Portrait einer jungen Frau mit rotem Haar und Nasenpiercings.
Bildrechte: Luisenburg Festspiele / Rachel Fichtner

2024 erstmals auf der Luisenburg im Musical Jesus Christ Superstar zu erleben: "AMY".

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Premiere auf der Luisenburg: Trans-Frau als König Herodes

Im Musical "Jesus Christ Superstar" auf der Luisenburg verkörpert eine Künstlerin namens "AMY" den König Herodes. Die 28-Jährige habe beim Casting sofort überzeugt, sagt die Intendantin. Künftig will "AMY" allerdings keine Männerrollen mehr annehmen.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

König Herodes ist eine Frau – zumindest im Musical "Jesus Christ Superstar" bei den Luisenburg Festspielen in Wunsiedel. Die Künstlerin, die sich "AMY" nennt, kam als Junge auf die Welt und geht seit wenigen Jahren als Frau ihren Weg. Sie ist die derzeit wohl einzige Trans-Musicaldarstellerin im deutschsprachigen Raum. Auf der Bühne in Wunsiedel möchte sie Vorreiterin für andere Trans-Künstler sein.

Mit dem Outing kam ein neuer Name

"AMY" kam vor 28 Jahren als Junge zur Welt. Schon bald spürte dieser Junge, dass er eigentlich ein Mädchen ist. Dieses Gefühl verfolgte ihn bis ins Schauspielstudium hinein. Mit 26 Jahren traf er dann die Entscheidung, endlich als Frau zu leben.

"Dann kam das Outing im Freundeskreis und im Familienkreis", erzählt "AMY". "Alle waren total herzlich und lieb." Ihre Eltern seien überhaupt nicht überrascht gewesen, blickt die Musical-Darstellerin zurück. Sie hätten auch ihren neuen Namen "AMY" ausgesucht.

Keine männlichen Rollen mehr

Männliche Rollen nimmt "AMY" mittlerweile nicht mehr an. Das liegt auch daran, dass ihr Körper durch eine Östrogen-Ersatztherapie schon viel weiblicher geworden ist. "Irgendwann ist so ein Punkt erreicht, wo ich nicht mehr im schicken Abendanzug auf der Bühne stehen kann für männliche Rollen", meint "AMY". Dazu komme, dass sie nun auch keine männlichen Rollen mehr verkörpern möchte.

"Das ist genau die Herodes, die wir haben wollen." Birgit Simmler, Intendantin

Auf der Luisenburg wird "AMY" nicht als Exotin wahrgenommen, sondern wegen ihres Talents und ihrer verbindlichen, sympathischen Art geschätzt. Regisseurin Birgit Simmler schwärmt von ihrem Auftritt beim Casting: "Nach acht Takten war klar: Sie ist es. Das kann nur über sie laufen. Hätten wir natürlich auch anders besetzen können, hätte natürlich auch männlich besetzt werden können statt weiblich. Aber das ist genau die Herodes, die wir haben wollen."

Amys Träume haben sich mit der Zeit verändert: Nachdem sie bereits als "Grimm", Conférencier im Musical "Cabaret"oder Frank N. Furter, ein travestiter Charakter aus The Rocky Horror Show, auf unterschiedlichen Bühnen stand, möchte sie nun sehr gerne einmal Lady Macbeth spielen.

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