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Dr. Lieneke Janssen Das Gehirn und seine Gewohnheiten

Das größte Geheimnis der Gewohnheiten besteht für die meisten Menschen darin, wie man schlechte Gewohnheiten los wird. Für die kognitive Neurowissenschaftlerin Dr. Lieneke Janssen ist das größere Geheimnis, wie Gewohnheiten überhaupt gebildet werden: Wie finden sie ihren Weg in unser Gehirn?

Stand: 15.05.2022

Warum  ist es so schwer, das eigene Verhalten zu ändern, selbst wenn man den harten Fakten ins Auge sieht? Einige der größten Probleme unserer Zeit, die Adipositas- und die COVID-Pandemie, die Klimakrise und auch Reproduktionskrise in der Wissenschaft, werden alle durch alte Gewohnheiten aufrechterhalten. Obwohl es sich um unglaublich komplexe Situationen handelt, sind die Ursachen für diese menschlichen Gewohnheiten die gleichen.

In ihrer Forschung hat Lieneke Janssen einige der sehr elementaren kognitiven und neuronalen Prozesse untersucht, die eng mit unseren Gewohnheiten zusammenhängen. Zum Beispiel, wie wir auf Belohnungen reagieren und daraus lernen, sei es gutes Essen oder Trinken oder eine Chance auf einen großen Gewinn beim Glücksspiel; wie unsere Aufmerksamkeit auf solche Belohnungen gezogen werden kann; und vor allem, wie sich die Menschen in diesen Prozessen so sehr unterscheiden. Dabei spielt der Neurotransmitter Dopamin eine wichtige Rolle, wie wir zum Beispiel aus der Forschung zur (Spiel-)Sucht und zur Fettleibigkeit wissen.

Leider gibt es bisher wenig Fortschritt in der Forschung darüber, was eine Gewohnheit auf der Ebene des Gehirns bedeutet und wie sie entsteht. In diesem Campus Talk wird beleuchtet, was Gewohnheiten laut Neurowissenschaftlern eigentlich sind und warum es so schwierig ist herauszufinden, wie sie im menschlichen Gehirn entstehen, und vor allem auch, wie Gewohnheiten wieder abgelegt werden können.

Kurzvita

Dr. Lieneke Janssen ist eine niederländische Neurowissenschaftlerin, die an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig forscht. Lieneke interessiert sich vor allem für menschliche Gewohnheiten und wie sie sich im Gehirn einprägen, sowie, wie man sie wieder ablegen kann.

Nach ihrer Doktorarbeit am Donders Institute in die Niederlanden, ist sie 2017 nach Leipzig gezogen um ihre Forschung an Dopamin und schlechte Gewohnheiten im Essensbereich weiterzuführen. Am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften untersuchte Lieneke Janssen, welche Dopamin im Gehirn spielt bei Fettleibigkeit, und was eine fett- und zuckerreiche Ernährung auf der Ebene der Gewohnheiten bedeutet.

Seit 2021 arbeitet Lieneke als Postdoc an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, wo sie die elementaren Prozesse untersucht, die unserem Verhalten, und der Kontrolle darüber, zugrunde liegen. Das Ziel für die nächsten Jahre ist, herauszufinden, wie alltägliche Gewohnheiten im Gehirn gebildet werden.


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