TV & Serie // "DRUCK" Wie echte Freunde, nur auf dem Bildschirm

Die Webserie SKAM aus Norwegen hat Serienerzählen im Netz neuerfunden, Fans auf der ganzen Welt begeistert und Zuschauerrekorde aufgestellt. Die deutsche Neuauflage DRUCK will jetzt das gleiche versuchen und begleitet eine Clique.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 09.04.2018 | Archiv

Die Besetzung von DRUCK | Bild: ZDF und Gordon Muehle

Hanna, Mia, Kiki, Amira und Sam: Das sind meine neuen Freunde bei Instagram. Sie gehen in die elfte Klasse des Barnim-Gymnasiums in Berlin und ich bin dabei, so wie früher, kurz vor dem Abitur. Ich lese ihre Nachrichten, like ihre Posts auf Instagram, gucke ihnen beim Leben zu und sitze mit ihnen zusammen im Spanischunterricht. Ein bisschen wie ein Stalker. Aber mit ausdrücklicher Einladung: Denn das hier ist DRUCK, eine neue, transmediale Webserie vom ZDF.

Wenn Realität und Serienwelt eins werden

Konzept und Story übernimmt DRUCK von der ultraerfolgreichen Teenserie SKAM aus Norwegen: Zum Serienende schauten durchschnittlich eine Million Zuschauer in Skandinavien zu – plus unzählige Fans auf der ganzen Welt. Das Geheimnis hinter dem Erfolg? SKAM ließ gekonnt die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Serienwelt verfließen, indem die Zuschauer immer mit dabei sein konnten, wenn etwas passierte: Neue Clips, Posts und Chatverläufe erschienen unregelmäßig zu jeder Zeit online, so dass die Fans quasi in Echtzeit mit dabei waren, wenn die Serienfiguren etwas erlebten – wie in der Realität. Diese plattformübergreifende Erzählweise, die wir von Berlin Tag und Nacht oder Iam.Serafina kennen, verleitet uns dazu, besonders enge Beziehungen zu den Seriencharakteren aufzubauen.

Gibt's einen Vorfall in der Kantine, wird der Clip mittags gezeigt, eine Partyszene folglich in der Nacht, Frühstück – logischerweise – am frühen Morgen. Am Ende der Woche folgt eine erweiterte Zusammenfassung der Clips als 10-15 Minuten lange Episode. Das erzeugt ein hohes Suchtpotenzial, auch für Leute, die die Schulzeit längst hinter sich gelassen haben. Eigentlich an 15-19-Jährige gerichtet, waren in Norwegen knapp zwei Drittel der Zuschauer tatsächlich zwischen 20 und 40 Jahre alt. Auch Pola Beck, eine der Macherinnen von DRUCK, gehört dazu. "Da sind so viele Dinge, die einen betreffen, auch wenn man älter ist. Zwischenmenschliche Sachen, die da ausgetragen werden – Liebe, Eifersucht, Freundschaft, Konflikte – sind so universell und so präzise und genau erzählt. Das hat mich einfach total fasziniert."

Kiffen geht in Norwegen gar nicht

DRUCK ist überraschend unpeinlich. Die Dialoge sind glaubwürdig – weil die jungen Laiendarsteller am Skript mitgewirkt haben und auch bei der Social-Media-Begleitung Input geben. Die Produktion ist im Vergleich zu normalen Serien besonders anspruchsvoll: neben Regisseurin Pola Beck und Autor Alexander Lindh, sind auch die Social-Media-Redakteure am Dreh beteiligt, weil gleichzeitig alle Kanäle bespielt werden müssen. Nur so entsteht später ein zusammenhängendes medienübergreifendes Serienuniversum.

Es geht um Drogen, Sex,  Diskriminierung und Freundschaft – ohne zu verniedlichen oder zu skandalisieren. Ans Drehbuch der Vorlage halten sich Beck und Lindh aber nicht sklavisch. Was der eingeschworenen SKAM-Community natürlich auffällt. Seit dem Start der Serie werden alle Unterschiede auf tumblr diskutiert: Die meisten davon sind kulturell bedingt. Denn nicht alle Handlungsstränge lassen sich 1:1 von Norwegen auf Deutschland übertragen, sagt Regisseurin Pola Beck: "Kiffen ist zum Beispiel hier in Deutschland nichts Besonderes – die Jugendlichen haben Zugang dazu. In Norwegen ist das ein Riesending, dass der Freund der Hauptfigur anfängt zu kiffen. Es wäre lächerlich hier in Deutschland zu erzählen: Oh Gott mein Freund kifft! Da würden die sagen, was mit euch los, ist das jetzt eine pädagogische Maßnahme?"

Wenn die Serie weiter dem Original SKAM folgt, wird DRUCK echte, relevante Geschichten erzählen, die Menschen verbinden – über Geo-Blocking-Grenzen und Sprachbarrieren hinweg. Erste Fancommunities übersetzen jetzt schon alle Folgen auf Englisch und verbreiten sie illegal über tumblr. SKAM mauserte sich innerhalb von vier Staffeln zu einem staatlich ausgezeichneten, weltweiten Kulturbotschafter für Norwegen – mit Millionen Fans von Brasilien bis in die Mongolei, die norwegische Bräuche und Floskeln lernen, mit ihren Lieblingsfiguren leiden und die Handlung der Serie diskutieren wie Weltpolitik.

Und auch wenn DRUCK sicher kein globales Phänomen wie die Serien-Mutter SKAM wird: Sie wird hoffentlich deutsche Serienmacher zu neuen, ähnlich originellen Formaten inspirieren.

"DRUCK" könnt ihr bei Youtube sehen. Clips erscheinen unter der Woche in unregelmäßigen Abständen, am Ende der Woche folgt eine erweiterte Zusammenfassung.

Sendung: Filter vom 10.04.2018 – ab 15.00 Uhr.