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Serie // "Sex Education" "Sex Education" ist der beste Aufklärungsunterricht

Früher gings in Teenie-Komödien nur darum, endlich die Jungfräulichkeit loszuwerden. In Netflix' wunderbarer Comedy-Serie "Sex Education" therapiert der unerfahrene Otis seine Mitschüler. Davon können wir alle noch was lernen.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 16.01.2019 | Archiv

Szene aus der Netflix-Serie "Sex Education" | Bild: Sam Taylor/Netflix

Diese Serie gehört auf eure Watchlist, wenn... ihr bei Sex-Fragen lieber die Cartoon-Serie "Big Mouth" als eure Eltern konsultiert, mit den beiden tragischen Figuren aus "The End Of The Fucking World" gelacht und geweint habt und die Youtube-Serie "DRUCK" schätzt, weil sie sagt, wie es ist.

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Otis Mutter (Gillian Anderson) ist Sex-Therapeutin.

Otis ist 16 und er hat ein riesiges Problem. Seine Mutter (gespielt von einer ungewohnt witzigen Gillian Anderson) ist Sex-Therapeutin und er hat eine Masturbationsphobie. Und das liegt nicht etwa daran, dass das ganze Haus von oben bis unten mit Penis-Figuren und Kamasutra-Bildern dekoriert ist und seine Mutter mit Sexproblemen ihr Geld verdient. Damit hat Otis (Asa Butterfield) kein Problem und auch nicht damit, sexuelle Angelegenheiten mit der Abgebrühtheit eines Oberarztes zu analysieren. Das merkt auch seine Mitschülerin Maeve (Emma Mackey), eine coole Außenseiterin mit zweifelhaftem Ruf. Sie ist chronisch blank und hat eine Idee: Sextherapie auf dem Schulhof, gegen Taschengeld.

Kommunikation ist sexy

In "Sex Education" wird das klassische Teen-Komödien-Konzept auf den Kopf gestellt: Statt mit allen Mitteln seiner Jungfräulichkeit ein Ende bereiten zu wollen, ist Otis damit beschäftigt, seiner Angst vor Sex und den Problemen seiner Mitschüler auf den Grund zu gehen. Und davon gibt es so viele wie es Schüler an der Moordale Secondary School gibt: Intime Bilder gehen rum, ein Mädchen weiß nicht, was sie erregt, ein Junge faked seinen Orgasmus und ein anderer ist verzweifelt verliebt. Das klingt alles furchtbar dramatisch und das ist es auch, aber Otis einfühlsame Therapie zeigt, dass reden hilft. Meist sitzt das Problem nämlich nicht in der Hose - sondern im Kopf. So wie bei Adam, der Sohn des Schulleiters, dem in der Hirngegend fehlt, was er untenrum extra hat.

Otis (Asa Butterfield) und sein bester Freund Eric (Ncuti Gatwa)

Adam ist ein Klischee, das genau so auch in fast jedem amerikanischen Teen-Film vorkommt: der hohle, gut bestückte Schläger mit dem Geheimnis. Von diesen Stereotypen gibt es anfangs viele: den super beliebten Sportstar und das sexbesessene Nerd-Mädchen zum Beispiel. Aber bis auf Adam entwickeln sich in den acht Folgen alle zu runden, liebenswerten Persönlichkeiten, ohne dass die Serie dadurch an Witz verliert. "Sex Education" führt uns eine Welt vor, die besser ist als die Realität. Mit unerwarteten Geschichten, einem diversen Cast, interessanten Frauenfiguren und komplexen Männern aller Hautfarben und sexueller Orientierungen.

Zielgruppenoptimiert aber richtig gut

"Sex Education" ist der Netflix-Instagram-Account in Serienform. Die Serie ist witzig, selbstreferenziell, mit einem ausgeprägten Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit und perfekt vermarktbar. Der Look der Serie ist entsprechend retro, aber uneindeutig - ein bisschen 70er, ein bisschen 90ies, vom Setting her britisch und im Herzen eine amerikanische High-School-Serie. Passenderweise liefert den exzellenten Soundtrack der auch aus der Zeit gefallen wirkende Ezra Furman, der mit seiner Band auf dem Abschlussball sogar einen Auftritt hat. Trotz dieser offensichtlichen Künstlichkeit hat die Serie aber etwas so Echtes und Aufrichtiges, dass sich meine innere 16-Jährige acht Folgen lang richtig gut gefühlt hat. "Sex Education” ist jetzt schon eine der besten Serien des ganzen Jahres.

"Sex Education" könnt ihr bei Netflix streamen.

Sendung: Hochfahren, 16.01.2019 - ab 7 Uhr