 besten verfügbaren Weine der Welt" im Feinschmecker. Dagmar Ehrlich lebt in Büsum.

Fragen an Wein-Expertin Dagmar Ehrlich:

Sollte man bei der Verkostung zwischendurch Weißbrot essen - zum Neutralisieren?

Dazu meint Dagmar Ehrlich: "Nicht immer, weil Weißbrot oder Brot leicht einspeichelt, um es mal zu konkretisieren. Du hast dann letztendlich ein bisschen Zuckerstoffe im Mund. Das ist leicht süßlich, wenn du das Brot isst. Aber man kann bei großen Rotweinproben auch Brot essen und in ein neutrales Olivenöl tunken, weil dann das Fett logischerweise ein bisschen dafür sorgt, dass nicht gleich alles in die Blutbahn übergeht. Stilles Wasser oder Leitungswasser ist auch gut für Zwischendurch."

Wo sollte man Wein kaufen - nur beim Winzer oder klappt das auch im Supermarkt?

Dagmar Ehrlichs Standpunkt: "Ich denke, in einem gut sortierten Supermarkt, da ist der Eigentümer letztendlich auch eigenbestimmt bei der Zusammenstellung des Programms. Da gibt es inzwischen ganz tolle Angebote Aber ein Weingut hat immer das Erlebnispotenzial. Man lernt den Winzer, den Macher, den Kreator am Ort des Entstehens kennen und hat einen ganz anderen Zugang zu dem Wein, wenn man auch die Geschichten drum herum hört. Dafür hat im Supermarkt niemand die Zeit und auch nicht den Raum.

Ob Bio oder konventionell - wer eine gute Traube liest, muss im Keller eigentlich nichts mehr hinzufügen. Stimmt das?

Wein-Expertin Ehrlich klar und knapp: "Ja, ich würde das unterschreiben, weil letztendlich aus Top-Trauben auch Top-Weine werden und man im Keller nicht mehr sehr viel machen muss."

Was muss ein guter Biowein mindestens kosten, damit man auch gute Qualität bekommt?

Dagmar Ehrlich meint dazu: "Ich nenne jetzt mal Müller-Thurgau, der in Mengen produziert wird. Im Weinberg kriegt man eine viel bessere Qualität, und man kann sie auch für relativ günstiges Geld auf die Flasche bringen. Deswegen haben wir in Deutschland bei den Weingütern, auch eben bei den Bio-Weingütern, immer wieder Weine in der Liter-Flasche. Wirklich mal probieren, den Mut haben und nicht sagen, das ist irgendwie Massenwein oder so was. Das kann durchaus für sechs, sieben Euro ein Liter Wein sein, der richtig lecker schmeckt. Aber ich würde sagen, in der 0,75erFlasche, sollten es doch so sieben, acht Euro sein. Da steckt schon sehr viel Arbeit drin.

Ist es ein Fehler, immer den gleichen Wein zu trinken?

Genuss-Expertin Ehrlich: "Ich würde sagen: Mit Freunden zusammen, ganz entspannt und lustig drauf losprobieren. Das schmeckt mir oder schmeckt mir nicht. Das ist die Antwort, die ich von Weintrinkern immer wieder gerne höre. Das schmeckt mir oder schmeckt mir nicht! Wunderbar. So soll es sein."

Die Kandidaten unserer Verkostung:

2014 Pinot brut, Sekt

Weingut Landgraf
Außerhalb 9
55291 Saulheim
Region: Rheinhessen
https://www.weingut-landgraf.de
Preis: 15 €
Zertifizierung: bio-zertifiziert Ökolandbau

Dagmar Ehrlichs Meinung:

Das Besondere ist die Frische bei diesem 2014er Pinot Brut. Das ist unfassbar: Als ich ihn kennenlernte, in diesem Sommer, war ich so hin und weg. 2014 ist als Jahrgang ein bisschen verschrien, letztendlich auch bis zum Rotwein, weil relativ hohe Säure vorhanden ist. Aber die haben hier richtig gut gearbeitet und richtig spannende Weine auf die Flasche gebracht und in dem Falle eben einen Pinot Brut. Andre Landgraf, der ist auch Önologe und zusammen mit seiner Frau Katrin betreibt er dieses Weingut. 2012 haben sie so langsam umgestellt auf Biowein und was sie tun, ist sehr, sehr überzeugend. Das ist einfach die Arbeit im Weinberg, und dass sie das an Traubenqualität rausholen, was wir jetzt letztendlich im Glas haben.  

