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Studieren fast ohne Geld Extremes Sparen als Lebensphilosophie der Frugalisten

Frugalisten sind Anhänger einer Bewegung aus Amerika, die dort auch unter dem Kürzel „FIRE“ bekannt ist - Financial Independence, Retire Early: finanzielle Unabhängigkeit durch extremes Sparen. Das Ersparte wird mittels Finanzinvestitionen geschickt vermehrt - bis zu einem Betrag, der ausreicht, um mit Mitte dreißig in Rente zu gehen. Der 20-Jährige Düsseldorfer Student Maximilian Alexander Koch lebt auch nach dieser Philosophie. Mit dem Sparen und Investieren sollte man seiner Meinung nach schon früh beginnen. Welche Geheimtipps fürs Sparen hat Maximilian?

Von: Anna-Louise Bath

Stand: 05.12.2018

Leben, um zu arbeiten? Oder Arbeiten, um zu leben? Wenn man Frugalisten diese Frage stellt, formulieren sie fast unisono ihr Ziel, nicht mehr erwerbstätig sein zu müssen. Und unabhängig vom Verdienst erfüllendere Tätigkeiten ausüben zu können.

Zahlreiche deutsche Websites, Blogs, Foren und Facebookgruppen zu dem Thema zeigen, dass die Bewegung auch in Deutschland über eine wachsende Community verfügt.

"Frugalist sein, geht auch schon als Student."

(Maximilian Alexander Koch (20), Psychologie-Erstsemester im Fernstudium)

Alexander meint, man könne gar nicht früh genug mit dem Sparen und Investieren beginnen. Denn durch bewussteren Konsum kann man auch schon jede Menge Geld beiseitelegen, selbst wenn man noch kein hohes Einkommen hat. Und davon Aktien kaufen, die sich voraussichtlich im Wert steigern. Wie zum Beispiel Anteile an einem weltweit führenden Cannabis-Produzenten. Alex hat auf sie gesetzt, weil die Pflanze jüngst in vielen Staaten der USA sowie in Kanada legalisiert wurde. Und recht behalten: der Wert seiner Aktien hat sich seitdem verdreifacht. 

Verzicht als Lebensphilosophie

Den Großteil seiner Kleidung kauft Alex gebraucht.

Vor Kurzem ist er von einer Weltreise zurückgekehrt. Der sparsame Lebensstil, den der Frugalismus vorgibt, hindert ihn nicht am Reisen, denn dabei spart er fast noch mehr als zu Hause. Nicht nur an der Miete. Denn wenn man die üblichen Tourismusfallen umgeht, ist das Leben in vielen Ländern vergleichsweise günstig.

Lebensqualität misst Alex anhand von Zeit, die man mit anderen Menschen verbringen kann, oder in der man sich selbst verwirklichen kann, z.B. durch Bildung oder kreative Tätigkeiten. Alex schreibt gerne. Nicht nur Artikel mit Finanztipps, sondern auch Romane.

"Man braucht Essen, man braucht Unterkunft, Freunde, sozialen Umgang, vielleicht das Kennenlernen von neuen Menschen. Und eventuell natürlich noch Kleidung, damit das einem vielleicht ein bisschen leichter fällt. Aber abgesehen davon kann man auf das Meiste verzichten."

(Alex)

Alex' monatliche Kosten neben Miete und Lebensmitteln.

Er ist stets bemüht, nur das Nötigste an Gebrauchsgegenständen zu besitzen. Denn zu viel materieller Besitz bedeutet für ihn nur Ballast, der Staub fängt und Geld kostet und einen hindert, spontan den Ort wechseln zu können, wenn einem danach ist. Außerdem ist ihm Lebenszeit wichtiger als Statussymbole. „Wir sollten uns über Geld mehr Gedanken machen, weil wir im Endeffekt unsere Lebenszeit, in der wir arbeiten, gegen dieses Geld tauschen. Sagen wir mal: für dieses Auto, ist es mir wirklich wert, 600 Tage meines Lebens 8 Stunden zu opfern? Ich weiß ja nicht, wie lange ich lebe. Vielleicht habe ich Besseres mit meiner Zeit vor, als es in dieses Auto zu stecken.“

Frugalismus - ein Modell für Jedermann?

Um sich das Geld für ein Fitness-Studio zu sparen, trainiert Alex daheim.

Für Alex spielt der Frugalismus eine konsum- und gesellschaftskritische Rolle. Gleichzeitig nutzt er aber die Möglichkeit, am Finanzmarkt zu spekulieren. Auf dieser Möglichkeit basiert die Frugalismus-Bewegung. Ihre Gründer entstammen der IT-Branche und verfügen über ein gutes Einkommen, zumindest in der Lebensphase, in der sie arbeiten, sparen, und anlegen. Natürlich ist dies hilfreich bei der Investition in die Rente ab 30 oder 40, aber es stellt sich die Frage, ob diese für Geringverdiener überhaupt möglich ist. Kritiker der Bewegung bemängeln daher die mangelnde Anwendbarkeit der radikalen Lebensphilosophie auf breite Teile der Bevölkerung. Wenn jeder Frugalist wäre, so Wirtschaftsexperten, würde der Markt durch die rückläufige Nachfrage ins Stocken geraten und die Wirtschaft blockieren. Dazu befragt, antworten manche Frugalisten mit dem Argument, dass sie eine Veränderung der derzeitigen Wohlstands- und Konsumgesellschaft aus ökologischen und ethischen Gründen ohnehin begrüßen. Dass bei fehlender Nachfrage allerdings auch keine Aktiengeschäfte in der von ihnen betriebenen Form mehr möglich sind, wird in dieser Argumentation oft nicht berücksichtigt.

Seine Mutter ist in Vielem ein Vorbild für Alexander. Lebensfreude hat nichts mit Geld zu tun, findet sie.

Maximilian Alexander Koch, dem es mehr um die minimalistische Lebensphilosophie als um das reine Sparen geht, ist sich der Kritikpunkte am Frugalismus bewusst. „Warum ich es selber für vertretbar halte, dass ich als Privatanleger tätig bin? Weil ich denke, wenn mehr private Anleger den Aktienmarkt übernehmen, kommt erstens ein Bewusstsein für den Aktienmarkt bei der Bevölkerung auf. Und zweitens normalisiert sich dieser. Weil man, wenn man nicht über Millionen- und Milliardenbeträge verfügt, weniger in der Lage dazu ist, sehr krass zu spekulieren.“


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