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Bloß nicht verrückt machen! Tipps gegen Prüfungsstress

Die Klausurphase bedeutet nicht selten Lernstress, Prüfungsdruck und Paranoia, den Berg an Lernstoff nicht zu schaffen. Was zählt sind Nerven aus Stahl und – der richtige Plan.

Von: Christoph Wittmann

Stand: 16.01.2019

Kapitel 1: Vorbereitung und Organisation

Eine Binsenweisheit, aber leider sehr richtig: Rechtzeitig anfangen! Sagt sich immer so leicht, ist aber gar nicht so einfach. Um reinzukommen empfiehlt sich, sich erst mal ganz grundsätzliche Gedanken zu machen. Welche Prüfung ist wichtig, bei welcher Klausur geht es um was? Muss ich nur irgendwie bestehen und es heißt: Hauptsache durchkommen, egal wie? Oder geht es um eine Top-Note, vielleicht sogar um den großen Abschluss? Motivationstrick: Sich das Ziel klar visualisieren und sich immer wieder belohnen. Ein bisschen für kleine Lernerfolge, fett nach der letzten Prüfung.

Teile und (be-)herrsche – verschaffe dir einen Überblick

Als nächstes geht es darum, sich einen Überblick über Stoffmenge und Zeitbudget zu verschaffen und die restlichen Wochen bzw. Tage in sinnvolle und vor allem realistische Zeiteinheiten einzuteilen. Sich zu viel zuzumuten und jeden Tag zehn Lern-Stunden einzuplanen, führt nur dazu, dass man dem eigenen Programm hinterher hechelt. Das frustriert. Bei der Einteilung ist es hilfreich, seinen Leistungstyp zu kennen. Die einen können vormittags, andere abends fokussierter lernen. So entsteht dank Lernplan ein strukturierter Alltag mit festen Lernritualen.

"Das mit dem Lernplan ist so eine Sache. Zum einen hab ich fünf Klausuren innerhalb von zwei Wochen. Da muss ich parallel lernen, auch wenn ich das in der Regel vermeide. Und zum anderen läuft ja bis 5 Tage vor der ersten Prüfung noch die Vorlesung, also es kommt laufend Stoff dazu."

Sophia Friedrich, BWL, 1.Semester

Kapitel 2: Tricks gegen die Stofflawine

Allein die schiere Masse an Stoff scheint einen zu überrollen? Um die Materialschlacht zu beherrschen, sollte man auf jeden Fall eindampfen, also den Stoff auf das Wesentliche reduzieren und  zu identifizieren, wo sich die wichtigen Inhalte verstecken und was eher überflüssiger Ballast ist. Dafür am besten selbst zusammenfassen. Wenn du selbst etwas formulierst, servierst du es deinem gefräßigen Hirn in mundgerechten Stücken, als geschriebener Text oder auch als mindmap. Eine so genanntes Survival Summary passt auf nur eine DIN A4-Seite und dient mehr oder weniger als Erinnerungs-Anker und Drehkreuz zu weiteren, in deinem Gehirn schlummernden Aspekten des Prüfungsthemas. Besonders abstrakte Inhalte sollten mit persönlichen Erlebnissen oder Eselsbrücken verbunden werden, sozusagen als Merkhilfen und Blackout-Prophylaxe.

"Im ersten Semester ist es besonders schwierig, abzuschätzen, was wichtig ist und was nicht. In der Schule kannte man die Lehrer und hatte so ein Gefühl, was drankommen könnte. Aber an der Uni? Ich hab mit dem Professor noch kein Wort gesprochen, darum ist es echt ein bisschen Lotterie."

 Sophia Friedrich, BWL, 1.Semester

Dann geht es darum, dass das ganze Zeug auch im Schädel drinnen bleibt. Neben diversen Lernmethoden und -strategien

... helfen: Kleine Mini-Vorträge über bestimmte Themen oder Prüfungsfragen. Am besten laut. So spricht man beim Lernen mehrere Sinne an und wiederholt den Stoff automatisch.

Und: Viele Unis und Lehrstühle bieten Übungen und Tutorien als gezielte Vorbereitung auf die Prüfungen an.

Kapitel 3: Effiziente Lerngruppen

Lerngruppen können Himmel und Hölle sein, darum Augen auf bei der Partnerwahl, in dem Fall der Lernpartner. Man muss kein eingeschworener Freundeskreis sein, aber grundsätzlich sympathisch sollten sich die Mitglieder schon sein, schließlich verbringt man viel Zeit zusammen. Lerngruppen nützen doppelt, zum einen lernt man selbst am meisten, wenn man anderen etwas erklärt, zum anderen bekommt man offene Fragen so beantwortet, dass man sie vielleicht auch versteht. Und lernt neue Wege und Methoden kennen, um auf das gleiche Ergebnis zu kommen.

Für die träge Fraktion ist es gut, wenn sie durch Kommilitonen gepusht und angstachelt werden. Für die panisch Übereifrigen heilsam, wenn sie von den anderen immer wieder mal auf den Teppich geholt werden. Umgekehrt kann eine Lerngruppe mächtig nach hinten losgehen, wenn sich alle verrückt machen oder stundenlang über die gestrige Party oder den Audimax-Gossip tratschen, statt endlich die Aufgabe fertig zu rechnen, für die man selbst nur eine Viertelstunde gebraucht hätte.

Kapitel 4: Ruhig Blut am Prüfungstag

Um den Klausurtag einigermaßen entspannt anzugehen, ist die richtige Vorbereitung entscheidend. Details über den Prüfungsort und wie man stressfrei und pünktlich dorthin kommt, sollten idealerweise am Vortag gecheckt werden. Einpacken am besten auch schon am Vorabend. Gewohnte Rituale beruhigen und vermitteln dem Unterbewusstsein den Eindruck von schnöder Normalität. Aberglaube ist an diesem Tag ausnahmsweise mal erlaubt. Wer seinen Talisman mitnehmen möchte, nur zu. Könnte aber sein, dass ein 1,50 Meter großer Stoffelefant vom letzten Rummel-Besuch doch für mehr Aufmerksamkeit sorgt als einem am Klausurtag lieb ist.

Die kleinen Eichhörnchen unter den Studis, die während der Klausur was zum Snacken brauchen, sollten sich an Nüsse als Nervennahrung halten. Bananen oder andere Fruchtzucker-Bomben liefern schnelle Energie für die Synapsen und Glückshormone. Vor der Prüfung am besten nicht zu fettig und schwer essen. Der Körper ist die nächsten Stunden mit Denken beschäftigt, nicht mit Verdauen.

Sebastian Ziegler gibt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Uni Regensburg Tutorien zu BWL-Vorlesungen. Als Tutor ist er ein Prüfungs-Profi. Lernen auf Lücke - eine gute Idee? Auf diese Frage und mehr weiß er eine Antwort.


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