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Rätselhafte Bauernhäuser Die stattlichen "Itakerhöfe" im Chiemgau

Im 19. Jahrhundert kamen Saisonarbeiter regelmäßig in den Chiemgau und bauten stattliche Höfe, die etwas anders aussehen als die anderen Bauernhöfe. Die Einheimischen tauften sie "Itakerhöfe" - in Erinnerung an die italienische Herkunft der Bauleute.

Stand: 14.05.2013 | Archiv

Itakerhöfe in Oberbayern | Bild: BR

Im 19. Jahrhundert kamen Saisonarbeiter regelmäßig in den Chiemgau und bauten stattliche Höfe, die etwas anders aussehen als die anderen Bauernhöfe. Die Einheimischen tauften sie "Itakerhöfe" - in Erinnerung an die italienische Herkunft der Bauleute.

Ein "Itakerhof" im Chiemgau.

Was die sogenannten Itakerhöfe gemeinsam haben, ist, dass Wohnung, Stall und Stadel hintereinander und unter einem Dach vereint sind. Verputzt oder auch nicht, haben sie voll ausgebaute Geschoße, streng gegliederte Fensterfronten und oben ein Halbgeschoß, dessen Fenster den Getreideboden gut belichten und belüften.

Wer waren die Baumeister?

Der Kunsthistoriker und Volkskundler Martin Ortmeier.

Dass man zu diesem Haustyp "Itakerhof" sagt, erscheint dem Kunsthistoriker und Volkskundler Martin Ortmeier problematisch. Er zweifelt an der landläufigen Meinung, die Gestalt der "Itakerhöfe" sei durch und durch italienischen Ursprungs. Vielmehr seien die Baumeister Einheimische gewesen, die die Höfe nach Vorlagen des Historismus errichten ließen. Die zahlreichen Ziegel jedoch seien von italienischen Bautrupps an Ort und Stelle geschlagen und gebrannt worden.

Einfluss bis ins Rottal

Wer vom Chiemgau ins Rottal fährt, findet auch dort Bauernhöfe, die von italienischen Zieglertrupps gebaut wurden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts versteint auch dort die Hauslandschaft. Einer der stattlichsten Vierseithöfe im niederbayerischen Hügelland in Blankziegelbauweise ist der Tremmelhof bei Tann.

Buchtipp:

"Per Handschlag - Die Kunst der Ziegler", Autor: Martin Ortmeier, erschienen im Passavia Verlag, 1995


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