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Ein Moor mit vielen Gesichtern Die "Nicklheimer Fuizn" bei Rosenheim

Es ist ein Flecken Erde von beeindruckender Schönheit: Die Nicklheimer Filze in Raubling. Heute gilt sie als Paradies für Enten, Lachmöwen und Schwarzhalstaucher. Und auch empfindliche Torfmoose wachsen hier - was nicht selbstverständlich ist, wenn man die Geschichte der Nicklheimer Filze kennt.

Stand: 11.06.2013 | Archiv

Über 130 Jahre wurde im oberbayerischen Raubling Torf abgebaut. 2006 kam schließlich das Aus für das dortige Torfwerk, das Moor wird seither aufwändig renaturiert. Die Erinnerung an die Torfkultur und damit ein Stück Heimatgeschichte soll dennoch wach bleiben.

Torf - Die 'Kohle des armen Mannes'

Die Menschen haben das Moorgebiet um 1800 für sich entdeckt und damit angefangen, es wirtschaftlich zu nutzen. Die ersten Siedler und Landwirte stachen Torfsoden mühsam per Hand, um ihre Wohnstube damit zu heizen. Torf galt als Kohle des armen Mannes.

Heute gelten die 'Nicklheimer Fuizn' als Naturparadies.

Mit der Industrialisierung veränderte sich das Gesicht der Filze nachhaltig: Ab 1876 wurde der Torf in großem Stil abgebaut, das Moor entwässert. In Raubling eröffnete ein Torfwerk, das den Menschen in der Region Arbeit gab und selbst Saisonkräfte, vor allem aus Ostbayern, anzog. Auf den abgetorften Flächen entstand ein neuer Ort: das heutige Nicklheim. Die Filze wurde zur Heimat und Existenzgrundlage zugleich.

Wer im Moor sein Geld verdiente, hatte eine anstrengende Aufgabe: Die Arbeiter waren zwischen neun und dreizehn Stunden auf dem Feld, arbeiteten im Akkord, im Sommer bei brennender Hitze. Trotzdem erinnern sich viele Nicklheimer gern an die Zeit des Torfabbaus. Hedwig Patsch zum Beispiel. Sie hat „gekastelt“, also die gestochenen Torfsoden zum Trocknen auf- und umgeschichtet.

"Wir hatten ja damals nicht viel und waren zufrieden. Das war eine andere Einstellung zur Arbeit als heute. Ich bereue die Jahre nicht, die ich draußen in der Fuizn verbracht habe."

Hedwig Patsch, ehemalige Torfarbeiterin

Doch das Geschäft mit dem Torf wurde immer unrentabler, andere Brennstoffe waren angesagt. Ab Mitte der 50er Jahre wurde der Torf in Raubling vor allem für Blumenerde abgebaut. Und auch in der Gesellschaft fand ein Wandel statt: Moore galten jetzt als schützenswert. Die Folge: 2006 schloß das Torfwerk in Raubling, das Moor wird seither aufwändig renaturiert.

"D'Fuizler" pflegen ein Stück Heimatgeschichte

Die Erinnerung an der Torfabbau würde wohl von Jahr zu Jahr mehr verblassen, gäbe es nicht einen Verein, der genau das verhindern will: „D'Fuizler“. Er will die Torfkultur pflegen, sammelt alte Werkzeuge und Maschinen und kümmert sich darum, dass die wenigen Gebäude des Torfwerks, die noch erhalten sind, nicht verfallen.

Mit der Bockerlbahn durchs Moor.

Der größte Stolz der „Fuizler“ sind aber zwei Loks aus den 60er Jahren, die ihnen der ehemalige Werksleiter überlassen hat. Mit diesen Bockerlbahnen fahren sie gern durchs Moor, nehmen auch mal Besuchergruppen mit, um diesen einen Blick zurück in die Vergangenheit zu ermöglichen. Im Moment sind die Fahrten allerdings sehr kurz, da an vielen Stellen Gleise fehlen. Diese neu zu verlegen, ist ein Projekt der „Fuizler“. Ein anderes ist ein kleines Museum zur Torfkultur, das in der ehemaligen Werkstatt entstehen soll. Und so hat dieses wichtige Kapitel regionaler Heimatgeschichte gute Chancen, nicht in Vergessenheit zu geraten.

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Geschichte und Tradition des Torfabbaus in Raubling möchte der Nicklheimer Torfkulturverein erhalten. Von der Moorstation Nicklheim gibt es die Möglichkeit zur Landschafts- und Vögelbeobachtung.


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