Dieser Sekt kommt aus der Hölle, aus einer Lage die "Saulheimer Hölle" heißt. Eine  nach Süden ausgerichtete Hanglage, also von der Sonne komplett verwöhnt. Und das Wichtige ist der Kalk im Unterboden. Kalk ist etwas, was der Pinot - also alle Burgundersorten - eigentlich ganz toll finden. Und das prägt auch diesen Wein.

Er ist frisch, hat eine volle Frucht und was ihn ganz besonders macht, dass er 78 Monate auf der Hefe gelegen hat. Das bedeutet, wir haben hier einen traditionell vergorenen Sekt, nach der Champagner-Methode bereitet. Vorgeschrieben sind in Deutschland nur neun Monate, um traditionelle Flaschengärung draufschreiben zu dürfen. Alle Top-Produzenten, die super Sekt in Deutschland herstellen, haben Minimum 36 Monate. Hier haben wir über die Hälfte noch mal drauf. Das ist fantastisch, denn das bedeutet, mit der Zeit wird der Sekt immer vollmundiger, runder. Sie kriegen dann so leichte Brioche-Noten.

2021 Sauvignon blanc trocken

Weinschmiede Dirk Wendel
Zellertalstraße 48
67551 Worms-Pfeddersheim
Region: Rheinhessen
https://weingut-wendel.de
Preis: 7 €
Zertifizierung: bio-zertifiziert Ökolandbau
Ecowinner 2022

Dagmar Ehrlichs Meinung:

Dirk Wendel ist der Papa und langsam übernimmt jetzt der junge Winzer. Da findet der typische Generationenwechsel statt, aber Vater und Mama Wendel sind so was von entzückend. Das ist so ein mediterranes Weingut, und so sind sie auch. Offen, fröhlich und herzallerliebst. Das finde ich in diesem Wein wieder, so ein zauberhaftes Bukett, einfach toll.

Der kommt sehr fruchtig rüber, dieser Sauvignon blanc. Dadurch, dass er diese Aromen, diese reichen warmen Aromen auch überbringt, nicht nur Früchte, sondern eben auch reife Früchte. Und das ist etwas, was sich natürlich dann am Gaumen widerspiegelt. Ich kenne nun auch viele, die gerne ein bisschen süßer trinken. Aber bei so einem Wein - deswegen habe ich ihn auch ausgewählt - werden die auch komplett glücklich.

Dirk Wendel wollte den Sauvignon blanc unbedingt pflanzen - er war einer der ersten in Rheinhessen - weil er diese Traube so toll fand. Und der passt natürlich gut zu Raclette, diesem würzigen Käse, mit dieser Aromenvielfalt. Und die Frische kommt dann auch ein bisschen durch. Auch die Säure hilft ja dann ein klein wenig beim Verdauen. Von daher passt das wunderbar - oder eben auch zu Fischgerichten.

2020 Wiesenbronn Blaufränkisch, trocken, Ortswein

Weingut Roth
Büttnergasse 11
97355 Wiesenbronn
Region: Franken
www.weingut-roth.de
Preis: 10 €
Zertifizierung: Naturland

Dagmar Ehrlichs Meinung:

Blaufränkisch ist Lemberger und deswegen auch bei uns bekannt. Er wächst vor allem im Burgenland, aufgrund des pannonischen Klimas besonders gut in Österreich. Das Weingut Roth ist ein besonderes Weingut, absolut unglaublich in diesem Bereich. Im ökologischen arbeitend, sind sie Pioniere. Gerhard Roth hat sich 1974 schon entschieden, ökologisch anzubauen, als noch kein Mensch dran gedacht hat. Der Papa von Gerhard Roth, hat schon 1946 den ersten Rotwein in der Region angebaut, weil er ahnte, dass das eine ganz tolle Gegend dafür ist, dass die klimatischen Voraussetzungen so besonders sind. Und er hat Gespür bewiesen. Es ist wirklich wie so eine Rotweininsel in Franken.

