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Die Akte GBW - ein bayerischer Wirtschaftskrimi Eine unbekannte Vorgeschichte

Ein undurchdringliches Firmengeflecht bietet den GBW-Investoren nicht nur Steuervorteile, sondern auch Anonymität. Doch ebenso interessant ist die Frage: Wer hat die GBW nicht gekauft - und warum?

Von: Claudia Gürkov, Maximilian Burkhart und Wolfgang Kerler

Stand: 12.10.2016 | Archiv

Symbolbild: Das Muster eines Netzwerkes und das Logo der GBW | Bild: BR, picture-alliance/dpa, Montage: BR

Bisher wurde das GBW-Drama immer so erzählt: Die Bayern LB verzockt sich in den USA und übernimmt sich mit dem Kauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria.

Der Zusammenbruch droht, er wird durch eine Zehn-Milliarden-Euro-Finanzspritze von Bayern und dem Bund verhindert.

Die EU-Kommission sagt, das gehe nicht, und bringt ein Beihilfeverfahren auf den Weg. Mit einem Kompromiss wird es eingestellt. Die Bayern LB soll bis 2019 ihre Schulden an den Freistaat zurückzahlen und ihre Bilanz halbieren.

Also muss die Immobilientochter GBW weg. Aber so einfach ist es nicht.

"Nie den Wunsch gehabt, das zu verkaufen"

Glaubt man der Staatsregierung, hat die EU-Kommission vorgeschrieben, was genau die Landesbank verkaufen müsse - auch die GBW. Bayerns Finanzminister Markus Söder sagt im Januar 2012: "Wir haben an der Stelle nie den Wunsch gehabt, das zu verkaufen." Die EU-Kommission dementiert Ende 2013, den GBW-Verkauf vorgegeben zu haben.

Dual Track

Zudem erzählen ehemalige GBW-Mitarbeiter, die anonym bleiben wollen, Brisantes: Die BayernLB habe 2008 schon einmal versucht, die GBW zu verkaufen, also vor Auflagen der EU.

"Das war 2008 ein so genannter Dual Track. Da hat die Bayern LB geplant, ihre Anteile zu verkaufen. Es ging um zwei Dinge gleichzeitig: Entweder einen Börsengang mit vielen kleinen Aktionären oder einen Investor finden, der das Gesamtpaket kauft. Und weil das erste nicht funktioniert hat, hat man eigentlich immer diesen großen Investor gesucht. Bei diesem ersten Verkaufsverfahren war klar, wer interessiert ist und wer bietet. Es waren viele ausländische Interessenten dabei. Ich kann mich vor allem an Cerberus und Blackstone erinnern. Und natürlich die Patrizia. Darauf haben wir das ganze Jahr hin gearbeitet. Daran kann ich mich deshalb so gut erinnern, weil es eine Urlaubssperre über die Sommerferien gab, das kam nicht gut an. Stichtag für den Verkauf war Mitte September."

Ein ehemaliger GBW-Manager

Ude geschockt

Für Münchens damaligen OB Christian Ude ist das ein Schock. 2008 war er noch Präsident des Deutschen Städtetags. In beiden Ämtern hat er nach eigenen Angaben davon nie gehört. Der Verkaufsversuch 2008 scheiterte, aber wohl nicht nur an der Bankenkrise und den Problemen der Bayern LB.

Die ehemaligen GBW-Mitarbeiter berichten: Die GBW hatte gerade erst kleinere Gesellschaften geschluckt und war noch nicht attraktiv genug für etwaige Käufer. Die Bayern LB brach den Verkaufsversuch ab. Die Bieter wird das nicht gefreut haben, denn die Teilnahme an einem solchen Verfahren kann Millionen Euro kosten.

Geheimes Bieterverfahren

Drohte die Patrizia der Bayern LB deshalb womöglich mit rechtlichen Schritten? Und wurde ihr Entgegenkommen signalisiert? Wir wissen es nicht, denn niemand äußert sich dazu: nicht die Patrizia, nicht die Landesbank, nicht das Finanzministerium, nicht die Staatskanzlei. Alle Anfragen zu einem Verkaufsverfahren 2008 bleiben unbeantwortet.

Von Herbst 2008 bis Ende 2011 wird die GBW für einen Verkauf fit gemacht. Spätestens im April 2012 wissen alle betroffenen GBW-Mitarbeiter, dass die Bayern LB ihre Aktien an der GBW AG in einem Bieterverfahren verkaufen wollte. Damals mussten sie eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschreiben, die BR Recherche vorliegt:

"Die Verpflichtung zur Geheimhaltung umfasst auch sämtliche Informationen, die sich auf die an der Transaktion beteiligten Bieter und auf die Tatsache ihrer Teilnahme an der Transaktion beziehen."

Geheimhaltungsvereinbarung GBW

Doppeltes Spiel mit den Kommunen?

Brisant ist, dass von Bietern die Rede ist, denn im April 2012 wird zumindest offiziell noch mit den Kommunen über eine exklusive Übernahme verhandelt.

Finanzminister Söder selbst hatte damals unter anderem die Sparkassen als Partner der Städte ins Spiel gebracht. Von anderen Bietern oder Investoren aus der Privatwirtschaft war keine Rede. Alt-OB Christian Ude ist erstaunt:

"Es zeigt einfach, dass man versucht hat, Hürden aufzubauen, damit eine kommunale Lösung nicht zu Stande kommt."

Münchens Ex-OB Ude

Den Kommunen wurden bei ihrem Versuch, die GBW-Wohnungen zu kaufen, nach BR-Recherchen immer wieder massiv Steine in den Weg gelegt.


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