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Verspottet und verehrt 350. Geburtstag Dr. Eisenbarth in Oberviechtach

"Ich bin der Doktor Eisenbarth", das Spottlied haben viele im Ohr. Vor 350 Jahren wurde Johann Andreas Eisenbarth in der Oberpfalz geboren. Als Wanderchirurg zog er übers Land. Doch war er tatsächlich ein Kurpfuscher?

Stand: 19.03.2013 | Archiv

Johann Andreas Eisenbarth | Bild: BR

Ihn gab es wirklich: Johann Andreas Eisenbarth, 1663 in Oberviechtach in der Oberpfalz geboren. Keine Legende, sondern ein ganz realer Wanderchirurg der Barockzeit.

Die Oberviechtacher halten schon seit vielen Jahren die Erinnerung an Eisenbarth mit Theaterinszenierungen wach

Doch mit dem Kurpfuscher des Spottliedes hat er wenig gemein. Die Stadt Oberviechtach ist stolz auf ihren berühmten Sohn, seit vielen Jahren schon hält sie die Erinnerung mit eigenen Theaterinszenierungen frisch.

Johann Andreas Eisenbarth war als Wanderchirurg in halb Europa unterwegs. Er operierte auf Jahrmärkten. Dort ließ er sich in Flugblättern und Zeitungsannoncen ankündigen. Die Chirurgie galt damals als Handwerksberuf, den man in langen Jahren erlernte. So auch Eisenbarth. Er war also kein studierter Arzt. In Preußen erhielt er vom König das Privileg, dort praktizieren zu dürfen, wurde gar königlich preußischer Hofrat und Hofokkulist.

Prof. Marion Ruisinger vom Medizinhistorischen Museum erläutert die Prozedur des Starstiches

Seine besondere Spezialität war der Starstich. Mit einer Nadel verschob der Arzt die kranke Linse des Patienten, so dass dieser wieder einen Teil seiner Sehkraft zurückerlangte. Als junger Mann hat Lorenz Heister, der später selbst ein bekannter Arzt werden sollte, Eisenbarth beobachtet. Er beschreibt Eisenbarth als berühmten Arzt, der in Frankfurt Operationen durchführt, die sich dort sonst keiner zutraut.

Die Kranken wurden damals bei vollem Bewusstsein operiert; denn der Chirurg wollte einen wachen Patienten vor sich haben, so dass er sich sicher sein kann, dass der Patient noch lebt.

"Er soll jung sein, eine ruhige Hand haben, darf nicht zittern, muss scharfe Augen haben, muss rechts- und linkshändig sein, aber ganz besonders wichtig war, dass er dieser Situation gewachsen war, der Operation, bei der der Patient laut schrie. Und deswegen muss er unerschrocken sein, und wo es nötig, unbarmherzig."

Prof. Marion Ruisinger vom Deutschen Medizinhistorischen Museum Ingolstadt zitiert aus einem historischen Lehrbuch der Chirurgie. Darin wird beschrieben, welche Voraussetzungen ein Chirurg zur damaligen Zeit mitbringen mußte.

Johann Andreas Eisenbarth war ein ehrenwerter Arzt. Dass er in Verruf gekommen ist, liegt an dem Spottlied. Es stammt vermutlich von Göttinger Studenten und ist um 1800 entstanden. Sie machen sich darin über die nicht ehrenhaften Wanderchirurgen lustig. Doch mit dem historischen Eisenbarth hat das nichts zu tun.

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