Da ist diese Beerigkeit dieses Weins. Du hast Frische und Beerigkeit, im ersten Moment, sofort in der Nase. Aber er hat auch diese Würze, und das macht den Blaufränkisch aus. Ich glaube, das gefällt dem Alexander auch besonders gut. Die würzige Beerigkeit vom Blaufränkisch. Den kann ich mir gut zu Rouladen und solchen Gerichten vorstellen, weil er frisch und kräftig ist und das fängt die Schwere so ein bisschen auf.

Die Roten sollen heutzutage nicht mehr so monströs schwer sein. Es gab mal Zeiten, da haben die fast am Gaumen festgeklebt. Du hattest das Gefühl, du musst sie beißen, musst sie crashen mit den Zähnen und das ist etwas, was ich nie mochte. Vor allen Dingen waren sie teilweise mit Holz zugepackt, dass du hinterher so einen trockenen Mund hattest. Und dieser Blaufränkische, diese Stilistik gefällt mir deswegen, weil sie super kompatibel mit verschiedenen Speisen ist. Du kannst mit ihm spielen, weil er Frische hat. Einerseits, andererseits auch Aromen. Und dann eben auch diesen fein eleganten Schmelz. Ein eleganter Rotwein, der sich auch durchaus im Glas noch verbessern kann. Aber das Schöne ist, und das kann ich auch als Tipp weitergeben, lieber im Restaurant sich den Rotwein gekühlter einschenken lassen und langsam die Entwicklung im Glas erleben.

2020 Spätburgunder Heerweg, QbA trocken

AdamsWein
Altegasse 28
D-55218 Ingelheim
Region: Rheinhessen
https://www.adamswein.de
Preis: 22 €

Dagmar Ehrlichs Meinung:

Jetzt kommt noch ein Paukenschlag. Das ist ein Spätburgunder oder Pinot Noir, wie er in Frankreich heißt. Wir haben in Deutschland zwar durch den Klimawandel immer mehr französische Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, aber was Pinot Noir anbetrifft, da sind wir schon lange in unserem Rotwein-Sektor die besten, weil sie die elegantesten sind. Ingelheim ist das Besondere daran. Der Boden, die Lage. Ingelheim war weltberühmt und ist leider durch Kunstdünger und die Agrarchemie, jetzt bringen wir es mal ganz brutal auf den Punkt, wirklich kaputtgemacht worden. Die haben der Reputation dieser wunderbaren Lagen dermaßen geschadet, weil nur noch mittelmäßige bis schlechte Weine produziert wurden.

Simone Adams, selbst promovierte Önologin aus Geisenheim, bringt jetzt diese wunderbaren Lagen mit ihren Weinen wieder ins Rampenlicht. Und ich finde, das macht sie ganz großartig. Sie ist jetzt eine überzeugte Bio-Winzerin geworden, obwohl sie eine ehemals überzeugte Naturwissenschaftlerin war. Sie arbeitet schon lange biodynamisch, pflegt den regenerativen Weinbau, der eben darauf achtet, dass alles wirklich absolut im Einklang mit der Natur passiert. Diese Lage "Heerweg" liegt am Mainzer Berg und ist eine nach Westen ausgerichtete Lage, die immer charmante, eher warme und etwas früher zugängliche Spätburgunder hervorbringt.

Sie vergärt mit Stiel und Stängel. Das heißt, normalerweise werden die Trauben von den Stielen und Stängeln getrennt und dann vergoren und sie lässt das mitvergären. Damit kriegst du viel mehr Tannin und Gerbstoffe rein. Das heißt auch, dieser Wein braucht einfach mehr Zeit. Er ist auch komplexer, weil die Weine dadurch auch deutlich weniger Schwefel brauchen. In der jungen Winzerszene wird es immer mehr umgesetzt. Und es ist sehr spannend. Es ist eigentlich eine Rückbesinnung auf das, was die Großväter und Urgroßväter gemacht haben. Es gibt ja einige Winzer, die versuchen, komplett ohne Schwefel auszubauen, mit mittelfristigen guten Erfolgen. Ich bin zum Beispiel auch jemanden, der empfindlich ist gegenüber Schwefel. Wenn die Weine zu geschwefelt sind, kriege ich immer ein bisschen Kopfschmerzen. Schon beim Trinken, nicht erst hinterher. Letztendlich umklammert der Schwefel auch die Frucht und schwefelfreie Weine entwickeln sich auch anders.

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