Serie // "The Terror: Infamy” Wenn der schlimmste Horror längst Realität ist

Genau wie "Chernobyl" und "When They See Us" kommentiert die zweite Staffel der Horror-Anthologieserie die aktuelle Weltpolitik vor geschichtlicher Kulisse - und das macht "The Terror: Infamy" gruseliger als ihre Monster.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 20.08.2019 | Archiv

Die Familie Nakayama wird in ein Internierungslager gebracht in einer Szene aus der Amazon-Serie "The Terror: Infamy" | Bild: © 2019 AMC Film Holdings LLC. All Rights Reserved.

Diese Serie gehört auf eure Watchlist, wenn... ihr Serien wie "Chernobyl" schätzt, die unterhalten und trotzdem lehrreich sind, euch das kalte Grauen der ersten Staffel von "The Terror" fasziniert hat und euch speziell amerikanische Geschichten wie "American Horror Story" gruseln.

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Ein dunkles Kapitel in der amerikanischen Geschichte beginnt im Dezember 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg. Gerade haben die Japaner die USA mit einem Angriff auf Pearl Harbor überrascht. Wie über Nacht werden amerikanische Bürger japanischer Herkunft zu Feinden im eigenen Land. Der damalige Präsident Franklin D. Roosevelt will es so - die USA befinden sich im Krieg mit Japan: Provisorische Lager werden errichtet, knapp 120.000 japanisch-stämmige Menschen abtransportiert und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs interniert.

Soweit steht es in den Geschichtsbüchern und so viel solltet ihr wissen, bevor ihr die neue Staffel der Anthologieserie "The Terror" startet. "Infamy" - der Titel der zweiten Staffel, bezieht sich auf die Rede, die Präsident Roosevelt nach dem Angriff auf Pearl Harbor gehalten hat, in der er vom Tag der Schande spricht. Aber die Schande, um die es in "The Terror" geht, laden sich die USA in den kommenden Jahren auf die eigenen Schultern.

In der ersten Staffel waren britische Seemänner auf der Suche nach der Nordwestpassage zwischen Hochmut und Einsamkeit im arktischen Eis festgekeilt. Diesmal gibt es gibt kein Entkommen vor Rassismus und Tradition. Weder für den aus Japan eingewanderten Fischer Henry Nakayama, der die traditionellen Werte seiner Heimat pflegt, noch seinen Sohn Chester (Derek Mio) oder seine unehelich schwangere Freundin Luz (Cristina Rodlo). Sie werden, wie all ihre Freunde und Nachbarn, in ein Internierungslager gebracht. Und das Unheil, das sie vorher hinter verschlossenen Türen zuhause heimsuchte, begleitet sie. Schon bald geschehen unheimliche Dinge. Die Alten sind sich sicher, dass ein Yūrei, ein rachsüchtiger Geist, sein Unwesen treibt. Und Chester lernt den Yūrei, der als wunderschöne, japanische Frau in Erscheinung tritt, in einem Bordell als Yuko kennen.

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The Terror: Infamy - Official Trailer | Bild: IGN (via YouTube)

The Terror: Infamy - Official Trailer

Statt sich auf eine Buchvorlage zu beziehen, wie in der ersten Staffel von "The Terror", erzählt "The Terror: Infamy” ähnlich wie japanische Kaidan – das sind Gruselgeschichten mit einer Moral – vom Grauen der Vergangenheit. Dagegen verblasst der Gruselfaktor des ominösen Geistes, aber so zeigt uns die Serie sehr effektiv, wie sich die Geschichte gerade an der mexikanischen Grenze wiederholt. Ist die Freundin von Chester Nakayama zufällig mexikanisch-stämmig? Sicher nicht. Sie wehrt sich in dem Kinderheim, in dem sie arbeitet, gegen die Inhaftierung von kleinen Kindern, die japanischer Herkunft sind. Im Wissen um die Lager an der amerikanischen Grenze zu Mexiko, wo Kinder von ihren Eltern getrennt und festgehalten werden, gehen diese realistischen Szenen mehr unter die Haut, als der Horror, den der Geist im Lager verbreitet.

Viele Leute, die an der Serie mitgewirkt haben, haben einen familiären Bezug zum Thema, was sich in vielen kleinen Details widerspiegelt. Zu der hauptsächlich japanisch-stämmigen Besetzung gehört zum Beispiel der Menschenrechts-Aktivist und "Raumschiff Enterprise"-Darsteller George Takei. Er hat seine Kindheit selbst in Internierungslagern verbracht und die Serienmacher Alexander Woo und Max Borenstein beraten.

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George Takei Was Sent to a Japanese-American Internment Camp at Age Five | Bild: Late Night with Seth Meyers (via YouTube)

George Takei Was Sent to a Japanese-American Internment Camp at Age Five

Wie schon "Chernobyl" und "When They See Us" zeigt auch "The Terror: Infamy", dass der schlimmste Horror schon längst Realität ist. Und das ist absolut sehenswert, gerade wenn Gruselserien eigentlich nicht so euer Ding sind.

Ab dem 19.08.2019 wird wöchentlich eine neue Folge von "The Terror: Infamy" bei Amazon Prime Video veröffentlicht.

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Sendung: Hochfahren vom 21.08.2019 - ab 9 Uhr